Ausprobiert: Kettentrenn- und Vernietwerkzeuge (Archivversion) Drum prüfe...

..wer sich ewig bindet. Um die Entscheidung zu erleichtern, unterzog MOTORRAD sechs Kettentrenn- und Vernietwerkzeuge einem Praxistest.

Mit einer durchschnittlichen Lebensdauer von zirka 20000 Kilometern gehören Antriebsketten zu den verschleißfreudigsten Bauteilen von Motorrädern. Gut gepflegte Exemplare überstehen zwar gelegentlich die doppelte Distanz, vernachlässigte Glieder geben jedoch oft schon nach weniger als 10000 Kilometern den Geist auf. Die sich daraus ergebende Folge ist in jedem Fall dieselbe: Eine neue Kette muss her. Wer keine Lust hat, die Schwinge zu demontieren, der entscheidet sich nicht für eine Endloskette, sondern für eine sogenannte offene Kette. Und deren sicherste Verbindung sind Nietschlösser – fachgerechte Montage mit geeignetem Werkzeug vorausgesetzt. Wichtig: Schlösser und Werkzeug beim Kauf auf Verträglichkeit mit verwendeter Kettenmarke und –typ prüfen. MOTORRAD ließ sich sechs kombinierte Kettentrenn- und Nietwerkzeuge verschiedener Hersteller schicken und zog sich in die Werkstatt zurück. Bei unzähligen Trenn- und Vernietvorgängen mit verschiedenen Kettentypen mussten die Kandidaten ihre Praxistauglichkeit unter Beweis stellen.Bereits beim Trennen der Kettenglieder zeigen sich deutliche Unterschiede. Einen leichtgängigen Eindruck hinterlassen die Geräte von Difi, Hein Gericke und Schuh, bei denen die Gliederbolzen mit einem Dorn ganz herausgeschraubt werden. Einziger Nachteil dieser Methode: Es dauert. Auch bei den Geräten von Louis und M&P Götz ist Schraubarbeit gefragt. Allerdings sind die benötigten Handkräfte viel höher, was an den ungünstigen Hebelverhältnissen durch die etwas zu kurz geratenen Werkzeuggriffe liegt.Einen anderen Weg, Kettenglieder zu trennen, beschreitet Schüller mit dem Whale 50S, dem wohl verbreitetsten Kettenwerkzeug. Bei ihm treiben Hammerschläge auf den Kopf eines langen Dorns den Kettenbolzen aus. Diese Trennmethode mag etwas rabiat erscheinen, funktioniert jedoch prächtig und dauert nur wenige Sekunden.Bevor es ans Vernieten geht, müssen alle Kombiwerkzeuge umgerüstet werden. Beim sehr kompakten Difi-Gerät genügen wenige Handgriffe - bei allen anderen dauert’s zum Teil deutlich länger.Erster Arbeitsschritt beim Vernieten ist das Aufpressen der Decklasche. Bei den Geräten von Difi und Hein Gericke helfen hierbei spezielle Druckplatten. Mit den Kandidaten von Louis und M&P Götz muss der Handwerker diesen Arbeitsschritt mit zwei nebeneinander liegenden Schrauben erledigen. Wie die Lasche mit den Geräten von Schüller und Schuh aufgepresst werden soll, steht nicht in den Anleitungen. Zur Not müssen die Bastler eben zu einer Zange greifen und die Laschen von Hand aufpressen – eine sehr unbefriedigende Methode.Beim eigentlichen Vernietvorgang, dem Aufspreizen beziehungsweise Stauchen der Nietköpfe, gehen die Anbieter unterschiedliche Wege. Difi, Hein Gericke und Schuh vernieten mittels Schrauben und Drehmoment, bei Louis, M&P Götz und Schüller wird gehämmert. Das geht zwar flotter, ist aber für Gelegenheitsbastler schwerer zu dosieren und zu kontrollieren als Vernietungen nach dem Schraubprinzip.

Artikel teilen

Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote