Trialkurs auf Mallorca

Abenteuer Minimalismus

Im warmen Süden die Kunst des Trialens lernen? Auf Mallorca verbinden Trialschulen Naturgenuss mit kunstvollem Motorrad-Sport. Wir haben’s ausprobiert.

Foto: Eisenschink
Spielweise Mallorca. Trialfahren und Landschaft genießen.
Spielweise Mallorca. Trialfahren und Landschaft genießen.
Pylonen! Immer wieder Pylonen. Sie sind das Erste und vermutlich auch das Letzte, was ich hier auf Mallorca sehen werde. Die Pylone, das Wesen des Trialens. »Ohne sie würdest du’s nicht lernen«, hat Trainer Elmar Heuer klare Prinzipien, »sie stecken die notwendigen Grenzen.« Sechs Montesa Cota, fünf Schüler und ein Trainer – auf einer mallorquinischen Finca sind wir zum Trialkurs versammelt. Unsere Kenntnisse irgend-
wo zwischen null und hundert variierend. Entsprechend müssen auch die Fortgeschrittenen Peter, Bernd und Uwe mit Novizen wie Gerhard und mir noch mal das kleine Einmaleins durchgehen.
Grundstellung: auf einem komplett sitzfreien Motorrad eine zentrale Ange-
legenheit. Füße bequem mittig auf die Rasten, nicht zu nah am Rahmen, um die Maschine noch seitlich neigen zu können, Beine leicht angewinkelt, Rücken gerade, Hände locker auf den Hebeln, die überraschend flach stehen, um sie in jeder Fahrsituation erreichen zu können. Alles klar? Dann ankicken und rein in die ersten Kreise unter den Oliven- und Johannisbrotbäumen. Federleichtes Fahrgefühl, die winzigste frei laufende 250er, die ich kenne, sensibel auf die feinsten Impulse am Gas reagierend. Wie schwerelos rollt die Montesa über kleinere Hindernisse, walkt
weich mit ihren artgemäß halbplatten Softreifen über Gras und Schotter.
Lektion zwei: Der Trainer grenzt mit den Pylonen den Raum zusehens ein,
steigert so allmählich den Schwierigkeitsgrad in unseren Achtern, Kreisbahnen und Steilstücken. Das Thema Trial beginnt sich abzuzeichnen: zentimetergenaue Fahrweise in langsamstem Tempo auf engstem Raum. Die markierten Kurven können nun tatsächlich nur noch mit Schräglagenabwinklung genommen werden. Also Füße außen auf die Rasten setzen und das Motorrad mit Lenker und Innenraste tief in Schräglage drücken. Dabei mit dem Körper auf der Gegenseite ausbalancieren. In die Knie gehen, Hintern rüberschieben, »stellt euch vor, ihr säßet auf einem Dixi-Klo«, verdeutlicht Elmar plastisch die Körperhaltung. Im Spiel mit Bremsen und Kupplung versuchen wir im Fastumfall-Tempo, den Radius einzuhalten.

Steilauf- und -abfahrten sind vom Endurofahren vertraut: Aufwärts zur Vorderradbelastung den Körper möglichst nah am Lenker halten, abwärts mit gestreckten Armen beinahe auf dem Hinterradschutzblech sitzen, um Gewicht nach hinten zu bringen. Hindernisse wie Steine oder Stämme mit Gasstoß und Zug am Lenker überwinden. Das sind die wesentlichen
Arbeitsziele unserer fünf Tage. Jeder ackert auf seinem Niveau. Peter, Uwe und Bernd steiler und enger als Gerhard und ich. Schweißtreibend ist die Sache trotzdem für alle, da neben Koordinationsgeschick auch äußerste Beweglichkeit gefragt ist. Und keine Chance auf Fahrtwindkühlung besteht. Im Gegenteil, Elmar mahnt stetig mein zu hohes Tempo an. »Langsamkeit ist momentan der alles entscheidende Faktor.

« Besonders spannend wird es, die Einzelübungen in fließender Kombination zu absolvieren. An einem malerischen Steilküstenstück gibt es eine prächtige Übungsstelle. Hoch über dem türkisgrünen Meer muss eine kurvenreiche Steilauffahrt mit U-Turn am oberen Ende und anschließend kontrol-liertem Abseilen zurück bewältigt werden. Nach Besprechung von Strecke und Fahrtechnik müssen wir ran.
Unten geht’s durch ein paar gröbere Kuhlen mit lockeren Kurvenkombinatio-nen – schön abwinkeln! –, dann ein paar Meter ultrasteil auf einen Grat hinauf. Es gilt, Schwung mitzunehmen und den Körper dicht an den Lenker pressen, gleichzeitig hinten Traktion behalten, auf dem Grat leicht abstoppen, die Maschine tief abwinkeln und in einer 90-Grad-Kurve weiterfahren. Noch ein Stück hinauf, um schließlich zwischen zwei Pinien den U-Turn zu drehen und anschließend die schmale, mit Pylonen gespickte Abfahrtsspur zu treffen. Dazu den Körper möglichst weit nach hinten strecken, beide Bremsen behutsam an die Blockiergrenze führen und den Motor eingekuppelt mitbremsen lassen. Vorsicht, hinten rutscht’s, also wieder lösen, vorne dafür fester packen. Und nun die handbreite Naturbrücke über den Abschlussgraben treffen! Geschafft! Aufatmen. »Fahr gleich noch mal. Die Kehre oben war zu weit«, lotst
der Lehrer. Stimmt. Ich übe es noch ungezählte Male an diesem Tag.
Müde und jeden Muskeln spürend, fahren wir abends zur Finca zurück. Mit
80 Sachen im großen Gang, den Fahrtwind endlich kühlend im Gesicht. Nach sechs Stunden Lowspeed-Training befreiend wie ein Überschallflug.

Am nächsten Tag wartet Großes:
der 1352 Meter hohe Puig de Massanella, Mallorcas zweithöchster Gipfel im Tramuntana-Gebirge. Endlich Strecke statt Pylonen. Bis zum Beginn eines Wanderwegs müssen wir die Montesas jedoch verfrachten. Rund 30 Kilometer Landstraße sind zu viel für reinrassige Trialer. »Und ihr wärt durchs Stehen müde, bevor es richtig losgeht«, meint Elmar.
Unkompliziert breit schwingt der Schotterweg anfangs Kehre um Kehre hoch ins Gebirge. Ich versuche, möglichst locker zu stehen, Arme und Beine zu entspannen. Karger Fels und hüfthohe Grasbüschel lösen die Viehweiden und Olivenbäume der tieferen Regionen ab, dürre Krüppelkiefern markieren an der 1000-Meter-Grenze die letzten Ausläufer der Vegetation. Die Aussicht wird immer toller, doch der Weg verlangt zusehends mehr Aufmerksamkeit. Bald ist keinerlei Spur mehr erkennbar, Stufen und fußballgroße Felsklötze fordern alles Können meiner jungen Trialkarriere. Einzelne Hindernisse nacheinander wären ja okay,
aber jetzt muss das Vorderrad ständig oben gehalten werden.
Gerhard kämpft knapp vor mir auf diesem immer mieseren Ziegenpfad.
Bald baut sich eine mächtige Felsspitze senkrecht auf, wir müssen kurz vor dem Sattel unterhalb des Gipfels sein. Doch jetzt wird das Gesteinskonglomerat vor dem Vorderrad unüberwindlich. Egal, ich lege Helm und Jacke beiseite, klettere die letzten Meter zu Fuß – und dann liegt sie mir zu Füßen, die gesamte Insel, bis zum Horizont reicht der Blick vom Gebirge hinab, wo das Meer sich Blau in Blau mit dem Himmel vereint. Die schmerzenden Arme sind vergessen, es ist umwerfend schön. Von hier aus geht es nur noch runter. Pylonenfrei. Und das klappt immer.
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Der Einstieg

Um das Trialen zu erlernen, muss man freilich nicht
bis Mallorca reisen. Auch
in Deutschland gibt es
vielerlei Möglichkeiten.
D DER EINSTIEG
Für Trialneulinge ist es sinnvoll, zunächst mal ein Tages- oder Wochenendtraining zu buchen. Schnupperkurse werden auf zahl-
reichen Übungsgeländen in Deutschland
und im nahen Ausland angeboten. Inklusive
Leihmotorrad und -ausrüstung beginnen
die Kosten bei 80 Euro pro Tag. Kurse gibt’s
unter anderem bei Elmar Heuers Trialschule, die auch die Mallorca-Tour organisiert.
Neben Trainings in Deutschland bietet Heuer
auch Trial-Feriencamps in Frankreich an.
Telefon 02507/986321; www.trialschule.de.
D LERNEN AUF
MALLORCA
Im sonnigen Süden Trialfahren zu lernen ist natürlich besonders schön. Doch Achtung:
Trial ist nicht Enduro! Sondern ein Sport, der sich hauptsächlich in Sektionen abspielt und damit auf wenigen Quadratkilometern. Große Strecken werden weniger gemacht und sind durch das ständige Fahren im Stehen auch recht konditionsraubend. Wer sich darüber
im Klaren ist, findet im Basis-Camp nahe
Palma, einer geschmackvollen Finca, tolle Be-
dingungen. Die siebentägige Reise kostet
870 Euro ohne Flug (ab 90 Euro). Im Preis ent-
halten ist ein Tagestraining vor Reiseantritt.
Gefahren wurde mit der 2005 komplett
neu entwickelten Montesa Cota 4RT, deren 250er-Viertakt-Einspritzmotor von Honda stammt. Das 75 Kilogramm leichte Motorrad bietet mit enormem Antritt und Top-Fahr-
werk Einsteigern wie Könnern eine ausgezeichnete Basis. Preis ohne Straßenzulassung 6490 Euro. Für touristische Unternehmungen
gibt es bei Zweiradhandel Schwarz, Telefon 02636/6198, www.schwarz-zweiradhandel.de, eine Endurositzbank. 2,1 Liter Tankinhalt schränken den Aktionsradius der Cota
allerdings erheblich ein.
D WEITERE INFOs
Mehr zum Thema Trial lesen Sie in der Zeitschrift Trialsport, dem einzigen Fachmagazin der Szene. Hier findet sich auch ein großer Kleinanzeigenmarkt mit fast allen namhaften Trialschulen. Außerdem verkauft die Redaktion für 39,90 Euro eine Fahrtechnik-DVD.
Telefon 07161/500204; www.trialsport.de. Das sehr gute Trainingsbuch von Felix
Krahnstöver und Harry Niemann aus dem
Motorbuch Verlag ist leider nur noch sündteuer zu ersteigern oder als Nachdruck
bei manchen Trialschulen zu haben.

Basics für Trial-Einsteiger

1I Schutzkleidung muss sein, wobei Wanderstiefel
grenzwertig sind und keinen stabilen Stand bieten,
Knie- und Schienbeinschützer machen sich bald bezahlt.
2I Grundstellung üben: mittig auf den Rasten, Knie leicht gebeugt, Rücken gerade, Hände immer locker auf den
Hebeln. 3I Bergab Gewicht nach hinten, beide Bremsen nutzen und Motor im kleinen Gang mitbremsen lassen. 4I Bergauf Bauch an den Lenker, damit die Fuhre nicht steigt. Aufpassen, dass dabei hinten die Traktion nicht abreißt

Präzision und Körper

1I Nichts geht über Pylonen, wenn zentimetergenaues Fahren gelernt werden
soll – oder Abwinkeln auf engstem Raum. 2I Übung
für Vorderradentlastung:
Bereits im Stillstand
sorgt ordentlicher Körper-schwung für Hebekraft

Kurven-Kunst

1I Trainer Elmar Heuer kriegt die Kurve: Lenker
einschlagen, Maschine
per Lenker und Innenraste drücken und mit dem Körper
in Gegenrichtung ausbalancieren. 2I Flacher Hebelwinkel für Erreichbarkeit
in allen Fahrsituationen

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