Beratung: Griffgummis (Archivversion)

Gib Gummi

Richtig Spaß macht Motorradfahren nur, wenn die richtigen Überzieher übers Lenkerrohr gestülpt werden^.

Kollege Mini Koch war vollkommen aus dem Häuschen, als er von der Probefahrt mit der NSR 500 von Weltmeister Mick Doohan zurückkehrte. Aber nicht die unglaubliche Leistung der 200-PS-Rakete hatte ihn so nachhaltig beeindruckt, sondern überraschenderweise ein kleines, zunächst unwichtig erscheinendes Detail: »Diese Griffgummis, das ist der Hammer, die mußt du fühlen!« Was ist so besonders an den Gummis des Weltmeisters? Das konnte Mini Koch auch nicht erklären. Sind sie aus Natur-Kautschuk oder einer mysteriösen Latex-Legierung oder sonst ein Hexenwerk der HRC-Chemielabors? Jedenfalls haben die meisterlichen Gummis optimale Eigenschaften: Sie haften, ohne daß mit der Kraft eines Schraubstocks zugefaßt werden muß. Sie kleben aber auch nicht: Sobald der Zugriff gelockert wird, flutscht das Gummi des Gasgriffs durch die Finger. Und selbst bei Nässe verlieren die Hände nicht den Halt.Früher waren im Rennsport die berühmten braunen Tomaselli-Gummis aus natürlichem Material der Geheimtip. Damals, als der Mindest-Griffabstand vorgeschrieben war, gab es die Gummiware sogar vom Meter. Um die Griffweite wegen der Aerodynamik schmal zu halten, wurden überbreite Griffgummis montiert. Nachteil der griffigen Tomasellis: Sie waren nicht wetterbeständig, lösten sich oft schon nach ein paar Wochen auf.Heute gibt es die braunen Gummis aus Italien nicht mehr, das Sortiment im Zubehörhandel ist aber riesig. Beim Versand-Händler Götz füllt es zum Beispiel gleich mehrere Seiten des Katalogs mit Griffen für Straße, Cross, Roller, Chopper, ja sogar Super Motard oder Rallye. Dazu Farbvarianten in Rot, Grün, Weiß, Chrom, außerdem noch Oberflächen mit Rillen, Noppen, Schaum und so weiter. Auch die Preisspanne ist gewaltig, von fünf bis 50 Mark ist alles dabei. Soviel muß man aber nicht ausgeben, gute Gummis gibt es schon für zehn Mark. Trotzdem sieht man im Straßenverkehr jede Menge Motorräder mit Griffen, die in wirklich desolatem Zustand sind. Da zerbröselt das Gummi schon vom Hinkucken. Das offensichtliche Desinteresse ist eigentlich erstaunlich, denn schlechte oder defekte Griffe können den Fahrspaß, im Extremfall sogar die Sicherheit stark beeinträchtigen. Beschädigte oder verschlissene Teile sollten daher rechtzeitig ausgetauscht werden. Dank moderner Kunststoffe sind die heutigen Gummis haltbarer und wetterbeständiger. Trotzdem müssen sie als Verschleißteil gelten, sie rubbeln sich ab, härten im Laufe der Zeit aus. Die Griffigkeit läßt nach und Vibrationen werden weniger gut gedämpft. Beim Kauf sind die unterschiedliche Anforderungen zu beachten (siehe Empfehlungen in den Kästen). Und nie vergessen: Die schönen Drifts kriegt auch Mick Doohan nur hin, wenn er das Motorrad feinfühlig über den Gasgriff steuern kann. Und dafür braucht er gute Gummis, auf den Felgen und am Lenker.AdressenDie Auswahl im Zubehörhandel ist unüberschaubar, hier daher nur ein paar Adressen:Die meisten Hersteller kommen auf vielen Kanälen in den Handel, so sind Griffgummis zum Beispiel von Ariete, Cemoto, Magura, Pro-Grip oder Scott vielerorts im Fachhandel anzutreffen.Eine größere Auswahl gibt es auch im Versandhandel oder in den Shops von Difi, Gericke (Pro Grip Rallye), Louis, Polo, Götz (Cemoto) oder Schuh.Verlicchi-Schaumgriffe werden von Mobiltech, Telefon 07424/6140, vertrieben.Renthal-Griffe in drei verschiedenen Gummi-Mischungen liefert Zupin Moto-Sport, Telefon 08669/85760 (außerdem Oury, Ariete und Magura).Ufo- und MG-Griffe bietet MG Sport, Telefon 09383/99006.
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Strasse (Archivversion)

Empfehlenswert sind klassische Formen, das heiß schlicht zylindrisch. Nur wenige Griffgummis sind am äußeren Ende offen, die meisten müssen bei Vibrationsdämpfern oder Endkappen aufgeschnitten werden. Scooter-Griffe sind entsprechend den Patzverhältnissen auf Rollern schmaler. Sport- und Rennfahrer lieben meist die dünneren, gefühlsechten Gummis, die Leistung läßt sich zumindest subjektiv feinfühliger dosieren. Dünn bedeutet wenig Wandstärke, demzufolge kommen auch Vibrationen stärker durch. Daher machen etwas dickere Gummis für Tourenfahrer und im Alltagsbetrieb durchaus Sinn. Vor allem bei stark vibrierenden Maschinen können sie die das Kribbeln in den Händen mildern. Viele Ein- und Zweizylinder-Freaks schwören auf die softe Schaumstoff-Griffe. Der Nachteil: Das Griffgefühl wird deutlich schwammiger, besonders die billigen sind zudem wenig haltbar und saugen sich mit Wasser voll. MOTORRAD-Tip: Einige Originalgriffe an Sportmaschinen sind sehr gut, außerdem Renthal (sportlich dünn), Cemoto Road Pro. Gute Schaum-Griffe liefert Verlicchi.

Off-Road (Archivversion)

Noch wichtiger als im Straßenbereich ist die Verbindung zwischen Händen und Lenker im Gelände. Der Crosser zerrt, zieht, schiebt, dreht mit vollem Körpereinsatz an den Lenkerenden. Außerdem müssen sie Sand, Schlamm und Wasser aushalten. Kennzeichnend für OffRoad-Griffgummis ist der breite Rand als Anschlag und Schutz nach innen hin. Guter Grip und Halt sind vorrangig, andererseits muß der Handschuh wegen der vielen Griffänderungen gut gleiten können. Stege sind daher nützlich, aber nur an der Unterseite. Die Oberseite sollten möglichst glatt sein, Stege würden die Handinnenflächen wund rubbeln. Viele OffRoad-Fahrer glätten die Oberseite daher mit der Rasierklinge. Auch im Gelände werden kleine Durchmesser bevorzugt. Für Enduristen sind die etwas dickeren, dämpfenden Gummis empfehlenswert. Schaumstoff-Griffe sind überhaupt nicht geeignet. MOTORRAD-Tip: Renthal medium für Cross, Magura, Pro-Grip Rally für Enduro.

Chopper (Archivversion)

Funktion ist beim Chopper generell nicht so wichtig, im Mittelpunkt steht Aussehen und Image. Das gilt auch für die Griffe. Im Handel finden sich allerlei Varianten, meistens mit viel Leder, Chrom oder Edelstahl. Der Nachteil des hohen Metallanteils: Die Glanzstücke sind nicht nur schwer, sondern wegen des mangelhaften Grips auch noch unpraktisch, zudem sind sie fürchterlich dick. Zu beachten sind beim Umrüsten die verschiedenen Lenker-Durchmesser. Während Harley-Lenker grundsätzlich ein Zoll (25,4 Millimeter) dick sind, verwenden die japanischen Hersteller in aller Regel Lenkrohre mit 22 Millimeter Durchmesser. Vor dem Kauf daher im Zweifelsfall messen, denn selbstverständlich müssen die Griffe entsprechend sein. MOTORRAD-Tip: Wer gutes Griffgefühl will, sollte normale Straßengriffe benutzen. Ansonsten Geschmackssache.

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