Tourentipp: Hunsrück (Archivversion) Steinreich und Bitterarm

Mosel, Eifel, Rheintal und Pfälzer Wald jeder kennt sie. Der Hunsrück liegt genau dazwischen und fristet ein Schattendasein, das er nicht verdient hat.

Saftige, gewölbte Wiesen und Felder bilden im Wechsel mit lichtdurchflutetem Laubwald einen bunten Flickenteppich in der buckligen Landschaft. Schiefergraue Haufendörfer liegen dazwischen wie Inseln im Grün. Des Hunsrück herber Charme liegt in diesem typischen Kontrast aus landwirtschaftlich genutzten Hochflächen und bewaldeten Höhenrücken. Burgruinen thronen über Tälern, steile Weinhänge wollen in Serpentinen erklommen werden, Fachwerkidylle lädt zum Flanieren ein. Abseits touristischer Highlights sind es die unzähligen Kleinode, die es hier zu entdecken gilt und die den Reiz dieser Region ausmachen. Dazu gesellt sich ein den Hunsrück überziehendes Wegenetz aus kleinsten Landstraßen, das oft einem Kurvenlabyrinth ohne Ausweg gleicht und in dem man meist völlig ungestört unterwegs ist.

Lange vor den Römern gruben schon die Kelten ihre Spuren in den südlichsten Ausläufer des Rheinischen Schiefergebirges. Viele Zeugnisse ihrer Kultur wurden im Hunsrück freigelegt und begehbar gemacht, wie zum Beispiel die rekonstruierte keltische Altburg bei Bundenbach. Während die Römer die Region bis 400 n. Chr. erschlossen und zwischen Bingen am Rhein bis nach Trier eine wichtige Handelsstraße errichteten, brachte der Sonnenkönig Ludwig XIV. die große Zerstörung. 1689 brannten alle Städte und Burgen im Hunsrück. Am sogenannten „Jammertag“ wird diesem Ereignis noch heute gedacht.

Das dünn besiedelte Mittelgebirge zählt zu den waldreichsten Gebieten Deutschlands. Schieferbergbau und Holzwirtschaft für die Verhüttung waren neben der Landwirtschaft wichtige Gewerbezweige. Edelsteinvorkommen bei Idar-Oberstein verliehen der Stadt ihren Glanz. Die kargen Böden konnten die Bewohner jedoch nur unzureichend ernähren, und der Abbau von Edelsteinen lohnte sich Anfang des 19. Jahrhunderts nicht mehr. Der Ausspruch „Steinreich, aber zugleich bettelarm“ charakterisiert das damalige Leben am besten. Hunderttausende wanderten im 18. und 19. Jahrhundert nach Südamerika oder Russland aus. Heute gilt der Hunsrück als strukturschwache Region, größere Industrieansiedlungen stellen die Ausnahme dar. Nicht zuletzt deshalb zeichnet er sich als ideales Biker-Revier aus.

Unsere Streckentipps werden durch die abwechslungsreichen Hunsrücklandschaften bestimmt. Route 1 durchzieht die offeneren, landwirtschaftlich geprägten Hunsrückausläufer im Südwesten und streift städtische Bereiche bei Saarburg und Mettlach. Steile Auf- und Abfahrten mit engen Serpentinen sowie malerische Ausblicke von den Hunsrückhöhen kennzeichnen die rund 160 Kilometer lange Tour.

Kurvenspaß vom Feinsten bieten auch die etwa 200 Kilometer der zweiten Tour, gepaart mit erfrischend schattigen Abschnitten durch den Idarwald und das waldreiche Dhrontal.

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