Anti-Radar-Maßnahmen (Archivversion) BLITZ-gescheit

Getarnte Radarkontrollen, Laserpistolen, Videofahrzeuge – alles gemeine Fallen, um unfreiwillig
abgelichtet zu werden. Gegenmittel gibt’s natürlich auch, aber ob die blitzgescheit sind?

Temposünder gab es schon vor der
Erfindung von Motorrad und Auto. 1841 etwa verlautbarte die Hamburger Polizei eine Bekanntmachung, »nach welcher das schnelle Fahren [...], besonders um die Ecken der Gassen, auf das Schärfste untersagt ist und die Contravenienten nach dem Grade ihres Vergehens mit Geld- oder Leibesstrafen belegt werden sollen«. Prügel bekommen Raser heutzutage zwar nicht mehr, zur Kasse werden sie nach wie vor gebeten.
Zu häufig, zu ungerecht. Finden die Macher von www.radarfalle.de, dem mit rund 100000 Nutzern monatlich größten Internet-Portal zum Thema Verkehrsüberwachung und Abwehr derselben. »Wir wollen die Leute nicht zum ungehinderten Rasen animieren, aber dem Staat auch nicht alle Freiheiten zur Abzocke gewähren«,
erklären sie und füllen ihre Seiten unter
anderem mit aktuellen Infos zu mobilen Blitzern, und so genannten Starenkästen sowie kostenlosen Plugins zum Herunterladen für gängige Navigations-Software.
Am Computer daheim, auf dem Display eines Navigationsgeräts, Personal Digital Assistant (PDA) oder Mobiltelefons wer-
den dann zahlreiche Kontrollschwerpunkte
erkennbar. Bei Motorrad-Ausrüster Touratech, für dessen Navigationssoftware QV so ein Plugin verfügbar ist, beurteilt man diese Frühwarnsysteme skeptisch: »Motorradfahrer nutzen meist nur die reinen
Routing-Funktionen und kaum irgendwelche Extra-Dienste, damit sie sich ganz auf
die Strecke konzentrieren können.« Leicht
gesagt mit Punkten in Flensburg, wenn
unbedachter Fahrspaß schnell die Pappe kosten könnte. Aber auch ohne digitale Unterstützung können sich Fahrer für auf der Lauer liegende Blitzer sensibilisieren, indem sie auf typische Merkmale von
Radarfallen achten (siehe Kasten).
Manche, die nach der Devise »Nachsorge ist besser als Vorsorge« unterwegs sind, greifen dagegen zu sehr plumpen Mitteln, um nicht identifizierbar zu sein.
So wird dazu gerne das Kennzeichen hochgeknickt oder so verdreckt, dass nur ein Teil der Ziffern zu erkennen ist. Eine dauerhafte Lösung ist das wahrlich nicht, denn bei einer Polizeikontrolle kann trotz einer fantasiereichen Ausrede der Schuss nach hinten losgehen, weil eine Anzeige wegen Kennzeichenmissbrauch droht.
Transparente Spezial-Folien oder Sprays (zum Beispiel Photoblocker von Trendy-Trade Shop, Telefon 0173/88299, 47,30 Euro) sollen Ordnungshütern gegenüber unauffällig bleiben und gleichzeitig den Blitzgeräten einen fotografischen Blick auf das Nummernschild versperren, indem
die beschichtete Oberfläche des Kennzeichens das Blitzlicht reflektiert, das Foto dadurch überbelichtet und unbrauchbar macht. Da in Deutschland – anders als
in Österreich oder der Schweiz – überwiegend nur von vorn geblitzt wird, macht diese strafbare Schutzmaßnahme für
Motorradfahrer hier zu Lande wenig Sinn.
Zumal die Behörden auch im Nachhinein zunächst unkenntliche Ziffern auf dem
Beweisfoto durch Bildbearbeitung wieder sichtbar machen können.
Ausgefeilter sind elektronische Warngeräte, deren Funktionalität oftmals selbst die Verkäufer anzweifeln. Carsten Fet-
zer von Radarwarner.de, Telefon 0641/ 9728645, einer der größten Fachhändler in diesem Bereich, weist nach eigenen
Angaben jeden Kunden darauf hin, dass die Nutzung dieser Geräte illegal ist und empfiehlt Motorradfahrern zwei Geräte. Valentine One EU (798 Euro) und BEL 590R-EU (866 Euro) sollen ein paar hundert Meter vor etwaigen Radarfallen ein akustisches oder optisches Signal geben. Eine kleine LED-Leuchte (BEL) im Cockpit oder ein Knopf im Ohr des Fahrers (Valentine) sind bei fachgerechtem Einbau das einzig sichtbare Indiz für die Verwendung des Radarwarners.
»Bringt alles nichts«, sagt Bernd Störmer von der Polizei Wesel, die ein Video-Motorrad einsetzt. »Gegen Videotechnik sind selbst die ausgebufftesten Warngeräte machtlos, und bei Nummernschild-Tricksereien lassen wir gegebenenfalls das Kennzeichen vom Kriminalamt untersuchen.« Stellen die Beamten eine Manipulation fest, zieht das unter Umständen böse Folgen nach sich (siehe Interview).
Das beste Mittel gegen Radarfallen ist natürlich die Einhaltung aller Verkehrs-
vorschriften. Sicherlich sehen’s die meis-
ten Motorradfahrer genauso. Sollte doch mal... Sie wissen schon, man erschreckt sich und reißt ganz aus Versehen direkt
vor der Radarfalle den Gashahn auf... und der vor einem ist doch auch... äh, der
Tacho geht nach – erst mal ruhig bleiben und abwarten! Innerhalb von drei Monaten
wird meist ein Bescheid zugestellt. Ungeduldige können im Internet unter www.
bussgeldrechner.de nachschauen, was sie in etwa erwartet. Und wenn’s ganz dicke kommt: Laufen soll ja gesund sein.

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