Winterausrüstung (Archivversion) Frostschutz-Kittel

Frierende Motoradfahrer haben selber Schuld: Schließlich gibt´s richtig warme Sachen für eiskalte Wintertage.

Jeder kennt´s: Die rechte Hand zuckt, die Gedanken geraten ins kurvenreiche Schwärmen, dann der Spurt in die Garage und ein Blick unter die staubige Plane auf das abgemeldete Bike - kurz: winterliche Entzugserscheinungen, Jahr für Jahr, in der Regel zwischen November und April. Dabei läßt es sich an einem sonnigen Wintertag trotz der klirrenden Kälte prima Motorrad fahren. Es muß ja nicht gleich der knüppelharte Trip bis zum Polarkreis sein. Ab und zu eine kurze Ausfahrt durch die weiße Pracht, die wie Puderzucker über der Hausstrecke liegt, bringt Abwechslung in die tristen Wintermonate. Vorrausgesetzt, die Straßen wurden geräumt - und Kleidung und Ausrüstung stimmen. Zwei Regeln sollten allerdings vor der Auswahl der entsprechenden Bekleidung unbedingt berücksichtigt werden: Die beste Isolation erreicht man durch mehrere Schichten entsprechender Kleidung, zwischen denen noch Platz ist für ein wärmendes Luftpolster. Zusätzlich muß die Kleidung weit genug sein, um optimale Bewegungsfreiheit zu gewährleisten: man friert schneller, wenn die Blutzirkulation behindert wird.Gut für Winterfahrten eignet sich daher spezielle Unterwäsche, wie sie jeder Sport- oder Trekkingfachhandel anbietet: besonders wärmende Materialien transportieren zusätzlich den Schweiß vom Körper nach außen und sorgen für ein gutes Innenklima. Trocknet der Schweiß in der Kleidung, kann dieses gerade auf längeren Strecken zur Auskühlung des Fahrers führen.Für die zweite »Schicht« bietet sich Faserpelz- oder Fleece-Bekleidung an. Letzere besteht innseitig aus einer wärmenden Kunstfaser, durch die die Körperfeuchtigkeit nach außen hin verdunsten kann. Steigt man dann in einen Fahreranzug mit Gore-Tex-Membran, können einem auch kälteste Tage wenig anhaben, weil durch das atmungsaktive Material der Schweiß zusätzlich in die Umgebungsluft transportiert wird. Ferner sind die Textilanzüge wasserdicht und bieten durch Protektoren ein gewisses Maß an Sicherheit. Der Nachteil: entsprechende Textilkombinationen kosten sehr viel Geld. Der Klassiker nicht nur für gelegentliche Winterfahrer ist daher immer noch die günstigere Thermokombi (1), die sich einfach überziehen und problemlos auch über einer Lederkombi tragen läßt. Der weite Schnitt der Thermokombis bietet ein hohes Maß an Wohlbefinden und gestattet es, warme Faserpelzbekleidung darunter zu tragen. Ab 200 Mark gibt es im Motorradfachhandel verschiedene Modelle, die für Ausflüge in unseren Breiten allemal reichen. Allerdings halten diese Anzüge den Schweiß in der Kleidung und bieten ohne Lederkombi nur wenig Schutz. Ein dauerhaftes Wärmegefühl garantiert die 375 Mark teure Yukon-Weste (2) zusammen mit den Alpin-Chaps für 340 Mark von Schmidtler. Beide Teile werden elektrisch beheizt und passen sogar unter eine Lederkombi. Nur die unbedeckten Körperstellen wie Gesäß und Arme kühlen schnell aus, ansonsten läßt es sich mit dieser Kombination stundenlang bei eisigen Temperaturen Motorrad fahren. Ein kalter Hintern läßt sich aber durch die beheizte Sitzbank von Meier (ohne Abb.) verhindern. Ein Montagesatz kostet 219 Mark, für 375 Mark wird die Anlage in die eingeschickte Sitzbank eingebaut. Fahrer- und Beifahrersitz können getrennt und mit zwei Temperaturstufen (10/35 Watt) beheizt werden.Der 849 Mark teure, zweiteilige Heizanzug von Vuranok (4) paßt ebenfalls unter eine Lederkombi und hielt MOTORRAD-Tester mehrere Stunden lang bei Tempo 90 und Temperaturen von minus vier Grad wohlig warm. Die Heizleistung beträgt 120 Watt, und gegen Aufpreis gibt es eine Temperatur-Regelung. Jacke und Hose gibt es in den Größen 44 bis 58 und auch als Einzelstücke (450/430 Mark), allerdings trübt die schleche Paßform den guten Gesamteindruck.Füße und Hände gehören bei Winterfahrten zu den kritischen Stellen, die am ehesten auskühlen und dadurch zusätzlich den subjektiven Eindruck erwecken, am ganzen Körper zu frieren. Die Konzentrationsfähigkeit des Fahrers läßt spätestens dann rapide nach.Mit guten Ski-Strümpfen (3) aus dem entsprechenden Fachhandel läßt es sich zum Beispiel in Gore-Tex-Stiefeln bis zum Gefrierpunkt gut aushalten. Tip: bei kalten Füßen langsam fahren, und die Beine baumeln lassen. Es bildet sich nach einer Weile ein Luftpolster um die Füße, die sich dadurch wieder ein wenig aufwärmen. Besser fährt es sich mit heizbaren Einlegesohlen (7) für 249 Mark von Eddi Bike. Leider taugen die Sohlen nur für extreme Temperaturen, denn bereits in der ersten Stufe (16 Watt) steigt die Temperatur der Sohle auf gemessene 40 Grad. Die Fußoberseite bleibt trotzdem kalt. Die Fußheizung ist in den Schuhgrößen von 36 bis 47 lieferbar.Optimal sind die mit einem Webfell gefütterten Winter-Gummistiefel (6) von Hein Gericke. Zum einen kosten die »Six Day-Boots« nur 89 Mark, zum anderen halten sie die Füße stundenlang warm - ohne elektrische Hilsmittel. Zusätzlich sind die Stiefel absolut wasserdicht. Wer dann noch eine Einlegesohle aus Lamfell benutzt, kann kaum noch an den Füßen frieren. Mehr geht nun wirklich nicht. Dicke Winterhandschuhe sollen nicht nur wärmen, sondern müssen gleichzeitig dem Fahrer eine größtmögliche Bewegungsfreiheit und Schutzfunktion gewährleisten.Lenkerstulpen (5) halten zwar die Finger in Verbindung mit guten Handschuhen warm, doch sollten sie nur angebaut werden, wenn andere Hilfmittel nicht mehr ausreichen. Die fest am Lenker montierten Stulpen schränken die Bewegungsfreiheit des Fahrers deutlich ein und verhindern bei einem Sturz unter Umständen, daß sich der Fahrer rechtzeitig vom Motorrad lösen kann.Sinnvoller ist eine Kombination aus windabweisenden Enduro-Handprotektoren (11) und elektrischen Heizgriffen (8). Hein Gericke bietet für 99 Mark eine zweistufige Griffheizung an: 48 Watt zum schnellen Anheizen und 15 Watt für sparsamen Dauerbetrieb. Besser jedoch die einstufigen Heizgriffe für 69 Mark, deren Leistung für den Dauerbetrieb angemessenere 21 Watt beträgt. Optimal sind die 379 Mark teuren Heizhandschuhe von Baehr (10), deren Heizleistung sich stufenlos bis 25 Watt regeln läßt. Zusätzlich sind die Handschuhe, die es in acht Größen gibt, absolut wasserdicht und bieten die gleiche Bewegungsfreiheit für die Hände wie herkömmliche Allround-Handschuhe. In dicken Dreifingerhandschuhen (13) wärmen sich jeweils zwei Finger gegenseitig. Das Bedienen von Bremse und Kupplung ist jedoch stark gewöhnungsbedürftig, weil die Bewegungsfreiheit deutlich eingeschränkt wird. Der beheizbare Nierengurt von Combike (9) für 139 Mark ist zwar recht günstig, heizt dafür aber zu stark ein: die Temperatur steigt auf über 40 Grad, was auf Dauer sehr unangenehm werden kann. Zusätzlich zum Ein-/Ausschalter wäre eine stufenlose Regulierung in diesem Fall sehr wünschenswert. Besonders gefährdet ist im Winter auch der Hals. Schals nützen nur wenig, weil sie neben der Frischluftzufuhr auch die Bewegungsfreiheit einschränken. Durch den groben Strick zieht zusäztlich noch der Fahrtwind. Wesentlich effektiver sind Sturmhauben mit langem Halskragen (12). Zwischen 20 und 35 Mark kosten atmungsaktive Wintersturmhauben im Motorradfachhandel. Eine sinnvolle Ergänzung sind Halskrausen mit Kinn- und Schulterschutz, die in dieser Kombination jeden Luftzug abhalten. Eigentlich steht einer ausgedehnten Wintertour jetzt nichts mehr im Weg. Wer jetzt bis nach Norwegen oder Österreich fahren will, sollte sich allerdings vor Ort unbedingt Spikes (14) in die Profile von Enduroreifen montieren lassen. Tips dazu im Infokasten der Norwegen-Reisegeschichte. In diesen bitterkalten Regionen kämpft auch das beste Triebwerk mit Kaltstartproblemen. Abhilfe schafft herkömmliches Starthilfe-Spray (15), das in den Luftfilter gesprüht wird. Das Spray setzt den Flammpunkt herab, dadurch entzündet sich das Gemisch bereits bei niedrigeren Temperaturen. Besonders im Winter greifen Schmutz, Feuchtigkeit und Streusalz das Motorrad stärker als im Sommer an. Es ist ratsam, das Bike nach einer längeren Ausfahrt gründlich zu waschen: dazu eignen sich herkömmliche Totalreiniger (16), die einfach aufgetragen und mit einem Wasserstrahl abgespült werden. Wichtig ist die Pflege danach. Hierfür gibt es im Fachhandel Sprühmitel wie den Total-Pfleger S 100 (17) für zirka 17 Mark oder spezielle Korrosions-Schutzsprays (18). Sämtliche Metallteile erhalten dadurch einen neuen Glanz und werden nachhaltig vor Rost geschützt. Wie ein Schluck Hustensaft (19), der beim Fahrer nach langen Wintertouren schlaflosen Nächten vorbeugt.

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