Ausprobiert: Nachrüst-Schalldämpfer für Yamaha XT 600 E (Archivversion) Phondue

Enduro-Schalldämpfer sollten leicht und trotzdem robust sein, einen kernigen Sound erzeugen und dennoch die geltenden Geräuschbestimmungen einhalten. Ob es dafür ein Rezept gibt, probierte MOTORRAD an sechs Zubehör-Anlagen für die Yamaha XT 600 E aus.

Nicht genug, daß immer mehr interessante Enduro-Strecken gesperrt werden, nein, der Spaß wird auch noch durch die Motorräder selbst getrübt. Die geländetauglichen Zweiräder - abgesehen von reinrassigen Sport-Enduros - werden immer schwerer, und ihr Sound ist aufgrund der immer strengeren Geräuschbestimmung immer gedämpfter. Viele Besitzer suchen deshalb nach Möglichkeiten, ihre Maschine abzuspecken und mit einer Zubehör-Auspuffanlage den Klang zu verbessern. Wenn dann noch die Leistungsausbeute und das Design des Schalldämpfers stimmen, ist das Glück perfekt. MOTORRAD nahm sechs Auspuffanlagen für die Yamaha XT 600 E (Baujahr 1997), Typ 3TB, unter die Lupe, um zu prüfen, ob diese Wünsche erfüllbar sind.Die Teilnehmer BSM, Devil, Figaroli, Gianelli, Sebring und Shark wollen gegenüber dem sechs Kilogramm schweren und 689 Mark teuren Original-Dämpfer die bessere Wahl sein. Preislich gelingt das immerhin drei Anlagen. Mit 399,95 Mark ist der Gianelli-Auspuff von Hein Gericke ein Schnäppchen, wiegt als einziger im Vergleich aber nicht weniger als das Original. Absolutes Leichtgewicht ist der Figaroli mit fast unglaublichen 2,5 Kilogramm. Die restlichen Dämpfer bringen zwischen 3,9 und 4,8 Kilogramm auf die Waage.Nach dem Vermessen ging es auf den Rollenprüfstand, wo die Anlagen zum ersten Mal montiert wurden. Der Anbau ist bei allen problemlos in wenigen Minuten erledigt, und so konnten die Tauschobjekte nun ihre Muskeln spielen lassen - mit dem für Nachrüstanlagen erstaunlichen Ergebnis, daß bis auf den Figaroli-Dämpfer alle mehr Leistung ergaben als das Original mit 39 PS bei 6280/min. Den Spitzenwert markierte Shark mit knapp 41 PS, ebenso beim Drehmoment: 55,7 Nm bereits bei 2140/min sind bemerkenswert. Die anderen Anlagen konnten diesbezüglich nicht mithalten, erlaubten aber dennoch alle ein höheres maximales Drehmoment als die Original-Anlage, mit der die XT 48,4 Nm bei 4160/min auf die Rolle preßt.So weit, so gut. Doch jetzt kommt der heikelste Punkt des Tests - die Geräuschmessung (Meßvorschriften siehe Kasten »Phon-Messung«, Seite 171). Für das Standgeräusch gibt es keinen gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwert, hier dient bei Polizeikontrollen der in den Fahrzeugpapieren eingetragene Wert als Anhaltspunkt. Originalanlagen, die bei der Geräuschmessung vor Ort diesen Wert um mehr als fünf dB (A) übertreffen, werden erst einmal aus dem Verkehr gezogen. Bei lauten Zubehöranlagen kommt der kontrollierende Beamte in Schwierigkeiten. Denn das Standgeräusch einer EG-Nachrüstanlage wird nicht eingetragen, also kann es auch nicht überprüft werden.MOTORRAD führte sowohl Stand- als auch Fahrgeräuschmessungen mit der Original- und allen Zubehör-Auspuffanlagen durch. Im Fahrzeugschein der Yamaha sind 84 dB (A) Standgeräusch und 79 dB (A) Fahrgeräusch eingetragen, gemessen wurden mit dem Original-Auspuff 80 dB (A) Standgeräusch und 79 dB (A) Fahrgeräusch.Beim Standgeräusch liegen fast alle Nachrüstanlagen mit 85 bis 87 dB (A) im Toleranzbereich des für den Original-Dämpfer eingetragenen Werts, nur der Figaroli ist mit 90 dB (A) deutlich lauter. Beim Fahrgeräusch dagegen, bei dem der Originalauspuff noch unter dem gesetzlichen erlaubten Grenzwert von 80 dB (A) liegt, erfüllt nur eine der Nachrüstanlagen die Vorschriften: die Gianelli mit 79 dB (A). Der Rest tummelt sich im Bereich zwischen 82 und 85 dB (A) - allesamt unerlaubt hohe Werte. Schade, denn den subjektiv besten Klangeindruck hinterließ die Shark-Anlage Bleibt als Fazit: Der Wunsch nach mehr Leistung, schönerem Design und edlerer Verarbeitung läßt sich mit Nachrüstanlagen erfüllen - die Einhaltung der Geräuschvorschriften kaum. Wer Sound meint und Krach produziert, schadet aber allen.

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