Ausprobiert: Bio-Enzym-Kraftstoffzusatz Zaubertrank?

Wir schreiben das Jahr 2007 nach Christus. Ganz Deutschland fügt sich in sein Los und verbrennt munter teuren Kraftstoff. Ganz Deutschland? Eine Firma wehrt sich und glaubt, ein Mittel gefunden zu haben, das die Not etwas lindert. MOTORRAD machte die Probe aufs Exempel.

Foto: fact
Lediglich wenige Tropfen Zugabe zum
Sprit sollen bereits genügen, um den Kraftstoffverbrauch und die Emissionen zu senken und gleichzeitig die Motorleistung zu steigern – das verspricht zumindest
der Hersteller des laut eigenen Aussagen
momentan einzigen biologischen Sprit-
zusatzes auf Enzymbasis. Eucozym nennt sich das Mittel, das im Mischungsverhältnis eins zu 2500 (ein Milliliter Enzym-Zusatz auf 2,5 Liter Benzin) die Verbrennung optimieren und dadurch die genannten positiven Effekte nach sich ziehen soll.
MOTORRAD ging der Sache auf den Grund und testete das neuartige Produkt in enger Zusammenarbeit mit dem Dekra Technology Center in Klettwitz. Dessen Prüfingenieure waren äußerst skeptisch, hatten sich in der Vergangenheit doch schon viele vollmundig als Sparwunder
angekündigten Spritzusätze nach wissenschaftlichen Labortests als absolut wirkungslos erwiesen. Ein Produkt auf biologischer Basis war bis dato allerdings nicht unter den Probanden gewesen.
Als Versuchsfahrzeug diente die Dauertest-Honda CBF 1000 aus dem MOTORRAD-Fuhrpark mit gut 25000 Kilometern. Zunächst führten die Dekra-Spezialisten des Fachgebiets Motor, Abgas, Antriebsstrang mehrere Verbrauchs- und Abgasmessungen strikt nach Euro-3-Vorschriften auf der Abgasmessanlage (AMA) mit un-behandeltem, zertifiziertem Kraftstoff durch. Nach Einpendeln konstanter Messwerte folgten drei Aufzeichnungen. Zwischen den einzelnen Messungen wurde die CBF wie von der Richtlinie vorgeschrieben
gut sechs Stunden in einer Klimakammer
konditioniert. Nach Beendigung der Testläufe im Serientrimm kam die Honda auf den Leistungsprüfstand.
Nun erhielt das Testfahrzeug die erste Tankfüllung mit Enzym-Zusatz und legte anschließend insgesamt 800 Kilometer auf öffentlichen Straßen mit Eucozym zurück, um die vom Hersteller vorgegebene Eingewöhnungszeit einzuhalten.
Danach ging es erneut ins Labor, wo die Honda abermals mehrere Euro-3-
Zyklen streng nach Richtlinie absolvieren musste. Und zu guter Letzt wartete wie-der der Leistungsprüfstand. Ein umfang-reiches Testprogramm, das sich über fast zwei Wochen hinzog. Doch nur dieser
wissenschaftliche Aufwand gewährleistet stichfeste Messergebnisse. Wie die im Einzelnen aussehen, können Sie in den nebenstehenden Kästen nachlesen.
Eucozym wird in Deutschland von den Firmen 1a Walther, Telefon 0921/57466, und der 4G-Company, Telefon 09201/
9170895, vertrieben. Der Preis für ein 50-Milliliter-Fläschchen beträgt 14,95 Euro. Mit dieser Menge lassen sich 125 Liter Kraftstoff im vorgegebenen Mischungsverhältnis behandeln. Bei einem angenom-
menen Spritpreis in Höhe von 1,25 Euro pro Liter müsste das Motorrad also rein rechnerisch über 9,5 Prozent weniger verbrauchen, damit sich die Mehrkosten für den Zusatz amortisieren.
Nehmen wir die Laborergebnisse als Grundlage, die immerhin eine Verbrauchsersparnis in Höhe von 1,68 Prozent ergaben – womit selbst die Prüfstandsexperten nicht gerechnet hätten –, so würde sich der Kauf von Eucozym erst ab einem Benzinpreis
in Höhe von 7,12 Euro pro Liter zumindest finanziell gesehen lohnen. Davon sind wir glücklicherweise noch weit entfernt.

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