Bücher, neue: Rezensionen (Archivversion)

6. Max FrischMontaukWoran die Marketingler von BMW wohl dachten, als sie ihre neueste Cruiser-Variation Montauk tauften? An das Örtchen Montauk auf Long Island? Das gewiss. Und an die gleichnamige Erzählung des Schweizer Autors Max Frisch? Auch das mag sein. Weil Frisch in diesem Buch sich selbst inszeniert. Den erfolgreichen Autor jenseits seiner besten Jahre, der auf Jugend, Ehe, Liebschaften zurückblickt. Und seine vermutlich letzte Liaison mit einer jungen Dame meist nur in vollen Zügen – Frisch war Pfeifenraucher – genießt. Der nach eben nicht vollbrachter Liebesnacht, ganz Kavalier der alten Schule, mitfühlend »hofft, nicht geschnarcht zu haben«. Je tiefer der Leser in dieses biographische Gespinst eindringt, desto mehr erhärtet sich der Verdacht: Ja, das ist das Buch zum Bike, das muss es sein. Frisch gesteht sich und dem Leser ein, dass er langweilig sei, bekennt: »Ich lebe stets in Unkenntnis der Lage«, erkennt: »Ich bin kein Reicher, sondern neureich.« Selbstkritisch, bescheiden, feinfühlig, intim – so ist dieses Buch. Vielleicht hatten die Marketing-Strategen also doch nur Long Island im Kopf, als sie die Montauk Montauk tauften. nso207 Seiten, Suhrkamp Taschenbuch, ISBN 3-518-37200-9, 8 Euro

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