Daytona Bike Week (Archivversion)

Langer Samstag

Nein, George W. Bush und die Airforce One gaben sich in Daytona Beach/Florida bei den legendären 200 Meilen – anders als vor Wochen beim NASCAR-Autorennen – nicht die Ehre. Das Auftaktrennen der amerikanischen Superbike-Meisterschaft wich aber dennoch
etwas vom gewohnten Schema ab: Es wurde diesmal nicht wie üblich am Sonntag, sondern bereits samstags gestartet. Bei schlechtem Wetter hätten die Organisatoren also für das Highlight der Bike Week noch einen zeitlichen Puffer gehabt. Der Sunshine-State zeigte sich mit T-Shirt-Temperaturen jedoch gnädig.
Für reichlich Erklärungsbedarf beim Saisonstart sorgten die neuen Regeln in der US-Superbike-Meisterschaft. Drosselklappengehäuse und Airbox sind für Zweizylinder freigegeben, für Vierzylinder gelten dagegen die Maße des Serienmotorrads. Der Hubraum ist mit 1000 cm3 für alle gleich. Yamaha und Kawasaki traten werksseitig beleidigt den Weg in die Superstock-Klasse an, weil sie sich gegenüber der Honda-Konkurrenz, die serienmäßig über größere Durchmesser im Einspritzsystem verfügt, im Nachteil sehen. Bei den 200 Meilen wurden folgende Werksmotorräder gesichtet: Honda mit der CBR 1000 RR für Miguel Duhamel, Ben Bostrom und Jake Zemke, Ducati mit der 999 für Neuzugang Eric Bostrom, und
Suzuki schickte Mat Mladin sowie Aaron Yates mit der GSX-R 1000 ins Rennen.
Alles schien auf ein Bruderduell von Eric und Ben Bostrom hinauszulaufen. Vor allem Eric setzte mit neuem Rundenrekord im Training seine Duftmarke. Zwei- oder Dreistopp-Strategie, die richtige Reifenwahl – in Daytona bestimmen letztlich Kleinigkeiten, wer ganz oben auf dem Treppchen steht. Als erster Anwärter auf den Sieg verabschiedete sich Ben Bostrom
mit Defekt an seiner Werks-Honda. Seinem in Führung liegenden Bruder Eric durchschlug ein aufgewirbelter Stein den
Ölkühler – ebenfalls Feierabend. Durch drei Stopps mit Reifenwechsel und zum Schluss konstant schnellen Zeiten sicherte sich der Australier Mat Mladin nach 57
langen Runden durch die Steilwand und das Infield des Daytona Speedways den Sieg vor den Honda-Fahrern Jake Zemke und Miguel Duhamel.
Das Auftaktrennen zum BMW-Boxer-Cup, vom Streckensprecher treffend als »Full Contact Sport« bezeichnet, gewann nach faszinierenden Windschatten-Duellen der US-Amerikaner Brian Parriott vor dem Österreicher Thomas Hinterreiter und dem glücklichen MOTORRAD-Tester Markus Barth. Katja Poensgen und PS-Kollege
Andreas Bildl, von BMW als Gäste eingeladen, fuhren auf die Ränge 14 und 16.
Die Supercrosser absolvierten den Daytona-Event erstmals am Freitagabend unter Flutlicht. Die Fans feierten dabei hauptsächlich die Rückkehr von Freestyle-
Wunderkind Travis Pastrana (Zehnter) bei den 250ern sowie James Stewart, der mit riesigem Vorsprung das 125er-Rennen gewann. Weniger umjubelt, aber nicht minder erfolgreich war der Australier Chad Reed als Sieger des 250er-Supercross.
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Daytona Bike Week (Archivversion)

Superbike: 1. Mat Mladin (AUS)
Suzuki, 2. Jake Zemke (USA) Honda,
3. Miguel Duhamel (CAN) Honda, alle 57 Runden, 4. Jack Pfeifer (USA)
Suzuki, 5. Lee Acree (USA) Suzuki, beide 55 Runden.

BMW-Boxer-Cup: 1. Brian Parriott (USA), 2. Thomas Hinterreiter (A),
3. Markus Barth (D),...14. Katja
Poensgen (D),...16. Andreas Bildl (D),...19. Franz Aschenbrenner (D).
Supercross 250: 1. Chad Reed (AUS) Yamaha, 2. Kevin Windham (USA) Honda, 3. Mike LaRocco (USA)
Honda, 4. David Vuillemin (F) Yamaha, 5. Nick Wey (USA) Suzuki.

Supercross 125: 1. James Stewart (USA) Kawasaki, 2. David Millsaps (USA) Suzuki, 3. Joshua Hansen (USA) Yamaha, 4. Michael Blose (USA) Yamaha, 5. Ryan Mills (USA) Honda.

British Superbike Championship (Archivversion) - Coup de Grace

Erst vor kurzem verständigten sich der internationale
Motorradsport-Verband FIM und der spanische GP-Vermarkter Dorna darauf, die Existenz der 250er-Grand-Prix-Klasse bis zum Jahr 2009 fortzuschreiben. Indes, angesichts eines bedeutungslos gewordenen Markts für Production Racer
beziehungsweise Straßenmaschinen mit Zweitaktmotor will niemand an die Ernsthaftigkeit dieser Absicht glauben. Insider kolportieren, dass die Dorna die 250er-Zweitakter möglichst schnell durch eine 600er-Viertaktklasse ersetzen möchte. Aber: Die Rechte an seriennahen Viertakt-Rennklassen hält Superbike-WM-Promoter Flammini mit seiner Agentur FGSport.
Doch nun scheint es, dass die Dorna die FIM und Flammini mit einem schlauen Coup aushebelt. So übernahmen die geschäftstüchtigen Spanier die auf der Insel extrem populäre und nach internationaler Erweiterung strebende britische Superbike-Meisterschaft inklusive der 600er-Supersport-Klasse von den bisherigen Betreibern.
Gedanken, die englische Serie – wie den BMW-Boxer-Cup oder nationale Nachwuchsrennserien – gelegentlich ins GP-Programm aufzunehmen, werden zwar nicht bestätigt, Dennis Carter, Vorsitzender des bisherigen Rechte-Inhabers MCRCB, könnte sich aber via Dorna »den Zugang zu einem größeren Markt gut vorstellen«.

RTL überträgt Motorrad-Grand-Prix (Archivversion) - Voll auf die Röhre

Nachdem Deutschlands größter Privatsender RTL im vergangenen Jahr bereits drei Läufe zur Straßen-WM (Jerez, Assen, Sachsenring) ausgestrahlt hat, schien der Einstieg der Kölner in den
Zweiradsport beschlossene Sache. Verhältnismäßig magere Einschaltquoten der Pilot-Übertragungen (siehe Grafik) und – so wollen Insider wissen – Querelen um
die Übertragungsrechte zwischen RTL und Eurosport zögerten die Entscheidung allerdings hinaus. Doch nun ist die Situation geklärt. Im Rahmen der Formel-1-Übertragung von Melbourne verkündete RTL-Reporter Kai Ebel Schulter an Schulter
mit Valentino Rossi den Einstieg des TV-Giganten in den Zweiradsport.
Fakt ist: RTL wird sämtliche Läufe zur Motorrad-WM 2004 am Renntag zwischen 13.30 und 15.00 Uhr übertragen. Nach
einer Zusammenfassung der 125er- und 250er-Läufe wird die MotoGP-Klasse live ausgestrahlt. Nach dem MotoGP-Rennen ist eine 15-minütige Analyse der Rennen vorgesehen. Neben dem schon im vergangenen Jahr für RTL aktiven Modera-
tor Edgar Mielke wird Ex-GP-Amazone Katja Poensgen engagiert. Von Eurosport wechselt MOTORRAD-Mitarbeiter und Technik-Spezialist Jürgen Fuchs zu RTL. Konflikte mit dem RTL-Leib-und-Magen-Sport Formel 1 werden trotz vier Terminüberschneidungen nur marginal bleiben. Die Auftritte der Zwei- und Vierradstars in Barcelona und Kanada, Rio und Magny Cours sowie Katar und Suzuka geraten sich durch die Zeitverschiebung nicht
ins Gehege. Lediglich der Donington-GP am 25. Juli wird vor Schumis zweitem Heimauftritt in Hockenheim wohl klein
beigeben müssen.
Der bislang auf ein Jahr festgelegten Kooperation zwischen WM-Promoter
Dorna und RTL will Eurosport nicht allein mit Umfang – wie bisher werden alle Trainings übertragen – gegenhalten. Jürgen Fuchs wird durch Ex-125er-Weltmeister Dirk Raudies ersetzt, der zudem in einem speziell für die deutsche Ausgabe des internationalen Senders produzierten Fenster nationale Nähe demonstrieren soll.

Winter-Motocross Heilbronn-Frankenbach (Archivversion) - Doppelbeschluss

Marco Dorsch, 22-jähriger Neffe von Motocross-Legende Rolf Dieffenbach, gilt in der Offroad-Szene als genauso talentiert wie unberechenbar. Der Junge pendelt zwischen Top-Resultaten in der WM, permanenten Team- und Markenwechseln oder konterkariert bestechende Supercross-Auftritte mit überraschenden Rennabsagen. In der kommenden Saison präsentiert sich der Schwabe ganz planmässig von seiner schillernden Seite. Als erster Cross-Profi tritt der Twen mit zwei Verträgen an. Ohne Chance auf einen
Fixplatz in einem WM-Team fährt er für ein Schweizer Team in der eidgenössischen Meisterschaft auf einer 450er-Viertakt-Yamaha – um die deutsche Meisterschaft für eine hiesige Equipe auf einer 250er-Zweitakt-Kawasaki zu bestreiten.
Da die traditionelle Freiluft-Saison-
eröffnung in Heilbronn-Frankenbach eben in Deutschland liegt, zeigte es das Enfant terrible der Szene allen in Grün. Auf aufgeweichtem Terrain dominierte Dorsch das Finale vom Start weg. Und weil’s in den Furchen viel zu kämpfen gab, folgten die Kämpfernaturen. Zweiter wurde der erst 18-jährige KTM-Pilot Aigar Leok, Dritter sein 32-jähriger Onkel Avo. Übrigens: Der eigentlich zurückgetretene Bernd Eckenbach holte bei Part eins seiner dreiteiligen Farewell-Tour immerhin Platz fünf.

Ergebnis Finale: 1. Marco Dorsch (Widdern) Kawasaki, 2. Aigar Leok (LT) KTM,
3. Avo Leok (LT) Honda, 4. Josef Dobes (Neuötting) Suzuki, 5. Bernd Eckenbach (Hildrizhausen) KTM.

Daytona Bike Week (Archivversion) - Es wird knapp

Zugegeben, Aprilia zeigt Mut, mit der 450er-V2 in der Motocross-WM 2004 (Start: 21. März) antreten zu wollen. Doch gesichtet wurde der Zweizylinder-Crosser bislang nur von Offroad-Papparazzi (siehe Foto). Und die behaupten: Aprilia hat den Entwicklungsbedarf unterschätzt, mit dem WM-Debüt wird’s so schnell nix. Die Szene ist gespannt auf den Tag X in Zolder.

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