Grand-Prix-Journal (Archivversion)

Rossi geht zu Yamaha

Jetzt ist es raus: Nach vier Jahren sagt der italienische Superstar bei Honda ciao.

Drei Stunden, nachdem Valentino Rossi beim WM-Finale in Valencia seine Saison auf einer im Austin-Powers-Look der 60er und 70er bemalten Honda mit dem neunten Sieg gekrönt und mit Afro-Frisur auf dem Podest gefeiert hatte, gab er offiziell seinen Abschied von Honda bekannt. »Ich habe auf meinen Lieblingsstrecken gewonnen und auf denen, die mir am wenigsten gefallen, wie diese hier. Ich habe im Nassen gesiegt und im Trockenen. Ich habe alles erreicht mit diesem Motorrad, was es zu erreichen gab. Jetzt brauche ich eine neue Herausforderung«, meinte er. Dann brachte er die Lacher hinter sich. »Mein Vertrag mit Honda gilt noch bis zum 31. Dezember, deshalb kann ich nicht über die Zukunft reden. Ich hoffe aber, dass mich Honda vor Jahresende die neue Version der RC 211 V testen lässt«, meinte der fünffache Weltmeister verschmitzt. Während dieser Test eher unwahrscheinlich ist, stehen für Rossi bereits Ende November in Malaysia erste Probefahrten mit dem Yamaha-Werksteam an. Beide Hersteller setzen dabei auf ein Gentleman’s Agreement: Alex Barros, der Rossis Nachfolger im Repsol-Honda-Werksteam werden soll und darin die Chance seines Lebens sieht, endlich den MotoGP-Titel unter Dach und Fach zu bringen, soll, so Honda, in Frieden aus seinem noch für zwei Jahre gültigen Vertrag mit Gauloises-Yamaha entlassen werden. Im Gegenzug würde Honda Valentino schon vor Vertragsende für die Tests mit Yamaha freigeben. Rossi soll 2004 im italienischen Yamaha-Werksteam mit Gauloises-Lackierung, sein Teamkollege Marco Melandri dagegen mit Fortuna-Logo antreten. Beim französischen Tech3-Yamaha-Team werden Shinya Nakano und Carlos Checa Gas geben. Olivier Jacque, der langjährige Stammpilot des Teams, muss sich einen neuen Job suchen.
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Das Finale im Kampf um die 250er-Krone war nicht so spannend wie erwartet. Honda-Star Roberto Rolfo blieb mit Gabelproblemen in der Verfolgergruppe stecken und kam enttäuscht als Siebter ins Ziel. Manuel Poggiali reichte daraufhin ein diskreter dritter Platz, um die WM unter Dach und Fach zu bringen. Nach allzu großen Risiken war es dem 20-jährigen Aprilia-Werksfahrer nach seinem peinlichen Auftritt im Warm-up am Vormittag nicht zumute: Er hatte Christian Gemmel, der wegen eines Piloten vor sich bereits das Gas zugedreht hatte, wuchtig von hinten gerammt. Gemmel erlitt Fingerverletzungen und beklagte ein völlig zerstörtes Motorrad. Dass es bis zum Rennen wieder einsatzfähig war, nutzte nicht viel: Der Idar-Obersteiner, schon im Freitagstraining gestürzt, hatte wegen seiner Schmerzen einen Ausritt und gab danach auf. Mit einem zwölften Platz im Rennen zog Dirk Heidolf in der Tabelle noch an Gemmel vorbei auf Platz 21.

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Steve Jenkner kämpfte sich beim 125er-WM-Finale sensationell vom 13. auf den zweiten Platz nach vorn. »Fast hätte ich Sieger Casey Stoner noch erwischt. Aber leider hat mein Motor in der letzten Runde beim Beschleunigen geruckt, außerdem konnte ich mich nicht schnell genug auf die nöti-gen Kampflinien umstellen. Ich bin trotzdem happy, denn ich habe zum Saisonschluss nochmals gezeigt, dass ich mit den jungen Fahrern mithalten kann«, strahlte der 27-jährige Sachse.

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Manuel Poggiali, Valentino Rossi und Daniel Pedrosa (von links) heißen die Champions 2003. Pedrosa konnte in Valencia zwar fürs traditionelle Foto der Weltmeister posieren, aber nicht im Rennen starten: Schuld sind seine schweren Fußverletzungen vom Australien-GP.

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+++ Helmut Bradl war 1991 Vizeweltmeister der 250er- Klasse. Jetzt macht sein Sohn Stefan Karriere: Zusammen mit dem Österreicher Michael Ranseder kämpft der 14-Jährige in der nächsten Saison im neu gegründeten KTM-Red-Bull-Junior-Team um die deutsche 125er-Meisterschaft. ++++++ Die 125er-Haudegen Lucio Cecchinello, Emilio Alzamora und Masao Azuma bestritten in Valencia ihren letzten GP. Cecchinello kam zwar nur auf Platz neun, dafür wurde der Safilo-Oxydo-Fahrer, der gleichzeitig Teamchef ist, zum Abschied mit einem Doppelsieg seiner Angestellten Randy de Puniet (250 cm3) und Casey Stoner (125 cm3) getröstet. ++++++ Mario Rubatto schmiedet große Comeback-Pläne als Grand-Prix-Teamchef gleich in zwei Klassen. Dario Giuseppetti, deutscher 125er-Meister, soll nächstes Jahr in der 125er-WM starten. Bei den 250ern soll einer der beiden bisherigen Supersport-Piloten Philipp Hafeneger oder Tobias Kirmeier antreten. ++++++ Colin Edwards steht als neuer Kollege von Sete Gibernau im Gresini-Honda-Team für die MotoGP-WM fest. Aprilia verliert so auch die Michelin-Reifen, die Edwards vor einem Jahr in das Team mit eingebracht hatte. ++++++ Katja Poensgen musste ihre Dark-Dog-Honda im letzten Rennen an den Tschechen Jakub Smrz abtreten – Katjas Vertragspartner, das kürzlich bankrott gegangene belgische BKM-Team, war mit vereinbarten Zahlungen in Rückstand geraten. Dennoch plant die attraktive Blondine weiterhin unverdrossen die nächste Saison in der 250er-WM. +++

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Valentino Rossi war schon vor dem Finale der große Gewinner. So hatte er bereits den MotoGP-Titel sicher, und nach der Pole Position am Samstag bekam er einen BMW-Z4-Flitzer: der Preis für den Trainings-Weltmeister des Jahres.

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