Ausprobiert: Iridium-Zündkerzen (Archivversion)

Zündstoff

Lässt sich
mit den sehr
teuren Iridium-Zündkerzen
tatsächlich wie von den Herstellern versprochen Sprit sparen? MOTORRAD hat’s ausprobiert.

Zündkerzenproduktion ist eine Wissenschaft für sich. MOTORRAD hat in Ausgabe 2/2006 darüber berichtet. Die Hersteller experimentieren sowohl immer wieder mit neuen Elektrodenausführungen als auch neuen Werkstoffen. Letzter Schrei sind Iridium-Kerzen. Natürlich besteht nicht die gesamte Zündkerze aus dieser Platinlegierung, sondern lediglich die besonders beanspruchte Mittelelektrode. Durch die Verwendung von Iridium kann diese extrem dünn gehalten werden, wodurch sie bereits bei geringen Zündspannungen energiereiche Funken zur Entflammung des Kraftstoff-Luft-Gemischs im Brennraum liefert. Diese Eigenschaft soll die Zündung optimieren, Fehlzündungen und Aussetzer verringern oder verhindern und somit für einen saubereren Motor-
lauf sorgen. Außerdem versprechen die Hersteller eine spontane Gasannahme, ein besonders gutes Freibrennverhalten (kein Verrußen der Kerze) sowie eine weit höhere Lebensdauer gegenüber Standardkerzen. Und last but not least sollen Iridium-
Kerzen den Kraftstoffverbrauch senken.
MOTORRAD hat den Reifenverschleißtest im Frühjahr über 4600 Kilometer (siehe MOTORRAD 12/2006) dazu genutzt, die Kraftstoffspar-These zu überprüfen. Um Unterschiede herauszubekommen, wurden drei der sechs Test-Buell vom Typ XB12S mit Standardkerzen und die anderen drei mit Iridium-Kerzen ausgestattet. Da während des Tests die Motorräder innerhalb des Sechser-Konvois ständig durchgewechselt wurden, ergaben sich in der Endabrechnung über die Gesamtdistanz gesehen absolut gleiche Bedingungen für jedes Motorrad. Bei jedem Tankstopp hieß es Schreibblock zücken und für jedes Test-bike Kilometerstand und exakte Tankmenge notieren. Was nach Auswertung der akribisch geführten Tanklisten herauskam, steht im Kasten unten.
Der eine oder andere Testfahrer meinte gar, einen positiven Nebeneffekt der Iridium-Kerzen zu spüren. Die XB12S, die nicht gerade als Kaltlaufwunder gilt, fällt in der Serienversion nach dem Starten hin und wieder mit Aussetzern oder ruckartiger Gasannahme auf. Die Testmaschinen mit Iridium-Kerzen liefen auf der Tour – vor allem beim Beschleunigen aus niedrigen Drehzahlen – einen Tick ruhiger und hatten keinerlei Probleme nach dem allmorgendlichen Kaltstart.
Außer dem Hersteller NGK (Telefon 02102/974000, www.ngk.de), von dem die Test-Zündkerzen stammten, bieten auch Bosch (Telefon 0711/8110, www.bosch. de), Champion (Telefon 02264/890, www. federal-mogul.com) und Denso (Telefon 02303/257070, www.denso-raceplugs.de) Motorrad-Zündkerzen mit Iridium- beziehungsweise Platin-Technologie an, die vergleichbare Effekte erzielen sollen.
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Testergebnisse (Archivversion)

Nach 4600 Kilometern zwischen Stuttgart und Palermo,
25 Tankstopps (macht bei sechs Motorrädern somit 150 Tankvorgänge) und Auswertung mittels Taschenrechner stand es fest: Die Spritersparnis durch den Einsatz von Iridium-Kerzen ist zwar vorhanden, aber verschwindend gering. Die Differenz beträgt gerade mal 0,5 Prozent (siehe Tabelle). Um die bei der Zweizylinder-Buell entstandenen Mehrkosten von rund 15 Euro pro Iridium-Kerze zu kompensieren, müssten Motorradbesitzer bei einem Spritpreis von 1,30 Euro/Liter also rein rechnerisch rund 75000 Kilometer damit fahren. Doch wer die Geschichte von dieser Seite betrachtet, der gönnt seinem Motorrad beispielsweise auch kaum ein teures Synthetik-Motoröl.

Gesamt-Spritverbrauch (Archivversion)

Gesamt-Spritverbrauch Durchschnitts-
(je drei Motorräder) Spritverbrauch
auf 4600 Kilometer (je Motorrad)

Buell XB12S mit 785,02 Liter 5,69 Liter
Standard-Zündkerzen auf 100 Kilometer

Buell XB12S mit 781,20 Liter 5,66 Liter
Iridium-Zündkerzen auf 100 Kilometer

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