Trial-Kurs: Selbsterfahrung von Michael Schröder (Archivversion) Tipps zum Obenbleiben

Grob übersetzt bedeutet Trial: Geschicklichkeitsfahren
über Stock und Stein – und
Profis klettern praktisch über jede Hürde. Ohne richtige
Technik (und jede Menge Training) geht allerdings nichts.

Grundhaltung
Sitzen ist beim Trial fahren völlig tabu – und scheidet mangels Sattel eh aus. Die Grundhaltung muss es
dem Fahrer gestatten, jederzeit Gewichtsverlagerungen und kurskorrigierende Bewegungen durchführen zu können. Dazu steht er aufrecht mit leicht angewinkelten Knien auf den Rasten und beugt den Oberkörper nach vorne. Die Arme sind ein wenig ange-
winkelt, und die Ellenbogen zeigen nach außen. Wichtig: kein Hohlkreuz! Die Hände umfassen die Lenkerenden, stützen sich aber nicht ab. Die Handhebel sollen fast waagerecht eingestellt sein, damit sie in allen erdenkbaren Situationen bedient werden können.
Bei niedrigem Tempo lassen sich Trial-Motorräder ohne zusätzliche Lenkbewegungen in die Kurve
»treten«. Dazu mit dem Körpergewicht einseitig
Druck auf die entsprechende Fußraste ausüben.

Kurventechnik
Kurven werden durch eine Lenkbewegung in die
entgegengesetzte Richtung und durch Belastung der
kurveninneren Fußraste eingeleitet. Während der
Kurvenfahrt liegt das Motorad am kurveninneren
Bein an, während der kurveninnere Arm gestreckt wird. Der kurvenäußere Arm ist dagegen stark angewinkelt – und der Oberkörper bildet eine Linie mit dem Lenker. Damit das Vorderrad besser über Hindernisse läuft, sollte es durch Gewichtsverlagerung
nach hinten so weit wie möglich entlastet werden.

Erste Fahrversuche
Tempo raus! Geschwindigkeit spielt beim Trial keine Rolle – es geht ausschließlich um Geschicklichkeit. Sämtliche Übungen werden knapp über Schritttempo absolviert. Ein Slalomkurs auf einer Wiese an einem leichten Hang sieht zwar unspektakulär aus, reicht aber, um stundenlang beschäftigt zu sein, bis die
Bewegungsabläufe zumindest rudimentär sitzen. Weil die langsam drehenden Räder keine unterstützenden Kreiselkräfte aufbauen, muss so lange an der korrekten Haltung gefeilt werden, bis sich ein Gefühl für
die entsprechende Balance entwickelt hat.
Bergauf
Am Material liegt es garantiert nicht, wenn am Hang nichts geht: Ein Trial-Motorrad fährt dank üppigen Drehmoments und entsprechender Übersetzung nahezu überall hoch. Hier hilft – neben der Entschlossenheit des Fahrers – nur die richtige Haltung. Das Hinterrad verfügt über die meiste Traktion, wenn das Vorderrad kurz vor dem Abheben ist. Je steiler der Hang, desto größer allerdings die Gefahr, dass das Vorderrad zu sehr entlastet wird – ein Salto rückwärts wäre die Folge. Damit das Vorderrad möglichst leicht auf dem Boden und die meiste Last auf dem Hinterrad liegt, beugt sich der Pilot bei der Bergauffahrt so weit wie erforderlich über den Lenker. Eine nervöse Gashand ist völlig fehl am Platz. Wenn am Hang dennoch mehr Tempo vonnöten ist, muss der Oberkörper dem Maß der Beschleunigung entsprechend stark nach vorn gebeugt werden.

Bergab
Gestreckte Arme und alles Gewicht (Hintern) so
weit wie möglich nach hinten aufs Schutzblech (viel weiter als auf dem Foto). Kein Gas geben! Während sich die Handballen am Lenker abstützen, bleiben
die Finger frei für die Bedienung der Hebel. Verzögert wird hauptsächlich durch Vorderrad- und Motorbremse. Die Kupplung sollte nur dann gezogen werden, wenn Gefahr besteht, dass durch ein blockierendes Hinterrad der Motor absterben könnte. Die Hinterradbremse ist also mit Vorsicht zu genießen – auch weil ein nicht drehendes Rad über keine Seitenführung verfügt.

D Der Veranstalter
Trial-Ambitionierte sollten sich an Manfred Schiemer von »Trail Trial« wenden: Je nach Können empfiehlt der langjährige Ausbilder entweder das Basis-,
Einsteiger-, Aufbau- oder Sektionstraining. Die
jeweils zweitägigen Veranstaltungen ergänzen sich
und finden natürlich in entsprechendem Gelände
statt. Der Spaß kostet jeweils pro Person 188 Euro,
für ein Leihmotorrad müssen 40 Euro gerechnet
werden. Nicht im Preis enthalten sind Übernachtung, Verpflegung und Kraftstoff. Zusätzlich bieten Schiemer und sein Team zahlreiche Enduro- und Quadtrainings sowie diverse Offroad-Reisen an. Ganz aktuell:
eine fünftägige Endurowanderung durch Branden-
burg für Sport- und Großenduros sowie für Quads. Weitere Infos: Trail Trial, Manfred Schiemer, Telefon 08869/93256, www.trail-trial.de.

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