Beratung: Spiegel (Archivversion) Rücksichts-Los

Mit den serienmäßigen Spiegeln zu leben ist oft ein hartes Los - keine Rücksicht. Der Zubehörhandel hilft weiter.

Wie genau sieht es aus, wenn eine Mücke bei Tempo 100 am Arm zerschellt? Haben die zwei Wochen Training im Body-Building-Studio schon was gebracht? Viele Serienspiegel bieten die besten Voraussetzungen, solch tiefgreifende Untersuchungen während der Fahrt vornehmen zu können. Doch um den rückwärtigen Verkehr im Auge zu behalten, taugen sie leider weniger. Scheinbar gibt es bei den Motorrad-Herstellern immer wieder brutale Designer, die die Entwicklungs-Ingenieure einfach unterjochen. Konsequenz: Der Motorradfahrer muß selbst Hand anlegen, die Spiegel müssen weiter nach außen.Bei Verkleidungsspiegeln rettet sich der Edelbastler mit selbstgebauten Distanzstücken aus der engsichtigen Situation, eher häusliche Naturen montieren Türstopper aus Gummi unter die Spiegelgehäuse, und wer gar keine Ideen hat, bedient sich eben aus dem Zubehörhandel.Auch bei lenkerfesten Spiegeln gibt es etliche Verbesserungsmöglichkeiten. Die teuerste, aber meist beste Variante ist, Serien-Spiegel mit längeren Armen eines anderen Modells zu montieren. Wichtig zu wissen, wenn es ein Spiegel eines Fremdfabrikats sein soll: BMW setzt auf Acht-Millimeter-Gewinde, die Japaner schwören unisono auf Zehner: Extrawurst Yamaha verwendet zwar links ein Rechts- und rechts ein Linksgewinde, doch zur Anpassung an die gewohnte Einschraubrichtung gibt es Adapter (sie Bild unten rechts, Seite 164).Billiger wird’s, wenn man sich im Zubehörhandel bedient, die Auswahl an Nachrüstspiegeln mit verschieden langen Armen oder sonstigen kleinen Hilfsmitteln wie Verlängerungen und Vibrationsdämpfern ist mittlerweile recht groß, außerdem sind hier etliche Möglichkeiten zur Beseitigung des toten Winkels im Angebot.Natürlich aber, wie sollte es auch anders sein, gibt es für Rückspiegel ganze Regelwerke, die deutsche Straßenverkehrs-Zulassungsordnung (StVZO) ist hier noch das harmloseste. Die wichtigsten Auszüge: Bei Motorrädern ab Erstzulassung 1. Januar 1990 sind zwei Spiegel vorgeschrieben, vorher genügte noch einer links. Die Spiegel müssen einstellbar sein, dürfen keine verletzungsgefährdenden Kanten aufweisen (die »Malteserkreuze« sind also tabu) und die spiegelnde Fläche darf 60 Quadratzentimeter nicht unterschreiten. Eine Bauartgenehmigungspflicht besteht nicht, das heißt, der Spiegel muß kein Prüfzeichen tragen.Anders bei den parallel geltenden ECE- und EWG- Prüfvorschriften, denn hier trägt der Spiegel ein Prüfzeichen. Die Eckdaten: Nach ECE R 81 muß der Spiegel auf 69 Quadratzentimeter reflektieren, wobei runde Spiegel einen Durchmesser zwischen 94 und 150 Millimeter haben dürfen. In nicht runde Spiegel muß sich ein Kreis von 78 Millimeter Durchmesser einlegen lassen, andererseits darf er die Außenmaße 120 x 200 Millimeter nicht überschreiten. Noch so einen? Nach EWG-Richtlinie 80/780 dürfen runde Spiegel einen Durchmesser zwischen 100 und 150 Millimeter haben und in nicht runde Spiegel muß sowohl ein 100-Millimeter-Kreis als auch ein Quadrat mit 150 Millimeter Kantenlänge passen.Wer also auf einen Spiegel mit Prüfzeichen etwas draufklebt, tut was Verbotenes? Im Prinzip jein. Drücken wir es durch die Blume so aus: Im Bußgeldkatalog ist unter »Fehlender oder unbrauchbarer Rückspiegel« ein Verwarnungsgeld von zehn Mark aufgeführt. Und trotz aller technischen Möglichkeiten, die Rücksicht zu verbessern: Sich vor dem Ausscheren kurz umzudrehen hat sicher noch niemandem geschadet.

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