Weltreise von Mariola Cichon: Reportage (Archivversion)

In guter GesellschaftBereits 1931 berichtete eine Frau in »Das Motorrad« von den Erlebnissen einer nicht nur für damalige Verhältnisse spektakulären Reise: Hanni Köhler fuhr in Begleitung mit dem Fotografen Max Rischka mit zwei 18 PS starken 500er-Ardie, Modell »Silberpfeil«, von Indien über den Landweg zurück nach Berlin. Zitat aus Ausgabe 10/1931: »Jetzt beginnt unsere Indienreise! Mit Curry! Wir essen mit Todes-verachtung Reisgemüse, das mit diesem höllisch scharfen Gewürz gepfeffert ist. (...) Aber sonst: Stimmung glänzend, Appetit hervorragend, und wenn die Berichte über die kommenden Straßen günstig sind, dann sind wir sogar übermütig und pfeifen die Begleitung zum Grammophon und auf die Hitze. Das tun die Maschinen auch. Unsere Silberpfeile haben sich gut akklimatisiert. Sie schimpfen ab und zu (wie wir über den Curry) über ihr Futter (Reinbenzin), aber das bewahrt sie vor Überfütterung. Mit fünf Litern sind sie voll gesättigt, selbst Gebirgsüberquerungen vermögen nicht ihren Appetit zu steigern.« Neben Abendgarderobe und Schreibmaschine hatte Hanni Köhler tatsächlich auch ein Grammophon in den Seitenwagen geladen. Nach neun Monaten – die mit allen Schwierigkeiten gespickte Reise führte über Lahore, Teheran, Bagdad, Damaskus, Istanbul, Sofia, Budapest zurück nach Nürnberg und weiter bis Berlin – wurde die Abenteurerin vom Deutschen Damen Automobil Club überschwänglich empfangen, und P. Friedmann, »Hauptschriftleiter« von »Das Motorrad«, überreichte Hanni Köhler einen Lorbeerkranz als Würdigung für ihre Leistung.Bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs brachen immer mehr motorradfahrende Frauen zu äußerst abenteuerlichen Reisen in alle Teile der Welt auf. Besonders gut dokumentiert ist die Fahrt der Engländerinnen Theresa Wallach und Florence Blenkiron, die 1936 von London aus zu ihrer Afrikadurchquerung von der Sahara bis Kapstadt starteten. Ihr Fahrzeug: ein Panther-Gespann, das zusätzlich noch einen schwer beladenen Anhänger zog! Die beiden hatten nicht einmal einen Kompass an Bord, dafür aber eine 16-Millimeter-Kamera, um diesen damals für kaum durchführbar gehaltenen Trip zu dokumentieren. Weder räuberische Nomaden, tiefer Sand, Hitze, Unwetter, Flussdurchquerungen, Krankheit noch diverse Pannen konnten die Engländerinnen davon abhalten, ihr Ziel zu erreichen. Theresa Wallach hat dieses grandiose Abenteuer als Buch unter dem Titel »The Rugged Road« verfasst (ISBN 095309826, etwa 23 Euro). Buch und der gleichnamige Film (VHS, schwarzweiß, ohne Ton, 35 Minuten) können zusammen für etwa 46 Euro in England bei Panther Publishing, E-Mail: orders@lavismarketing.co.uk, bestellt werden. Michael Schröder

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