Wetterkunde (Archivversion)

Fahrtechnisch zählen die Alpen zu den anspruchsvollsten Motorradrevieren überhaupt. So klettern einige Pässe komplett ohne Randsicherung an der Felswand entlang. Wer dort keine Reserven einbaut, hat schnell verspielt. Zum alpinen Albtraum mancher Fahrer erwächst die unvermeidliche Serpentine. Der Weg zum Glück führt hier, wie so oft, über ein harmonisches Zusammenspiel von Gas und Bremse. Heißt: kehren schotter

Entscheidenden Einfluss auf eine Tour zwischen den Höchsten hat das Wetter. Da sich die Luftmassen in den Gipfelregionen schneller bewegen, ist dies ein weites, schwer berechenbares Feld. Wer kann, sollte eine stabile Hochdruckzone abwarten. Kritisch wird’s, wenn eine Tiefdruckfront dem Hoch zu Leibe rückt und ihren eisig-feuchten Keil unter die warmen Luftmassen schiebt. Eine Kollision, die meist in starken Frontengewittern mit anschließendem Wettersturz endet. Weniger folgenreich sind Wärmegewitter, die auch bei Schönwetterlagen durch die enorme Aufheizung des Bodens auftreten können. Ihre Entladung ist heftig, aber kurz. Oft strahlt die Sonne schon wieder, bevor die Regenkombi sitzt. Starke Niederschläge können die Atmosphäre allerdings dramatisch abkühlen, da verdunstender Regen der Luft die Wärme entzieht (Temperaturstürze bis zu 20 Grad).
Für Motorradfahrer oben im Berg sind Gewitter äußerst gefährlich, da ihnen der schützende Faraday-Käfig fehlt, der Blitze an Autokarossen folgenlos ableitet. Vor allem auf exponierten Höhenstraßen bieten Maschinen mit zentnerweise Metall Blitzen ein „attraktives“ Ziel. Bei drohendem Gewitter also schnellstens ins Tal abseilen. Wers nicht schafft und hoch droben überrascht wird, sollte unbedingt ein blitzschlaggeschütztes Gebäude, notfalls ein bewaldetes Stück anpeilen und sich dort weit vom Motorrad und isoliert stehenden Bäumen entfernen. Um zu erkennen, ob es sich nur um ein aussitz-bares Sommergewitter handelt, hilft es, die einschlägigen Wolkenbilder längerfristig zu beobachten. So sind die abgebildeten, harmlos aussehenden Faden- wie auch die Schäfchenwolken erste Vorboten eines in den nächsten Tagen anstehenden Wetterumschwungs.Lesetipp für alle, die mehr wissen wollen: „Bergwetter“ von Bruckmann-Basics für 8,90 Euro.

Fahrtechnisch zählen die Alpen zu den anspruchsvollsten Motorradrevieren überhaupt. So klettern einige Pässe komplett ohne Randsicherung an der Felswand entlang. Wer dort keine Reserven einbaut, hat schnell verspielt. Zum alpinen Albtraum mancher Fahrer erwächst die unvermeidliche Serpentine. Der Weg zum Glück führt hier, wie so oft, über ein harmonisches Zusammenspiel von Gas und Bremse. Heißt: Nicht lange rollen lassen, sondern sanft Gas gebend einlenken, denn nur unter Zug stabilisiert sich das Motorrad und zirkelt auch bei niedrigem Tempo sauber ums Eck. Überschüssige Geschwindigkeit wird nicht am Gasgriff, sondern durch leichtes Verzögern mit der Hinterradbremse rausgenommen. So kommt keinerlei Unruhe ins Spiel. Eine Taktik, die sich ausbauen lässt. Zweiter Schritt, bei Motorrädern mit ruppigem Leistungseinsatz angezeigt: die Kehre vorsätzlich, von Anfang an und zeitgleich Gas gebend und hinten bremsend umrunden. Das Tempo wird permanent durch leichten Bremsdruck kontrolliert. Es geht also darum, gegen die Bremse anzufahren und den Druck am Scheitelpunkt der Kurve dosiert zu lösen. Bergab hilft dieser Trick, selbst engste Serpentinen schwungvoll zu meistern. Hilfreich ist überdies das enduromäßige „in-die-Kurve-Drücken“ der Maschine. Dabei bleibt der Oberkörper fast senkrecht, was Kurskorrekturen erleichtert. Schotterausflüge auf Straßenmopeds sollten in den Hochalpen wohlüberlegt angegangen werden. Außer auf wenigen einfachen Strecken wie beispielsweise der Assietta-Kammstraße kreuzen Kehren und Geröllpassagen den Weg. Wer‘s wagt, muss die Blockiergrenze seiner Maschine beim Bremsen gut kennen. Tipp: Ein auf 1,2 bar reduzierter Luftdruck erhöht Haftung und Komfort im Gelände enorm. Egal, ob bei Straßen- oder Enduroreifen.

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