Unterwegs: Reise mit dem Autozug Mit dem Autozug in den Urlaub

Klingt clever: Statt auf der Urlaubsanreise Reifen, Nerven und Sprit zu verbrauchen, besser Bike und Besatzung per Zug transportieren. Lesen Sie alles Wissenswerte zum Thema Autozug.

Foto: Hub

Die Motorradstiefel stehen unter den Sitzen, Proviantpakete sind ausgepackt, Korkenzieher kommen zum Einsatz, und gute Laune breitet sich aus. Ob Chopper oder Sportlerfahrer - für alle fängt der Urlaub im Zug positiv an. Anstatt in voller Montur über endlose Autobahnen zu bügeln, reisen viele Motorradfahrer entspannt mit, aber nicht auf ihrem Bike. Das parkt friedlich und gut verzurrt im Transportwagen des Autozuges. Autozüge fahren meistens über Nacht. Ein ICE würde für die jeweilige Distanz wohl nur die halbe Zeit brauchen, aber auf die Geschwindigkeit kommt es bei den Autozügen nicht an. Bewusst erst am nächsten Morgen soll das Urlaubsziel erreicht sein. Das (knappe) Frühstück spendiert die Bahn.

Schnurgerade Autobahnen sind öde, kosten Sprit, Reifenprofil und vielerorts auch Autobahngebühren. Das ewige Sitzen verbessert auch nicht die Laune der Sozia. Auf dem Weg in die Urlaubsregion muss man sich meistens auch noch ein Nachtquartier suchen, oft zu happigen Preisen. Wer seine Ressourcen für den eigentlichen Urlaub sparen möchte, entscheidet sich für ein Verkehrsmittel, das Autobahn, Raststätte und Nachtquartier in sich vereint. Die Preise sind recht unterschiedlich, je nach Strecke und vor allem nach der Art der Unterbringung im Liege- oder Schlafwagen. In der Nachsaison bot die Bahn auch mal Sonderpreise an, z. B. Fahrer und Motorrad für 99 Euro von Düsseldorf nach Narbonne oder das Gleiche samt Sozia für 149 Euro. Was die Bahn sich für die Nachsaison 2010 einfallen lassen wird, ist noch nicht bekannt.

Motorräder stehen in den Autotransportwagen immer auf der unteren Ebene. Über besondere Rampen - daher die geringe Zahl der Terminals - fährt man in die Waggons hinein. Einfahren muss jeder Biker selbst. Angeleint werden die Stahlrösser von Bahnarbeitern. Bevor die Haken eingeklinkt werden, bekommt das Motorrad eine Textilschlaufe verpasst. Die Arbeiter sind Profis und hängen die Schlaufe erfreulicherweise nicht an den Spiegeln ein. Beim Einfahren sollte man übrigens den Kopf deutlich in Richtung Tank beugen, denn für Motorradfahrer wurden diese niedrigen Waggons nie gebaut.

In den 70er-Jahren transportierte die Bahn damit VW-Käfer und andere Autos vom Werk in die Provinz. Damals waren die meisten Autos kleiner als heute. Heute werden Neuwagen vorwiegend per Lkw zum Händler gebracht, daher suchte die Bahn für ihre Autotransportwagen einen neuen Verwendungszweck. Motorradfahrer machen inzwischen ein Drittel der Autozug-Reisenden aus. Während für Autos Größenbeschränkungen gelten (ein Hummer-Geländewagen darf wohl nicht mit), ist für Zweiräder fast alles möglich. Auch Gespanne oder Trikes sind erlaubt. Seitenkoffer, Tankrucksäcke und anderes Gepäck kann am Motorrad bleiben, sofern es fest verbunden ist. Die Passagiere reisen im Liegewagen (vier bis sechs klappbare Betten) oder im Schlafwagen mit zwei oder drei Betten. In den Liegewagen sind die Sanitäranlagen knapp bemessen. Immerhin werden sie auch während der Fahrt gereinigt, schließlich fahren auch Zugbegleiter mit. Nicht immer dabei ist ein Speisewagen, und deshalb schaut niemand schräg, wenn Selbstversorger Proviant mit in den Zug bringen. Spätestens am nächsten Morgen bei der Entladung der Autotransportwagen sollte man allerdings wieder nüchtern sein.

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Das Problem der Autozüge: Es verkehren nur wenige, und die fahren keineswegs immer gerade dann, wenn man sie braucht. Sie fahren auch nicht unbedingt von dem Ausgangspunkt aus und an den Zielort, den man sich wünscht. Die Deutsche Bahn hat in den letzten Jahren das Streckennetz ihrer Autozüge ziemlich zusammengestrichen. Wer sich über Nacht an die Dolomitenpässe beamen lassen will, sollte nicht südlich des Ruhrgebietes wohnen. Autozüge nach Bozen bietet die Bahn nämlich nur von Hamburg, Berlin, Hildesheim und Düsseldorf an. Wer weiter südlich wohnt, soll nach dem Willen der Bahn eben auf eigenen Rädern in die Alpen fahren. Oder aller Vernunft zum Trotz erst nach Norden fahren, um sich dann im Eisenbahnwaggon in Richtung Süden kutschieren zu lassen.

Gleiches gilt für Südfrankreich-Reisende: Der südlichste Ausgangspunkt für den Huckepackverkehr nach Avignon ist Hildesheim (1200 Kilometer). Die Strecke Düsseldorf-Innsbruck dagegen wird angeboten, obwohl nur 700 Kilometer lang. Lörrach an der Schweizer Grenze ist der einzige Bahnhof in Baden-Württemberg, von dem aus Autozüge starten. Allerdings nur in Richtung Norden. Gleiches gilt für Bayern: Kurz entschlossen mal von München aus in Richtung Spanien? Fehlanzeige. Das ehemalige Terminal Kornwestheim bei Stuttgart hat die Bahn dichtgemacht. Dazu kommt: Autozüge fahren oft nur in der Zeit von Mai bis Oktober und in dieser Zeit auf manchen Strecken nur einmal pro Woche. Zur Ferienzeit sind die Züge lange im Voraus ausgebucht. Das bedeutet, dass Reisen dieser Art lange voraus geplant und gebucht werden müssen. Immerhin lässt es sich inzwischen online feststellen, ob für das Bike und dessen Fahrer noch ein Plätzchen frei ist. Weitere Infos: www.dbautozug.de.

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Autozüge gibt es nicht nur bei der Deutschen Bahn. "Motorrad am Zug" heißt das Angebot, das die ehemalige Donaumonarchie Österreich für Biker entwickelt hat. Internationale Strecken führen von oder nach Österreich von Deutschland (Wien-Hamburg-Wien), Kroatien, Slowenien und Italien aus. Auch die innerösterreichischen Strecken können interessant sein. Die Strecke "einmal Österreich von links nach rechts", korrekt formuliert: von Feldkirch nach Wien, ist immerhin 620 Kilometer lang. Auf den Schienen fährt das Motorrad auf dieser Strecke je nach Saison für 39,90 Euro oder für 49,90 Euro plus 63,50 Euro für den Fahrer. Wer von Wien nach Hamburg mit Hilfe der Österreichischen Bundesbahn zurückreist, zahlt für sein Motorrad dabei 52 Euro. Die Kosten für den Passagier variieren stark, je nachdem, ob nur ein Sitzplatz, ein Liegeplatz oder ein Schlafwagenabteil gebucht wird. Preisvergleiche sind wichtig! Unter Umständen ist es günstiger, die Rückfahrt über die Österreichischen Bundesbahnen anstatt über DB Autozug zu buchen. Alles Wissenswerte dazu unter www.oebb.at. Anders sieht es bei den Eidgenossen aus. Obwohl das Portal www.autoreisezug.ch dies zunächst mal suggeriert, hat die Schweizer Bahn keine internationalen Strecken im Angebot. Die Verbindungen nach Deutschland und Österreich sind nichts anderes als ein Verweis auf das Angebot der deutschen Bahn beziehungsweise der Österreichischen Bundesbahnen. Natürlich gibt es innerhalb der Schweiz Auto- bzw. Motorradverladungen. Die dienen aber nicht dazu, um sich lange Strecken zu sparen, sondern durch Tunnel manche Gebirgskette zu unterfahren. Da Passstraßen aber der Traum vieler Biker sind, wird man stattdessen kaum die Bahnverladung durch den finsteren Tunnel wählen. Es sei denn, dass es weiter oben schon schneit.

Undurchsichtig ist die aktuelle Lage bei den französischen Autozügen. Deren bisherige Strecken findet man auf der Internetseite www.raileurope.eu. Die Marketingverantwortlichen teilten MOTORRAD Mitte März 2010 mit, dass es noch nicht sicher ist, ob die französischen Autozüge im Sommer 2010 fahren würden. Zum Thema italienische Autozüge informiert die Seite www.eurostar-reisebuero.de. Eine Verbindung von Villach ins türkische Edirne (240 Euro) wird unter www.optimatours.de angeboten. Weitere Informationen im Netz unter www.autozuege-in-europa.de.

Zeichnung: Archiv

Infos zum Autozug

Preisbeispiele Autozüge:

 Start Ziel Kilometer Liegewagen
 (Einzelplatz)
 Liegewagen
 (ganzes Abteil)
 Schlafwagen
 (Abteil mit
 Waschgelegenheit)
 Schlafwagen
 (Abteil mit
  Dusche und WC)
 Deutsche Bahn
 Hamburg Narbonne 1525 309,00-436,50€ 606,50€ 686,50 €
 766,50€
 Hamburg Lörrach 814 189,00-266,50€ 386,50€ 376,50€ 456,50€
 Düsseldorf Innsbruck 712 209,00-256,50€ 356,50€ 406,50€ 476,50€
 Österreichische Bundesbahnen
 Hamburg Wien 941 130,00€ - 368,00€ -

 

Alle Beispiele für den 21.05.2010, ab Düsseldorf am 19.05.2010. Alle Preise für ein Motorrad samt zwei Personen.

www.dbautozug.de
Das ist die Adresse, unter der die Angebote der deutschen Bahn für den Motorrad-Transport gelistet sind. Hier erhält man wichtige Informationen und kann auch buchen. Die Autozüge verkehren nur an bestimmten Terminen, und sie fahren von fünf deutschen Terminals aus nach Süden. Von zwei Terminals fahren sie sogar nach Norden. Tipp: Auch die Offerten unserer Nachbarländer checken. Alle Infos dazu im Artikel oder www.autozuege-in-europa.de

Tipp: Bikerdomizil in Südfrankreich
Wer mit dem Autozug in Avignon oder Narbonne angekommen ist und im Umfeld ein Hotel sucht: Das Bikersparadise "Villa du Parc" in Prades bietet exzellente Zimmer, bestes Essen, Touren, Werkstatt und faire Preise. Infos: www.villa-du-parc.com

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