World Ducati Weekend 2000 (Archivversion) Donner-Tage

Beim World Ducati Weekend feierte die Marke sich selbst, und alle machten mit.

Die Braut trug Weiß, die Kapelle intonierte den Hochzeitsmarsch. Doch statt durch ein Spalier von Brautjungfern schritt die Blondine zwischen Motorrädern mit zwei Zylindern in V-Form zum Altar. Die Amerikanerin erneuerte ihre Gelöbnis zur Ehe wie das zur Marke Ducati. Mitten unter den 23000 Fans aus aller Welt beim World Ducati Weekend (WDW) am zweiten Juni-Wochenende an der Rennstrecke von Misano nahe Bologna. Weniger sentimentale Ducatisten vergnügten sich derweil auf dem Circuito Santa Monica, ließen es ordendlich knacken, angeleitet von geduldigen Ducati-Testfahrern. »Ich glaub’, ich spinne. Die schleifen ja bald das Schutzblech ab”, staunte Peter aus der Kölner Gegend, auf einer Monster 600 angereist. Wie das geht, zeigten die Stuntmänner A.C. Farias aus Brasilien und Gary Rothwell aus England, die ihre Monster-Ducs in so extreme Wheelies und Stoppies zwangen, dass die Zuschauer vor lauter Bewunderung mucksmäuschenstill wurden.Public Relations muss sein: Feierlich überreichten die Ducati-Chefs die drei ersten Exemplare der Mike Hailwood Replica MH 900e. Eine davon ging an den Japaner Sakamoto, der ein paar Sätze in japanisiertem Englisch vorbereitet hatte. Mit seinem ständig wiederholtem »my filst time in Italy, I’m vely happy” avancierte er zum Publikumsliebling. Drei Tage feierten die Fans ihre Lieblingsmarke. Auch in der nahe gelegenen Fabrik, wo die Mitarbeiter bis ins Detail vorführten, wie die (meist) roten Renner auf den Bändern zur Perfektion geraten. Andere WDW-Besucher frischten ihr Wissen über die Ducati-Historie im Werksmuseum auf. In Misano spielte derweil die Musik: Stilaugen bekam mancher Ducatisti, als die leichtgeschürzten Kubanerinnen der Augusto Enriquez y su Mambo Jazz Band die Samstagnacht versüßten. Dem schönen Schein anderer Art frönte man tagsüber, etwa bei Design-Vorträgen der Ducati University, während die Liebhaber schrägverzahnter Kegelräder und zwangsgesteuerter Ventile ebendort ihren Wissensdurst stillen konnten. Wessen 450er-Scrambler an rostendem Krümmer litt, fand ein frisches Exemplar auf dem Teilemarkt, einem wahren Fundus an Ersatzteilen auch exotischer Ducs aus grauer Vorzeit.Trotz Kubanerinnen eindeutiger Höhepunkt am Samstagabend: die Rennsportstars auf der Showbühne: Altstar Paul Smart, 1972 auf der Königswellen-SS Sieger der 200 Meilen von Imola, Giancarlo Falappa, Superbike-Vierter von 1992, Altmeister Marco Lucchinelli sowie die derzeitigen Asphaltkünstler Carl Fogarty, Troy Bayliss mit Teamchef Davide Tardozzi, Ben Bostrom , Andy Meklau und Robert Ulm. Die Fans applaudierten auf ihre Weise: Dumpf hallten die Termignioni-Töpfe ihrer Ducs.Welch innige Verbindung selbst die Hüter von Recht und Ordnung zur Bologneser Marke hegen, bewiesen Kradler der Stadtpolizei Bologna, traditionell auf Ducati auf der Jagd nach Verkehrssündern. Nicht so in Misano, wo sich die Polizisten eher als Gleiche unter Gleichen fühlten. »Wir haben ihnen Hotel und Benzin bezahlt, die sind eigentlich außer Dienst hier”, erzählte Ducati-Boss Federico Minoli schmunzelnd. »Echte Fans eben.”Fans anderer Art suchten und fanden ihr Glück: die fünf Sieger des MOTORRAD-Shell-Gewinnspiels, die eine Reise zum WDW gewonnen hatten. »Ich habe Freudensprünge wie ein Känguru gemacht, als ich von meinem Gewinn erfuhr”, erzählte Hermann aus Celle, der die 1300 Kilometer nach Misano auf seiner alten Guzzi in einem Rutsch zurücklegte. Mehr als 10000 Motorräder bewegten sich zum Abschluss des WDW in einem riesigen Korso zum Werkssitz nach Bologna. Auch wenn der einsetzende Regen die sommerlichen Temperaturen etwas abkühlte: Bei so vielen Desmo-Motoren mit ihrem dumpfen Sound wurde es den Ducatisti richtig warm – ums Herz.

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