Tschernobyl: strahlenverseuchtes Gebiet (Archivversion) Die fast vergessene Katastrophe

Am 26. April 1986 um 1.23 Uhr sorgen Schlamperei, falscher Ehrgeiz und Fehlkon-struktion des Reaktortyps für das bis heute schwerste Unglück der zivilen Atomenergie-Nutzung. Tschernobyl in der Ukraine wird zum Synonym für den GAU, den Größten Anzu-
nehmenden Unfall. Ein gewaltiger Druckanstieg, mitverursacht durch eine Knallgas-Explosion, hebt den 1000 Tonnen schweren Deckel des Reaktorblocks 4 ab wie den eines Kochtopfs, weil ein im Westen üblicher Sicherheits-Druckbehälter fehlt. So zerreißt der Druck das 86 Meter hohe Dach des Reaktorgebäudes und lässt radioaktives Material entweichen.
Durch den Luftzutritt beginnt der Grafit,
Moderator (Bremse) für die Kernspaltung,
zu brennen. Unzulänglich informiert und ausgerüstet, treten Helfer in Aktion, erst nach über einer Woche ist der Brand gelöscht. Der leck
geschlagene Reaktor wird unter Blei, Kalk und schließlich einem Betonsarkophag beerdigt. Die Soldaten und zivilen Helfer von der vordersten Front erleiden den schnellen, qualvollen Strahlentod – innerhalb von Tagen, höchstens Wochen. Viele Tausende sterben noch in den folgenden Jahren an Krebs.
Winde verfrachten die Radioaktivität über große Teile der Nordhalbkugel, auch nach Deutschland. Am schlimmsten trifft es die nähere Umgebung des Unglücksreaktors; in Weißrussland, Russland und der Ukraine werden zirka 150000 Quadratkilometer verstrahlt, eine Fläche größer als die frühere DDR, mit Millionen von Einwohnern. Zehntausende Menschen, die »zu nah« am Unglücksreaktor wohnen,
werden umgesiedelt. Erst am 12. Dezember 2000 legt die sowjetische Regierung den gesamten Reaktorkomplex Tschernobyl still. Zur Zukunft der am höchsten belasteten, bis heute eva-
kuierten Gebiete – siehe nächste Seite – sagt eine staatliche ukrainische Agentur: »Es besteht keine Hoffnung, dass die Sperrzone in absehbarer Zeit wieder besiedelt werden kann.« Mehr dazu unter www.chernobyl.info.

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