Ausprobiert: Nachrüstschalldämpfer für Suzuki GSF 1200 Bandit (Archivversion) Neulich im Phonstudio

Die Entwicklungsabteilungen für Zubehör-Schalldämpfer geben ihr Bestes, um das Klangbild und die Leistungsausbeute von Motorrädern zu verbessern. Ob sie bei der Suzuki GSF 1200 Bandit Erfolg hatten? MOTORRAD nahm sich 16 Anlagen zur Brust.

Eines der beliebtesten Motorräder der letzten Jahre ist die Suzuki GSF 1200 Bandit. Und da die große Bandit ein Motorrad ist, an dem gern und häufig getunt wird, ist die Nachfrage nach Zubehör-Schalldämpfern entsprechend groß. Zumal die Serienanlage den entscheidenden Nachteil besitzt, daß Suzuki sie nur komplett als Ersatzteil anbietet. Bei einem harmlosen Umfaller, bei dem »nur« der Schalldämpfer hops geht, ist also eine Komplettanlage inklusive Krümmer für 1102 Mark fällig. Und das, obwohl sich die mit jeweils einem Schweißpunkt gesicherten Schrauben für den Schalldämpfer ohne Probleme lösen lassen - was den Einsatz eines der vielen Zubehörschalldämpfer ermöglicht.MOTORRAD kaufte verdeckt 16 Anlagen der verschiedensten Fabrikate. Da die meisten Hersteller ihre Schalldämpfer in mehreren Ausführungen anbieten (rund oder oval, mit gebürsteter oder polierter Aluminium-Hülle, aus Edelstahl, Titan, Karbon oder Kevlar), ließen sich problemlos mehr als 50 verschiedene Probanden für die 1200er Bandit besorgen, doch das hätte den Rahmen dieses Tests gesprengt. So beschränkte sich MOTORRAD auf eine Anlage pro Hersteller, EG-BE oder TÜV-Gutachten waren Voraussetzung.Einziger Dämpfer des Testsfelds mit Muster-Gutachten ist die Termignoni-Anlage. Alle anderen Teilnehmer besitzen eine EG-BE und müssen weder eingetragen werden, noch sind die Besitzer zum Mitführen irgendwelcher Papiere verpflichtet. Dennoch legen die Anbieter Cobra, Eagle, Shark und Supertrapp kleine Kärtchen bei, auf denen unter anderem Prüfnummer, Motorradtyp und Hersteller vermerkt sind, um Motorradfahrern in Polizeikontrollen eventuelle Schwierigkeiten zu ersparen.Die Montage der Anlagen bereitet keine Probleme. In wenigen Minuten ist die Angelegenheit bei allen Modellen erledigt - mit einer Ausnahme: für die Shark-Anlage müssen die Bohrungen am Krümmeranschluß etwas aufgebohrt werden. Neben dem Krümmeranschluß weisen sämtliche Anlagen einen Halter auf, der am Ausleger für die Soziusraste verschraubt wird. Beim Original- und beim Supertrapp-Dämpfer ist dieser Halter angeschweißt, bei den Anlagen von Remus und Bos angeschraubt. Die restlichen werden mittels einer um den Auspufftopf reichenden Schelle befestigt. Beim Anbau des Dämpfers ist in diesen Fällen Vorsicht angebracht, sonst gibt es häßliche Kratzer auf den teilweise empfindlichen Oberflächen.Nach der Anbauprüfung versammelten sich die Kandidaten zum Kräftemessen auf dem Bosch-Leistungsprüfstand. Dort trauten die Tester zunächst ihren Augen nicht: Mit sämtlichen Zubehöranlagen zeigte die Bandit wahre Höhenflüge in puncto Leistung und Drehmoment. Offensichtlich drosseln die Suzuki-Ingenieure die 1200er Bandit zum größten Teil über den Original-Auspuff auf die für Deutschland erforderlichen 98 PS. Anders läßt sich der teilweise enorme Leistungszuwachs mit den Zubehöranlagen nicht erklären. Normalerweise haben die Hersteller größte Schwierigkeiten, leistungsmäßig mit der Originalanlage mithalten zu können, geschweige denn sie zu überflügeln. Den Käufern kann es prinzipiell recht sein, wäre da nicht ein kleines Problem mit dem Versicherungsschutz. Mehr dazu im Kasten auf Seite 123.Besonders leistungswillig zeigt sich die Bos-Anlage, die mit 124 gemessenen PS und 118 Nm Drehmoment die Spitzenwerte markiert. Doch auch die anderen Zubehör-Dämpfer ziehen spätestens bei etwa 4000/min an der Originalanlage vorbei. Etliche Testteilnehmer geben ab dieser Drehzahl bis über zehn Newtonmeter mehr an die Kurbelwelle ab als die Serien-Bandit. Nur Laser und Supertrapp können nicht ganz mit den anderen mithalten.Ob die Anlagen trotz der Leistungssteigerung die zulässigen Geräuschwerte einhalten, sollte sich bei den Schallpegelmessungen zeigen. Wie Stand- und Fahrgeräusch ermittelt werden, wurde ausführlich bereits im letzten Auspufftest von MOTORRAD ( 8/1998) dargestellt. Der zulässige Grenzwert für das Fahrgeräusch beläuft sich auf 80 dB (A), genau der Wert, den die Testmaschine mit dem Seriendämpfer erreicht. Das Standgeräusch gibt Suzuki mit 91 dB (A) an, mit gemessenen 90 dB (A) liegt die Bandit sogar knapp darunter.Das in den Fahrzeugpapieren eingetragene Standgeräusch dient bei Polizeikontrollen als Anhaltswert, um zu laute Auspuffanlagen aus dem Verkehr zu ziehen. Solange die Zubehöranlagen nicht mehr als 5 dB (A) lauter sind als eingetragen, kommen die Besitzer meist ungeschoren davon. Außer die Polizei vermutet eine unzulässige Manipulation, dann werden die Fahrzeuge vorläufig beschlagnahmt und eventuell eine Fahrgeräusch- oder Leistungsmessung nachgeschoben.Zu den Meßergebnissen: Nur drei Anlagen (Cobra, Harpoon und Scorpion) liegen mit 92 dB (A) knapp über dem eingetragenen Standgeräuschwert, doch immerhin noch deutlich innerhalb der Prüftoleranz für polizeiliche Fahrzeugkontrollen. Beim Fahrgeräusch sieht die Sache hingegen völlig anders aus. Als einzige Anlage hält die Supertrapp den zulässigen Grenzwert von 80 dB (A) ein, alle anderen liegen darüber. Besonders laut sind die Schalldämpfer von Cobra, Eagle und Figaroli mit 84 dB (A) Fahrgeräusch. Spitzenreiter diesbezüglich ist das Bos-Modell mit akustisch deutlich vernehmbaren 85 dB (A).Ein weniger erfeuliches Ergebnis, vor allem, wenn man bedenkt, daß viele Nachrüst-Anlagen nicht so »leise« wie im Neuzustand bleiben. Bereits auf dem Prüfstand hat der eine oder andere Kandidat per Rauchzeichen auf die Verflüchtigung seines Dämmaterials aufmerksam gemacht. Figaroli war der stärkste »Qualmer«, aber nicht der einzige. Wie die fortschreitende Geräuschentwicklung läßt sich auch die Haltbarkeit und Lebensdauer der Anlagen im Rahmen des Tests ncht klären. Sicher ist hingegen, daß ein bereits im Neuzustand vor sich hin rostendes Innenleben aus herkömmlichem Stahl wenig Chancen auf ein hohes Alter hat. Immerhin vier Testteilnehmer sind davon betroffen: Cobra, Eagle, Supertrapp und Termignoni. Bei den anderen bürgt Edelstahl im Inneren für eine höhere Lebenserwartung. Und wie steht es um die Außenhülle? Die ist maßgeblich für das Kaufinteresse der Kunden verantwortlich. Ein hochglanzpolierter Aluminium-Topf sieht neu hübsch aus, doch ist er äußerst kratzempfindlich. Wesentlich robuster sind Edelstahl- oder Titan-Dämpfer. Auch gebürstete Aluminium-Hüllen und Karbon- oder Kevlar-Oberflächen sind weniger kratzempfindlich als poliertes, nicht eloxiertes Aluminium. Auf was der Bandit-Fahrer letztlich mehr Wert legt, bleibt ihm überlassen. Das Angebot an Zubehördämpfern für dire Bandit bietet ihm genügend Wahlmöglichkeiten.

Artikel teilen

Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote