Am falschen Ende gespart (Archivversion) Nur keinen Schrott!

Unterwegs-Redakteurin Annette Johann hegt und pflegt ihre 350er-Suzuki für kleine Fluchten durch die Alpen. Doch beim Schrauben kommt Frust auf.

Ja, in meiner Garage steht noch ein altes Motorrad. Eine Suzuki DR 350 SH von 1992. Sie ist mein Klettergerät. Klein, leicht und schwindelfrei. Garantie für tolle Schottertage in den Alpen. Marktwert maximal 1500 Euro. So viel wie ein ordentliches Mountainbike. Und viel weniger wie alles, was es derzeit neu zum Offroaden zu kaufen gibt. Um gut zu funktionieren, braucht ein älteres Gelände-Bike allerdings Pflege und schrauberische Begeisterung. Die aber echt in sich zusammenfällt, wenn der Marken-Händler satte 200 Euro allein für drei Bowdenzüge und vier Bremsklötze verlangt. Kommen noch diverse Dichtungen und Kleinteile hinzu, sind 300 Euro für einen Frühjahrsputz schnell beisammen. Ohne Öl und Arbeit. Ein Fünftel des Motorradwertes also. Selbst der nette Händler fand das nicht witzig. Also Versuch gewagt und wenigstens die Züge vom Zubehör geordert. 30 Euro – Spitze! Für die wenigen Kilometer sollten die taugen. Doch von wegen – schon im Neuzustand produzierten die Kabel mehr Reibwert wie die alten. Unterm Strich eine komplette Fehlinvestition. Mein Resümee: In technischen Dingen keine Kompromisse, sparen dagegen bei Plaste und Elaste. Aber der dringende Appell an die Hersteller, nicht durch die Hintertür als komplette Marktbremsen aufzutreten. Sondern gerade in Zeiten schrumpfenden Neuabsatzes für Alt-Bestände eher Anreize schaffen, statt den Motorradspaß komplett zu vermiesen. Und an den Zubehörhandel: Bitte verkauft keinen Schrott!

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