Ausprobiert: Verkleidungsscheiben für Honda CBR 1100 XX und BMW R 850/1100 GS (Archivversion) Windjammer

Oft folgt der Begeisterung über die im Stand so schnittige Verkleidung schnell die Ernüchterung: tosender Orkan bei höherem Tempo. Können Zubehörscheiben für Ruhe sorgen?

Rennmaschinen zeichnen sich durch Kompromisslosigkeit aus. Kein überflüssiger Schnickschnack, die Silhouette schmal und klein. Wenn sich der Fahrer auf den Geraden hinter die Verkleidung kauert, scheinen Mensch und Maschine zu einer Einheit zu verschmelzen. Aber Motorradfahren im richtigen Leben sieht anders aus. Zwar tragen auch die straßentauglichen Ableger der Rennmaschinen meisten nur das Minikleid, zu 99 Prozent sitzt der Fahrer aber auch auf einer Sportmaschine eher aufrecht. Von echter Entlastung durch die flachen Verkleidungsscheiben kann da kaum die Rede sein. Nicht nur bei großen Fahrern kommt daher oft der Wunsch nach besserem Windschutz auf. Den verspricht der Zubehörhandel, dort finden sich für fast alle verkleideten Maschinen vom Supersportler bis zum Tourer höhere, breitere oder aerodynamisch geformte Austauschscheiben für Serienverkleidungen. MOTORRAD prüfte an zwei völlig unterschiedlichen Motorrädern, wie es um die propagierten Eigenschaften dieser Zubehörscheiben bestellt ist. Die Honda CBR 1100 XX vertritt die sportliche Gilde. Die Verkleidung des Sporttourers ist sehr flach gehalten, die getesteten Scheiben sind bis zu zwölf Zentimeter höher. Preislich sind die Zubehörscheiben im Falle der Honda auf jeden Fall eine Alternative, mit 100 bis 200 Mark liegen alle weit unter dem knapp 380 Mark teuren Originalteil. Wer mit der Serienverkleidung zufrieden sind, findet übrigens bei einigen Herstellern auch preisgünstige Scheiben in Originalform als Ersatz für eine verkratzte oder zerstörte Scheibe. Mehr Schutz vor dem Fahrtwind bieten alle getesteten Scheiben für die CBR. Wer das sportliche Aussehen erhalten will und eine entsprechende Fahrweise und Sitzhaltung bevorzugt, fährt am besten mit der MRA-Racingscheibe. Besseren Windschutz vor allem für große Fahrer bieten die MRA-Spoilerscheibe sowie das JF-Teil.Bei der BMW R 1100 GS sind die Ansprüche an die Verkleidung grundsätzlich nicht anders. Zwar erreicht sie nicht die hohen Geschwindigkeiten der Doppel-X, von einer Reiseenduro verlangen viele Fahrer jedoch guten Windschutz für lange Tagesetappen – zumal die GS in ihrer Klasse ja nicht gerade zu den Langsamen zählt. Die serienmäßige Cockpit-Verkleidung kann in diesem Punkt nicht voll überzeugen. Sie entlastet den Oberkörper zwar spürbar, besonders bei großen Fahrern ist der Kopf aber voll dem Fahrtwind ausgesetzt. Viele GS-Treiber monieren auch die starke Geräuschentwicklung, da sich der Helm genau in der turbulenten Zone befindet. In puncto Kosten ist das unter 100 Mark teure Serienteil konkurrenzlos. Bei Preisen bis zu 500 Mark sind die Erwartungen an die Zubehörteile beträchtlich. Aber so viel muss der Käufer nicht hinblättern, denn echter Fahspaß will beim teuersten Teil von GS Fun Factory nicht aufkommen, bleibt als Argument höchstens das Karbondesign. Die anderen Zubehörscheiben bringen zum Teil deutliche Verbesserungen. Relativ ruhig und geschützt sitzen selbst große Fahrer hinter der Wunderlich-Scheibe, aber auch die Scheiben von JF und Ermax können den Fahrer spürbar vom Winddruck entlasten und die Geräusche unter dem Helm verringern.

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