Wie eine Karte entsteht

Wie kommt der Berg aufs Blatt?

Grundlage der meisten Karten ist die sogenannte topographische Karte. Ihre Daten werden von den Landesvermessungsämtern ermittelt, und dort wird auch die Karte erstellt. Die Errungenschaft einer genauen Kartographie, basierend auf systematischer Vermessung der Landschaft, verdanken wir ausnahmsweise nicht dem Militär, sondern dem Fiskus. Anfang des 19. Jahrhunderts wollte man in Deutschland systematisch Grundsteuern erheben können und zeichnete einfache Flurkarten, die das Land im Maßstab 1:2 500 lückenlos abbildeten und Grundlage für das alle Flurstücke verzeichnende Liegenschaftskataster bildeten. Die topographische Landesaufnahme, also die Berücksichtigung der Landschaftsstruktur, wurde ab 1890 einbezogen. Bis das ganze Land vermessen war, dauerte noch einmal 45 Jahre, bis 1935. Seit dieser Zeit werden systematisch Luftbilder für die Kartographie genutzt: Die Landschaft wird überflogen und mit Spezialkameras im Flugzeugboden streifenweise fotografiert. Vermessungstrupps am Boden müssen heute zur Unterstützung der Kartenmaler nur noch in Sonderfällen raus, etwa wenn die Geländestruktur auf bewaldeten Flächen aus der Luft nicht erkennbar ist oder um besondere Gebäudehöhen auszumessen. Jedes Jahr wird ein Fünftel des Landes in Luftbildern neu erfaßt, alle fünf Jahre erscheinen neue topographische Karten im Basismaßstab 1:25 000.Um die Vogelpersepktive zu korrigieren - wirklich senkrecht ist nur die Stelle genau unter der Kamera abgebildet, alle anderen Punkte sind je nach Entfernung mehr oder weniger stark verzerrt abgebildet -, müssen die Fotos zunächst im Computer entzerrt werden, um später als Kartengrundlage dienen zu können. Das Ergebnis nennt sich Orthofoto und kann, auf den richtigen Maßstab gebracht, direkt in eine Karte einfließen. Zur Aktualisierung werden die alte Karte und das neue Orthofoto nebeneinandergelegt, verglichen und die Abweichungen übertragen. Solche Änderungen gehen relativ einfach vor sich, weil eine Kartendruckvorlage aus mehreren Schichten beziehungsweise Folien besteht. Höhenlinien für die Steigungen, Schummerung für Plastizität durch simulierten Schattenwurf, Vegetationssymbole, Gewässer, Orte, Straßen, Schriften sind jeweils auf separaten Folien verzeichnet, die später übereindergepaßt werden. Ändert sich nun etwa ein Ortsname, muß nur die Folie mit den Schriften korrigiert werden. Genauso lassen sich Spezialkarten für Wanderer oder Radfahrer durch einfaches Hinzufügen einer zusätzlichen Folie hergestellen. Was früher aufwendig am Zeichentisch entstand, wird heute am Bildschirm erledigt. Zusätzlich macht diese digitale Erfassung es möglich, aus derselben Kartenbasis ein Atlas, eine Karte oder eine CD-Rom herzustellen.An dieser Stelle beginnt nun das Arbeitsfeld der privaten Kartenverlage. Auf Basis der Topo-Daten des Landesvermessungsamts erstellen sie Kartenwerke für die verschiedensten Zielgruppen und Einsatzbereiche, setzen Schwerpunkte, fügen Informationen hinzu, lassen andere weg. Den Großteil bilden die Straßenkarten, denn zum Reisen sind die Basiswerke der Vermesssungsämter viel zu unhandlich und zu teuer. In der Dimension 1:25000 braucht man allein für Baden-Württemberg 285 Blätter, in 1:50000 wären es 76. Im reiseüblichen Maßstab 1:200000 reichen drei, ist von den Vermessungsämtern selbst aber wenig zu kriegen. Als Kurt Mair, Gründer des gleichnamigen geographischen Verlages, 1948 seinen Shell-Atlas herausbrachte, war er ein Pionier auf diesem Gebiet. Heute gibt es Landkarten in unzähligen Ausführungen sowie Maßstäben, und jeder Kartenverlag hat für seine Produkte seinen eigenen, geschützen Zeichensatz von Symbolik, Farben und Erscheiungsbild. Um die Karten immer auf dem neuesten Stand zu halten, werden Forstämter, Straßenbauämter, Gemeinden, das Land - kurz alle, die mit Straßenbau zu tun haben - regelmäßig angeschrieben und um aktuelle Änderungen gebeten. Ein Netz aus Informanten speist die Korrektur-Kisten in einer Kartenredaktion, die diese in Informationen dann in die jährliche Neuauflage einfließen lassen. Deshalb ist es ratsam, zumindest seine Deutschlandkarten alle zwei bis drei Jahre zu erneuern.
Anzeige

Artikel teilen

Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote