Grand Prix Katalonien (Archivversion)

D-Day

e BMW-Boxer-Cup Barth VierterEin Sturz in Le Mans Ende Mai zerstörte nicht nur Markus Barths Hoffnungen auf einen Laufsieg, sondern auch das schnelle Triebwerk seiner BMW R 1100 S. Alle Reparaturversuche quittierte der Motor mit hartnäckiger Leistungsverweigerung, weshalb der MOTORRAD-Pilot sich in Mugello und Barcelona jeweils mit vierten Plätzen und vorläufig mit dem vierten Platz in der Tabelle zufrieden geben musste. »Ich kann den schnellen Buben im Windschatten folgen, aber an Über-holen ist nicht zu denken«, erklärte Barth. In Barcelona musste er sich dem Schweizer Andy Hofmann um Sekundenbruchteile geschlagen geben – und mitansehen, wie der 48-Jährige die Führung in der Cup-Wertung an sich riss.e Tierfreund Capirossi Noch ein PSEine Genueser Tageszeitung berichtete unlängst von einem polnischen Pferd, das auf unerklärliche Weise in die italienische Hafenstadt geraten war und sich mit allen Vieren dagegen wehrte, als Containerfracht in Richtung eines sardischen Schlachthauses verschifft zu werden. Loris Capirossi und seine besonders tierliebe Frau Ingrid bewahrten den Findling vor seinem Schicksal und ließen ihn in den elterlichen Garten in Borgo Rivola bringen, wo er nun gemeinsam mit einem weiteren Pferd, einem Esel und zwei Ziegen ein friedliches Dasein fristet. »Ein zusätzliches PS kann man immer brauchen, auch wenn meine Ducati schon über 220 hat«, grinste Capirossi.e GP in Katar Nur bei Nacht?Carmelo Ezpeleta, Chef des WM-Promoters Dorna, und Naser Bin Khalifa Al-Ateiah, Präsident des Motorsportverbandes von Katar, unterzeichneten in Mugello einen Vorvertrag für einen Grand Prix in Katar, der Ende 2004 erstmals steigen soll. Bevor der geplante Fünf-Jahres-Vertrag besiegelt werden kann, muss allerdings noch eine Reihe kleinerer Hürden genommen werden: Erstens gibt es bislang keine Strecke. Zweitens ist es in dem Wüstenstaat des Mittleren Ostens derart heiß, dass Rennsport zu den gewohnten Tagesterminen unmöglich wäre. Die Organisatoren haben sich deshalb schon vorsorglich erkundigt, was die Komplettbeleuchtung der Renn-strecke für einen Nacht-Grand-Prix kosten würde.e Clarence Seedorf Star-Kicker als SponsorDort, wo normalerweise die Startnummer sitzt, tragen die 125er-Aprilia des Spaniers Alvaro Bautista und des Briten Christopher Martin das Fußball-Europapokal-Emblem. Teambesitzer ist nämlich kein Geringerer als Elite-Kicker Clarence Seedorf, der die begehrte Champions-League-Trophäe bereits mit Ajax Amsterdam, Real Madrid und dem AC Mailand erobert hat. Dass der farbige Mittelfeldstar mit den langen Rastalocken den Motorradnachwuchs unterstützt, begann als pures Hobby. Künftig will ersein Engagement sogar noch ausbauen.e PS-Verlust KTM und die KetteKTM-Konstrukteur Harald Bartol hatte sich schon lange gewundert, warum sein neues 125er-Motorrad in den unteren Gängen munter beschleunigte, oben raus aber immer zäher lief. Bei Tests wurden schließlich Antriebsritzel und Antriebskette als bremsende Übeltäter dingfest gemacht. Die Kombination hatte zuwenig Spiel, denn als Bartol die Regina-Kette versuchsweise durch ein Produkt von DID ersetzte und außerdem ein Yamaha-Ritzel statt der hauseigenen Spezialanfertigung einbaute, lief das Motorrad prompt um sechs km/h schneller. Roberto Locatelli wurde in Barcelona schon mal Zehnter.
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Grand Prix Katalonien (Archivversion) - Schweizer Kracher

Thomas Lüthi sorgte für die Sensation im 125er-Rennen: Der 16-jährige Eilgenosse aus dem Emmental wurde auf seiner Honda Zweiter – und bester deutschsprachiger Pilot beim Catalunya-Grand-Prix.
Rund 96000 Zuschauer in Barcelona rechneten im Rennen der 125er mit einem Schlagabtausch der Superstars. Doch Lucio Cecchinello tuckerte mit zu niedrigem Reifendruck am Vorderrad an die Box, Lokal-matador Pablo Nieto stürzte, und Steve Jenkner fiel nach starkem Beginn mit nach-lassender Motorleistung auf den vierten Platz zurück. Statt der arrivierten Cracks mischte sich ein 16-jähriger Grünschnabel mit der Startnummer 12 in die Spitzengruppe, der erst zwei Wochen zuvor seinen Rollerführerschein gemacht hatte. Beim Barcelona-GP knatterte der Schweizer Thomas Lüthi auf seiner pfeilschnellen Honda auf den zweiten Platz und verlor den Schlagabtausch mit WM-Leader Daniel Pedrosa um kaum mehr als eine Zehntelsekun-de. Ein Sensationserfolg des Bergbauerbuben, der nach ersten Rennabenteuern auf Pocket Bikes 2001 in den ADAC-Junior-Cup einstieg, den Lauf am Sachsenring gewann und Gesamt-Dritter wurde. 2002 kam er als Ersatzfahrer des verletzten Jakub Smrz im Elit-Team des Basler Autozubehörhändlers Daniel Epp unter, fuhr sofort munter in der WM-Elite mit und bestreitet jetzt seine erste komplette GP-Saison.Mit einem derartigen Erfolg hätte Lüthi freilich nicht in seinen kühnsten Träumen gerechnet. »Bisher habe ich mir immer im TV angeschaut, wie der Pedrosa und die so fahren – und plötzlich bin ich selbst vorn dabei«, staunte er in gemütlichem Schweizerdeutsch über sich selbst. »Vor vier Wochen habe ich hier einen spanischen Meisterschaftslauf ge-wonnen, das hat mir natürlich geholfen.«In Mugello wurde der durch einen gebrochenen Mittelhandknochen gehandicapte und durch den Krebstod seines Vaters aus dem Gleichgewicht gebrachte 250er-Pilot Dirk Heidolf noch durch den Italiener Christian Pistoni ersetzt, der zwar eine Mitgift von 20000 Euro ins Aprilia-Germany-Team mitbrachte, im Training und im Rennen jedoch weit abgeschlagen hinterherkurvte. Noch am selben Sonntagabend offerierte Teamchef Dieter Stappert seinem mit-tellosen, aber deutlich ta-lentierteren Datarecording-Mann Klaus Nöhles Pistonis Job. Nöhles, 2001 unter dem Druck der Ralf-Waldmann-Nachfolge zusammengebrochen und 2002 auch nach der Rückkehr in die 125er- Klasse nie wieder richtig in Schwung gekommen, überraschte mit zwölften Plätzen in Training und Rennen. Katja Poensgen lief in Barcelona ebenfalls nach langer Durststrecke endlich wieder zu alter Form auf. Erstmals in dieser Saison schaffte sie die Qualifikation und beendete das Rennen vor ihrem zwischendurch ins Abseits geratenen Teamkollegen Henk van der Lagemaat an 17. Stelle. Wildcard-Fahrer Alex Hofmann hatte eine Woche zuvor in Mugello auf seiner Kawasaki den 14. Platz im MotoGP-Rennen erbeutet und dabei seine Teamkollegen Garry McCoy um eine halbe Minute sowie Andrew Pitt gar um 43 Sekunden abgehängt. In Catalunya war der 22-jährige Allgäuer Zuschauer, beim nächsten Rennen in Assen (26. bis 28. Juni) darf er erneut ran.

Grand Prix Katalonien (Archivversion) - »Emotion und Herzblut“

Grand-Prix-Experte Jürgen Fuchs über das Erfolgsrezept von Ducati, mit dem die Roten nach der Superbike-WM nun auch im MotoGP-Sport mächtig aufzünden.
Was für unglaubliche Moto-GP-Rennen! In Mugello hat Loris Capirossi die Streckenbegrenzungen noch wie Anlieger im Motocross verwendet und ist zum zweiten Platz geflogen. In Barcelona drif-tete er bei 35 Grad im Schatten für Ducati zum Sieg. Die Roten schweben seit einer Woche im siebten Himmel. Ein Traum wurde Wirk-lichkeit. Ich erinnere mich gut, wie Ducati im vergangenen Jahr den neuen Renner in Mugello mit viel Emotion und Herzblut präsentierte. Und schon in dieser Saison for-dert die Desmosedici mit V4-Motor die weltmeisterliche V5-Honda zum Duell. Beide Maschinen verzichten weitgehend auf technischen Schnick-schnack. Die Vorgehensweise der Hersteller könnte jedoch nicht un-terschiedlicher sein. Die Japaner: nüchtern, akribisch, fast emotionslos, mit enormer Disziplin und immer streng nach Plan werden kleine Bausteine aneinander gesetzt. Die Italiener sind genau das Gegenteil: Getrieben von Begeisterung, Emotion und Leidenschaft steht bei ihnen der Sport im Vordergrund. Beide haben sie Erfolg. Und auch hier zeigt sich wieder, dass die Konsequenz, die eigene Linie durchzuziehen, Garant ist für erfolgreiche Rennen. Ein Michelin-Techniker sagte nach dem Rennen zur Reifenwahl der Ducati-Fahrer: »Wir haben keine logische Erklärung dafür, warum Ducati als einzige Marke weiche Reifen verwenden kann.« Es scheint, als würde das Motorrad die Reifen auf eine ganz andere Weise beanspruchen. Michelin muss reagieren und den unterschiedlichen Entwicklungsschienen folgen. Die Königsklasse bleibt auf jeden Fall sehr spannend.

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