Ausprobiert: Helm-Display (Archivversion) Kopf Hoch!

Top-Gun-Technologie für Motorradfahrer – beworben wird ein von der Luftwaffe adaptiertes Helm-Display als echter Bringer. Ob’s wirklich einer ist, zeigt ein Fahrtest.

Auf der Homepage des Anbieters Headsup (www.headsup.de) kommentiert ein R1-Fahrer begeistert sein neues Helm-Display Sportvue MC1: »Ich kann mich jetzt auf [...] die Kurve konzentrieren und gleichzeitig meine Geschwindigkeit sehen.« Der Hersteller schwärmt natürlich ebenfalls: Komfort, Sicherheit und Spaß stiftend sei es, indem Geschwindigkeit, eingelegter Gang und Drehzahl direkt in das Sichtfeld des Fahrers projiziert würden. Das weckt Neugierde. Und fordert zu einer Bewährungsprobe in der Praxis auf, denn bei 299 Euro stellt sich Frage nach dem tatsächlichen Nutzwert.
Die Anleitung gibt’s nur in Englisch, dank eines logischen Aufbaus und Illustrationen ist sie mit ein wenig Sprachkenntnissen oder einem Wörterbuch jedoch gut verständlich. Für die Montage am Motorrad und am Helm brauchen versierte Schrauber rund zwei Stunden – eine Arbeit, die Laien lieber einer Fachwerkstatt überlassen sollten. Kniffelig: Liegt man bei der Justage des Displays (Achtung! Für manche Arai-Helme muss eine Spezial-Halterung verwendet werden) lediglich
wenige Millimeter daneben, sind die sehr kleinen Ziffern nicht mehr zu sehen.
Die ersten 20 Minuten muss sich das Auge an die Anzeige gewöhnen, danach erübrigt sich, speziell bei Fahrten in Dunkelheit, der Blick auf den regulären Tacho. Der Kopf bleibt oben mit Blick in Fahrtrichtung. Auch bei über 200 km/h beeinträchtigt das am Helm fest verklebte, 70 Gramm schwere Gerät kaum spürbar die Aerodynamik. Es wird mit Batterien betrieben, die mindestens acht Stunden halten sollen.
Wie beworben lässt sich bei Kurvenfahrt die Geschwindigkeit überprüfen, doch damit erschöpfen sich auch schon die Vorteile. Für eine sinnvolle Darstellung des Drehzahlbands ist das Display viel zu klein, etwas deutlicher zeigt das Sportvue, ähnlich wie ein Schaltblitz, einen Gangwechsel an. Die Anzeige des Gangs muss das Gerät im Stand über ein Programm erlernen. Es scheint aber ein begriffsstutziger Schüler zu sein, selbst nach mehrmaligen, genau nach Anleitung durchgeführten Programmierversuchen funktionierte die Ganganzeige nur bedingt zuverlässig. Bei schräg einfallender Sonne oder leicht geöffnetem Visier kann man ohnehin gar nichts erkennen. Echtes Top-Gun-Feeling kommt nur beim Absteigen auf, wenn Passanten neugierig auf das spacig leuchtende Gerät am Helm schauen.

Fazit: Funktioniert mit Einschränkungen – eher ein Spielzeug als echte Hilfe beim Fahren.

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote