Ukrainische und russische Riviera (Archivversion)

Nahezu die gesamte nördliche Schwarzmeerküste ist für Ukrainer wie für Russen
das, was für uns die Strände des Mittelmeers sind: eine quirlige Urlaubsregion. Bereits im 19. Jahrhundert errichteten die Zarenfamilie und der russische Hochadel
ihre Sommerresidenzen auf der sonnenverwöhnten Halbinsel Krim. Künstler, Literaten sowie die finanzstarke Oberschicht folgten und ließen sich in prächtigen Villen hauptsächlich rund um Jalta nieder. Während der Sowjetherrschaft (1922–1991) wurden wegen des milden Klimas auf der Krim unzählige Sanatorien zur Heilung von Lungenkrankheiten (Tuberkulose) errichtet, die pro Saison bis zu zehn Millionen »Kurgäste« aus der »Arbeiterklasse« aufnahmen. Ukrainer und Russen zieht es heute weiterhin auf die Krim. Wer es sich leisten kann, residiert in den Hotels rund um das lebhafte Jalta. Die Mehrzahl bevölkert dagegen die zahlreichen kleinen Badeorte mit teilweise recht einfach ausgestatteten Unterkünften.
Ähnlich die Entwicklung im russischen Seebad Soci, das sich rühmt, in den »nördlichsten Subtropen der Welt« zu liegen: Entlang der Küste gedeihen Palmen, Bananen und
Zitrusfrüche. Stalin hatte diesen Ort ebenfalls zu einem Badeparadies für die Arbeiterklasse auserkoren – Hunderte Sanatorien, Kureinrichtungen und Ferienzentren säumen noch heute die Küste, die über einen etwa 30 Kilometer langen, schwarzen Sand- und Kieselsteinstrand verfügt. Später entwickelte sich Soci für die Bürger der DDR zu einem der beliebtesten Urlaubsziele, das während der Privatisierung nach dem Ende der
Sowjetära mangels Geld und Gästen zu verfallen drohte. Seit wenigen Jahren haben
der russische Jetset und Investoren Soci für sich entdeckt: Das Seebad gleicht heute stellenweise einem schrillen (und für russische Verhältnisse teuren) Partyzentrum.

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