Ausprobiert: LSL-Lenkerumbau (Archivversion) Betont lässig

Immer wieder kontrovers diskutiert: Superbike-Lenker für potente Sportmotorräder. Harmoniert die 152 PS starke Yamaha-YZF-R1 mit einem Lenkerumbau von LSL?

Superbike-Lenker und Supersportler: Die einen schwören drauf, die anderen lehnen diese Kombination strikt ab. Tief platzierte Lenkerhälften sind nicht jedermanns Sache, haben aber auch ihre konstruktive Notwendigkeit. Die Devise bei Sportlern lautet: Möglichst viel Gewicht auf das Vorderrad bringen, damit dieses nicht zu schnell zu stark entlastet wird. Letzteres kann nämlich das gefürchtete Lenkerschlagen (Kickback) auslösen. MOTORRAD machte mit einer Yamaha YZF-R1 die Probe aufs Exempel. Wie vertragen sich 200 Kilogramm Lebendgewicht und gut 150 PS mit einem speziell für leistungsstarke Motorräder entwickelten Superbike-Lenkerumbau von LSL (Telefon 02151/55590)? Das Set besteht aus einer gefrästen Alugabelbrücke, Stahlflexbremsleitungen (nicht ummantelt) und einem verlängerten Kupplungszug, einem Halter für den Bremsflüssigkeitsbehälter und Distanzscheiben für die Verkleidungshalterung. Der eintragungspflichtige Umbau weiß in puncto Verarbeitungsqualität und Passgenauigkeit zu überzeugen, was man nach der ersten Testfahrt weder vom Windschutz noch von der Position der Original-Fußrasten (zu weit vorne, zu hoch) behaupten kann.Besser funktioniert es mit einer Tourenscheiben von MRA (Telefon 07663/93890) sowie einer wunderschönen und – weit wichtiger – einstellbaren Fußrastenanlage von Gilles Tooling (Telefon 06571/149698), die zudem die Schaltbarkeit des etwas harzigen Yamaha-Getriebes erleichtert. Bei ihr lassen sich die Rasten nach persönlichem Gusto auf der Trägerplatte versetzen. Ganz unten, ganz hinten stellt sich als beste Lösung heraus. Endlich kann man sich beim härteren Beschleunigen gut auf den Rasten abstützen, der 960 breite und nur 740 Millimeter hoch montiere Alulenker fördert eine betont nach vorne orientiere Sitzhaltung. Und mit der Tourenscheibe trotzt man bis Tempo 180 aufrecht sitzend dem Sturm; soll’s schneller gehen, ermöglicht die Kombination der hohen Scheibe und des zwar breiten, aber auch relativ tiefen Lenkers ein beinahe rennmäßige Position. Wer mag, kann also auf der Autobahn das volle Potenzial seiner R1 ausschöpfen, denn trotz Umbau zieht sie stoisch ihre Bahn.Ihre Trümpfe spielt die mit einem Top-Fahrwerk gesegnete 1000er auf winkeligen Landstraßen aus; der »Supersporttourer« durcheilt mit aufreizender Lässigkeit und viel Spielübersicht selbst die trickreichsten Kurvenkombinationen, wobei sowohl die Erstbereifung Michelin Pilot Sport als auch versuchsweise montierte Metzeler Sportec M-1 eine tadellose Vorstellung abliefern.Im eigens gefahrenen Top-Test-Parcours bestätigt sich der gute Eindruck vieler Landstraßen-Kilometer. Im langsamen Slalom fährt die umgebaute R1 auf dem hohen Niveau der Serie, in der schnellen Slalom-Variante lassen sich die Vorteile des breiten Lenkers voll ausspielen. Blitzschnelles Umlegen ermöglicht mit 19,7 Sekunden eine neue Rekordzeit und verweist die bisherigen Handling-Stars Aprilia RSV 1000 R Factory, MV Agusta F4S und Triumph Sprint RS (alle 20,3 Sekunden) auf die Plätze. Allerdings fordert die YZF-R1 in den Gängen eins und zwei eine feinfühlige Gashand. Ansonsten lupft sie – öfter als einem lieb ist – lustvoll und blitzartig das Vorderrad. Kickback trat jedoch während der Testfahrten nicht auf. Wer auf Nummer Sicher gehen möchte, sollte dennoch in einen Lenkungsdämpfer investieren. Die geänderte obere Gabelbrücke schließt dessen Platzierung auf dem Tank aus. Der Dämpfer muss folglich unterhalb des Cockpits innerhalb der Verkleidung angebracht werden. White Power bietet für 370 Euro ein empfehlenswertes, eintragungspflichtiges Set an.

Artikel teilen

Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote