Beratung Motoröl (Archivversion) Gut geschmiert ...

...ist halb gewonnen. Ohne Öl würden Motoren im Nu verschleißen. Nur optimale Schmierung gewährleistet eine lange Haltbarkeit. MOTORRAD stellt unverzichtbares Basiswissen zusammen.

So manchem Leser wird das Szenario nicht unbekannt sein. Das Motorrad verweigert die Weiterfahrt – Sprit alle.
Also per pedes, sich selbst verfluchend, die nächste Tankstelle ansteuern, einen Kanister Benzin besorgen und zur Maschine zurücktippeln. Tankdeckel auf, Benzin rein, Druck auf den Startknopf, und es kann weitergehen. Ein harmloses Malheur, zumindest im Vergleich mit dem Ärger, der Biker erwartet, die den Ölstand des Motorrads aus den Augen verlieren. Ruck, zuck entstehen kapitale Motorschäden, die richtig ins Geld gehen.
Die AUFGABEN VON MOTORÖL sind äußerst vielfältig und beinhalten längst nicht nur Schmieren. Hier die wichtigsten Punkte im Überblick.
Abdichten: Öl muss die Feinabdichtung an kritischen Bauteilen wie Kolbenringen oder an Übergängen von Gehäuse und Antriebswellen gewährleisten.
Kräfte übertragen: Bei Ventilsteuerungen, die mit Hydrostößeln arbeiten, übertragen Öle die benötigten Kräfte.
Kühlen: Öle müssen die bei der Verbrennung im Zylinder entstehende Wärme sowie die in Motor und Getriebe entstehende Reibungswärme abführen.
Sauberhalten: Abriebelemente (Verschleißteile), Schmutzstoffe und Verbrennungsrückstände müssen vom Öl in der Schwebe gehalten werden, damit es nicht zu Ab-
lagerungen im Motor kommt.
Schmieren: Sicher die bekannteste und wichtigste Aufgabe von Öl, das die Reibung der Gleitpartner niedrig halten muss, dadurch für geringeren Verschleiß sorgt und das so genannte »Fressen« zweier Reibpartner verhindert.
Schützen: Öl verhindert Korrosion der
Motorinnereien.
Transportieren: Öl transportiert Schmutzpartikel und Schwebstoffe zum Ölfilter sowie die verschleißmindernden Wirkstoffe (Additive) an kritische Stellen.
Je nach Einsatzzweck und Anforde-
rungen führen die Hersteller dem Öl verschiedene Additive hinzu, die einerseits den Schmierstoff selbst beispielsweise
alterungsbeständig machen, andererseits schädliche Stoffe binden oder neutrali-
sieren, den Verschleiß mindern, Korrosion verhindern, Schaumbildung vermeiden und den Viskositätsindex (Eigenschaften des Öls bei hohen Temperaturen) verbessern. Additive schlagen sich bis zu über 50
Prozent im Kaufpreis nieder. Der Anteil an Additiven in Billigölen ist entsprechend
gering, wohingegen qualitativ hochwertige Öle mit hohem Additivanteil teuer sind.
Die Einteilung der Öle erfolgt außer nach verschiedenen Viskositätsklassen (siehe Kasten rechts) nach unterschiedli-
chen Spezifikationen, die als Buchstabenkombinationen auf den Ölbehältern stehen müssen. API: Das American Petrol Institute klassifiziert Motoröle nach Buchstabenkombinationen. So steht ein »S« an erster Stelle für Ottomotoren. Der zweite Buchstabe gibt den Leistungsstandard an. Ab 1980 »F«, ab 1988 »G«, ab 1993 »H«, ab 1996 »J« und ab 2001 »L«. Welcher Leistungsstandard mindestens benötigt wird, steht im Fahrzeughandbuch. ACEA: Die Association des Constructeurs Européens d’Automobiles, die Vereinigung der europäischen Automobilhersteller, ersetzt mit eigenen Richtlinien seit 1996 die zuvor gültige CCMC-Spezifikation. Bei der ACEA beschreiben die Ziffern A1 bis A3 Öle für Ottomotoren. A3 entspricht der höchsten Qualitätsstufe. JASO: Die Japan Automobile Standards Organization legt aufbauend auf den Anforderungen des API wei-
tere Eigenschaften für Motorenöle fest und steht seit 1999 für die weltweit wichtigste Klassifikation für Viertakt-Motorradöle.
So viel zur Theorie – in der Praxis gelten folgende Regeln für den Umgang mit Motoröl:
L Regelmäßig den Ölstand kontrollieren.
L Vorsichtiges Warmfahren auf den ersten Kilometern verringert den Verschleiß und erhöht die Lebensdauer.
L Ausschließlich Öl mit der vom Hersteller vorgegebenen Viskosität und Spezifikation verwenden.
L Nur spezielles Motorradöl verwenden, das sich für die im Vergleich zum Auto hochdrehenden Motoren sowie die hohen Scherkräfte zwischen den Getrieberädern eignet.
L Ölfilter grundsätzlich mitwechseln, da er verstopfen und den Ölkreislauf behindern kann.
L Um Schmier- und Startverhalten zu verbessern, im Winter Öle mit höherer Viskositätsspanne verwenden.
Weitere Informationen, eine Übersicht über alle wichtigen Schmierstoff-Anbie-
ter sowie Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Thema Öl finden sich auf den folgenden Seiten.

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