Blianz: Die AUK geht in ihr zweites Jahr (Archivversion) Alles unbedenklich?

Seit April 2006 werden auch die Abgase bei Motorrädern kontrolliert. Zwei Vertreter von TÜV und Dekra nehmen im Gespräch mit MOTORRAD Stellung zu Prüfverfahren und einer möglichen Verschärfung der AUK.

Die Abgasuntersuchung Krad (AUK) geht 2007 in ihr zweites Jahr: Hatten die Prüfer mit wütenden Bikern zu kämpfen, oder lief alles glatt?
Eggers: Die Resonanz der Motorradfahrer war in der überwiegenden Mehrzahl positiv und verständnisvoll. Die meisten Kunden wussten gut Bescheid und hatten ihre Motorräder richtig eingestellt und vorbereitet.
Grob geschätzt: Wie viele Motorräder sind bislang auf ihr Abgasverhalten untersucht worden?
Ost: Nach den Zulassungszahlen müssten pro Jahr etwas mehr als 1,5 Millionen Fahrzeuge geprüft werden. Da viele Motorradfahrer aufgrund der AUK die Hauptuntersuchung vorgezogen haben, gehen wir davon aus, dass seit April 2006 bundesweit ungefähr 900000 Fahrzeuge untersucht wurden.
Gibt es schon einen Trend, der aussagt, wie viele Motorräder die Abgashürde nicht geschafft haben?
Eggers: Nach unseren Auswertungen hatten 6,8 Prozent Probleme beim Abgasverhalten. 5,5 Prozent wiesen dabei Mängel an abgasrelevanten Bauteilen wie Auspuff, Luftfilter oder Vergaser auf, die bereits bei der Sicht- und Funktionsprüfung festgestellt wurden. Die übrigen 1,3 Prozent hatten einen zu hohen CO-Wert. Die Probleme resultierten nach unseren bisherigen Erkenntnissen aus schlechter Wartung und mangelhafter Pflege.
Hersteller können eigene Grenzwerte vorgeben, die über den gesetzlich empfohlenen liegen. Ergibt die AUK so tatsächlich Sinn?
Ost: Grundsätzlich ist es notwendig und sinnvoll, dass die Motorradhersteller diese Möglichkeit haben. Je nach Motorkonstruktion, Gemischbildung, Gemischregelung oder Kühlung kann es bei älteren Motorrad-Typen tatsächlich technisch notwendig sein, in gewissem Rahmen und bei einzelnen Typen von den gesetzlichen Vorgabewerten abzuweichen.
Eggers: Nicht zielführend ist es
jedoch, wenn Hersteller für ihre gesamte Modellpalette die vorgegebenen Grenzwerte pauschal heraufsetzen, zum Teil um ein Vielfaches. Offensichtlich soll hiermit erreicht werden, dass Motorräder dieser Hersteller auf jeden Fall die AUK bestehen, auch wenn sie schlecht gewartet oder verschlissen sind.
Wie könnte sich die AUK in den
kommenden Jahren entwickeln: schärfere Grenzwerte, mehr Messfelder...?
Eggers: Die derzeitige AUK ist ein sinnvoller Einstieg. Allerdings sollte der gesetzlich vorgegebene CO-Grenzwert von Herstellern oder Importeuren nur mit besonderer Begründung heraufgesetzt werden dürfen. Hier ist der Gesetzgeber gefragt.
Ost: Aus unserer Sicht müssten neben der Grenzwert-Problematik die Messbedingungen, das Messverfahren und die Dokumentation verbessert werden. Nach den ersten Erfahrungen zeichnet sich ab, dass eine Lambda-Messung (Luft-Kraftstoff-Gemisch) oder CO2-Messung unter der Berücksichtigung von eventuell vorhandenen Sekundärluftsystemen sinnvoll wäre. Die Grenzwerte werden, wenn überhaupt, sicher nur sehr moderat und nur für moderne Fahrzeuge verschärft.

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