Beratung: Umbau von Rädern und Felgen (Archivversion) Kreislaufmittel

Breite 200er Walzen auf dem Hinterrad bringen so manches Biker-Herz in Wallung. Aber mit dem breiten Reifen ist es nicht getan, die passende Felge muß her. Und auch sonst gibt es beim Umbau einiges zu beachten.

Wer das Design seines Großserien-Bikes verändern möchte oder danach strebt, die Technik seiner Maschine weiter zu optimieren, der findet in der Zubehörbranche reichlich Auswahl seine Wünsche in die Realität umzusetzen. So auch bei diversen Zubehör-Felgenherstellern. Bei der Umrüstung auf neue Räder stehen in der Regel ästhetische Aspekte im Vordergrund. Doch bei älteren Maschinen ist es auch aus technischer Sicht durchaus sinnvoll, auf breitere Felgen umzurüsten. Auf diese passen dann moderne Niederquerschnittsreifen, die im Gegensatz zu den alten, schmalbrüstigen Konstruktionen mehr Grip bei höherer Lebensdauer bieten. Allerdings sollte der gewählte Reifen zur Felgenbreite passen, um seine Vorzüge optimal ausspielen zu können (beispielsweise gilt für einen 160/60-17-Reifen die Normfelge 4,50 Zoll, zulässig sind aber Felgengrößen von 4,25 bis 5,50 Zoll). Hinweise geben hier die Handbücher der Reifenhersteller.Aber auch für die teilweise ultraleichten Zubehör-Räder für moderne Bikes sprechen nicht nur ästhetische Gründe, sondern sie können auch maßgeblich das Fahrverhalten eines Motorrads beeinflussen. Sie helfen beim Abspecken übergewichtiger Sportler und tragen aufgrund ihres geringeren Massenträgheitsmoments und der geringeren Kreiselkräfte erheblich dazu bei, ein Motorrad handlicher zu machen. Die Kräfte zum Umlegen in Schräglage werden geringer, das Einlenken in Kurven fällt auch bei hohen Geschwindigkeiten leichter. Zuvor kräftezehrende Wechselkurven gehen plötzlich beinahe spielerisch von der Hand. Zusätzlich können die reduzierten ungefederten Massen den Fahrkomfort verbessern, da die Dämpfung der Federelemente zurückgenommen werden kann und somit deren Ansprechverhalten sensibler wird.Liebhaber klassisch anmutender Drahtspeichenräder müssen nicht ganze Räder tauschen, sie können breitere Felgen aus Aluminium (zur leichteren Pflege am besten eloxiert) oder Stahl einspeichen lassen. Auch gußfelgenbestückte Maschinen lassen sich mittels spezieller CNC-gefräster Naben auf Speichenräder umrüsten. Die bei Speichenräder meist nötige Verwendung eines Schlauchs ist nach Rücksprache mit dem entsprechenden Reifenhersteller möglich. Es geht aber auch ohne: Felgen mit abgedichteten Nippeln (WiWo) oder an einem Innenring eingehängte Speichen (Fischer) machen die Verwendung von Schlauchlosreifen möglich. Extrem breite Felgen können aber auch Probleme bereiten, da die Belastung der Speichen durch außermittig ansetzende Kräfte wächst. Hier ist der Profi in der Radspannerei der richtige Ansprechpartner. Neben sämtlichen Service- und Reparaturarbeiten an Speichenrädern sind diese Fachbetriebe auch in der Lage, in vorhandene Drahtspeichenräder Felgen mit anderen Dimensionen, sei es Breite oder Durchmesser, einzuspeichen. Von Selbstversuchen beim Einspeichen sollte allerdings unbedingt abgesehen werden, da selbst der geringste Fehler beim Aufbau eines Speichenrads im Fahrbetrieb fatale Folgen haben kann.Bei Gußfelgen ist sowohl in der Erstausrüstung wie auch im Nachrüstbereich Aluminium der übliche Werkstoff. Einige Felgen-Hersteller arbeiten auch an Freigaben für die rund 45 Prozent leichteren Magnesium-Gußräder. Der Nachteil von Magnesium ist das Korrosionsverhalten und die Sprödigkeit. Bei diesen Felgen kann es jahrelang keine Probleme geben, und dann explodieren sie urplötzlich. Daher müssen sie regelmäßig auf Ansätze von Rißbildung geröntgt werden. Für den Alltag sind Magnesiumfelgen nicht zu empfehlen.Die meisten Gestaltungsmöglichkeiten bieten die sogenannten Verbundfelgen. Aufgebaut aus miteinander verschraubten Elementen, können hier verschiedene Werkstoffe wie Aluminium, Magnesium und Kevlar/Kohlefaser miteinander kombiniert werden. Daß diese Räder dabei gelegentlich schwerer ausfallen als ein Serienrad, muß dabei in Kauf genommen werden. Ein entscheidender Vorteil dieser Radkonstruktion ist, daß sich im Bedarfsfall einzelne Komponenten ersetzen oder austauschen lassen.Wer es besonders exklusiv liebt und beim Gewicht keine Kompromisse eingehen möchte, der kann mittlerweile sogar zu Felgen aus dem High-Tech-Werkstoff Kohlefaser (rund 60 Prozent leichter als Alu-Gußräder) greifen. An der TÜV-Freigabe für diese Räder wird bei Phönix und PVM derzeit gearbeitet. Zum Teil verwenden die Hersteller für mehrere Motorradtypen die gleichen Felgen. Die Anpassung erfolgt über fahrzeugspezifische Adapter für Bremsscheiben, Kette oder Kardanantrieb und den Ruckdämpfer, auf den nicht verzichtet werden sollte. Wer am liebsten seine Serienfelgen behalten möchte, auf ein paar Zoll mehr Breite aber nicht verzichten will, der kann die Originalteile bei entsprechenden Spezialisten für rund 900 Mark mit dem Segen des TÜV auf das gewünschte Maß umschweißen lassen.Bei all der Breitenwirkung sollte man aber das richtige Maß nicht aus den Augen verlieren. Nicht alles, was technisch machbar ist, ist auch wirklich sinnvoll. Gerade in puncto Fahrbarkeit tut ein bißchen Selbstbeschränkung oft gut (siehe Kaste Seite 145). So bleibt als Resümee: Selbst aufwendigste Umbauarbeiten unter Verwendung edelster Teile können einem Klassiker nicht die Fahrwerksqualitäten eines modernen Motorrads anerziehen, und auch moderne Fahrwerke reagieren eher nachteilig auf zu breite Reifen. Ihr Wert als Blickfang ist dagegen unbestritten.

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