Windecker Land (Archivversion) Landpartie

Für den kleinen Ausflugsappetit zwischendurch bietet das »Windecker Ländchen« alles, was man für einen gepflegten Wochenendtrip braucht: schnittige Straßen, schnucklige Dörfer und ganz viel Landschaft.

Wenn ein Sprichwort auf das Windecker Land zutrifft, dann das vom Guten, für das man nicht in die Ferne schweifen muss. Gerade mal 50 Kilometer vom Großraum Köln entfernt, am südöstlichen Zipfel von Nordrhein-Westfalen, liegt das Naherholungsgebiet, durch das sich malerisch die Sieg schlängelt. Und so sind Klaus und ich als Ruhrpott-Anrainer mit unseren Cruisern ruck, zuck im Ländchen angelangt. Bereits gegen Mittag laufen wir im Hotel-Restaurant »Löwenburg« im idyllischen Ort Herchen (wer denkt sich eigentlich Städtenamen aus?) zur ersten Pause ein. Nachdem wir vor dem mächtigen mittelalterlichen Bruchsteingemäuer die Zündschlüssel abgezogen haben, werfen wir auf der Sonnenterrasse noch mal einen genauen Blick auf die praktische Radwanderkarte, die Klaus eingesteckt hat. Als wir uns wieder in die Sättel schwingen, erweist sich das eigentlich winzige Windecker Land im Streckenrepertoire als erstaunlich vielseitig.Neben sanft geschwungenen Hügelketten mit kniffligen Serpentinen fädelt sich die Route auch etliche Kilometer romantisch am Bett der Sieg entlang. Richtig viel Cruiserstrecke auf engstem Raum. Nur für Geschwindigkeitsrekorde ist die Ecke nicht sonderlich geeignet. Es empfiehlt sich, den Gashahn nicht am Anschlag zu arretieren, wenn man vermeiden möchte, dass sich die Schräglage in einer Kurve unfreiwillig erhöht. Denn obwohl die meisten Straßen in ziemlich gutem Zustand sind, muss doch ständig mit Schlaglöchern, Spurrillen oder Schotter gerechnet werden.Ganz abgesehen davon, dass die Landschaft viel zu idyllisch ist, um volles Rohr durchzubrettern. Wir cruisen bei strahlendem Sonnenschein durch blühende Obstplantagen, saftig grüne Wiesen und Wälder, in deren Schatten es behaglich nach Harz und Nadelhölzern duftet. Da am Abend der gute Eindruck, den die »Löwenburg« hinterlassen hat, immer noch nicht verblasst ist, beschließen wir, dorthin zurückzukehren und uns in den netten Zimmern des Hotels einzuquartieren. Am nächsten Morgen kommen wir nicht weg, ohne mit ein paar Frühaufstehern über ihre Motorradkarriere geplaudert zu haben. Als wir endlich im Sattel sitzen, starten wir durch zu dem Höhepunkt des Windecker Landes – wir fahren zu seiner Namensgeberin, der auf einem Bergrücken oberhalb der Sieg thronenden Burg Windeck. Ihre Geschichte ist bis ins 12. Jahrhundert, als sie der amtliche Wohnsitz des Grafen von Berg war, urkundlich verbürgt.Unterhalb des historischen Gemäuers liegt Altwindeck, das schon mal im Wettbewerb »Unser Dorf soll schöner werden« zum so genannten Landesgolddorf gekürt wurde. Ja, das gibt es wirklich. Und wenn man durch die schmalen Gassen tuckert, vorbei an schmucken Fachwerkhäusern, fein säuberlich angelegten Vorgärten und frisch gefegten Bürgersteigen, glaubt man es sofort. Landidylle pur.In Dattenfeld, quasi eine der Metropolen des Windecker Ländchens, kehren wir im »Burgcafé« ein, das nicht nur für seine Küche bekannt ist, sondern wo man auch preiswert übernachten kann. Da es zum Schlafen eindeutig noch zu früh ist, testen wir lediglich die Speisekarte. Und machen uns schließlich zufrieden und mit gut gefüllten Bauch auf zu einem Abstecher an den Übersetzer Berg. Dort soll der legendäre Motorradtreffpunkt Bikers Rast zu finden sein. Kaum haben wird die urgemütliche Holzhütte mitten im Wald aufgespürt, werden wir auch schon von Blacky begrüßt. Die schwarze Mischlingshündin ist das Maskottchen der Raststation und gehört zum Inventar.Bikers Rast hat sich, wie der Name sagt, völlig den Bedürfnissen von Zweiradpiloten verschrieben. So wird man hier nicht nur deftig bewirtet, sondern bekommt auch noch einiges andere geboten. Während der Sommermonate ist der Terminplan mit Veranstaltungen rund ums Thema Motorrad voll. Spannend auch der Blick ins Gästebuch. Die Schwarte liest sich wie das Register eines Atlas. Von so ziemlich jedem Flecken dieses Planeten haben sich hier schon Motorradtouristen mit netten Sprüchen und Kritzeleien verewigt. Umso erstaunlicher, stellen wir fest, dass das hoch gelobte Ländchen als Naherholungsgebiet kaum beachtet wird. Dabei ist gerade an den Wochenenden die Region zwischen Westerwald und dem Oberbergischen eine reizvolle Alternative zu der mit Tieffliegern bereits übervölkerten Eifel. Vielleicht ist vielen die Region hier zu wenig aufregend. Eher das genaue Gegenteil ist der Fall. Ein echtes Ländchen eben.

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