Bücher, neue: Rezensionen (Archivversion)

Der Bücherwurm

1. Frank KloseMotorradparadies AlpenländerErneut stößt der Bruckmann Verlag in die Trendnische sportlicher Naturentdeckung vor. Sonst eher durch Wander- und Kletterführer auf dem alpinen Buchmarkt bekannt, sollen diese 14 Routenvorschläge aus fünf Ländern nun die hauseigene Motorradreihe bereichern. Leider mit mäßigem Erfolg. Weder bild- noch textseitig erreicht der üppige Band das für immerhin 39 Euro zu erwartende Niveau. Die Fotos sind mit wenigen Ausnahmen flach und beliebig, die Texte plätschern lapidar und deutlich von Touristikmanagern geprägt dahin, die Infoseiten wirken aufgebläht. Eine halbe Seite über die Kärnten-Card und zu jeder Story die stets gleichen allgemeinen Angaben und Autoreisezuginfos lesen zu müssen macht misstrauisch. Zumal es der Kunde nicht gleich merkt. Schade! Für Geschenkideen besser anderswo umschauen. ajo192 Seiten, Bruckmann Verlag, ISBN 3-7654-3996-7, 39 Euro
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2. Ralph »Sonny« BargerDead In Five HeartbeatsKein Jahr mehr ohne ein neues Buch von Hell’s-Angels-Legende Sonny Barger. Heuer hat er sich an einem Roman versucht. Einer Räuberpistole, die, natürlich, im Biker-Milieu spielt. Da wird, versteht sich, ordentlich Harley gefahren, rivalisierende Clubs hauen sich eins über die Rübe, ein paar Members dealen Stoff, üble Subjekte kollaborieren mit den Bullen, und ein bisschen massakriert wird auch. Aber am Schluss wendet sich nach diversen Katastrophen (fast) alles wieder zum Guten. Denn siehe da, es gibt sie noch, die gute alte Biker-Ehre. Dieses Buch einen Schundroman zu nennen, wäre so falsch nicht. Wobei »Schundroman« nicht negativ verstanden werden darf. Eher schon als Genrebezeichung für leicht goutierbares Lesegut mit apartem Hautgout. Barger hat diesbezüglich herrlich ernst gemeinten Quatsch zu den allseits beliebten Themen Gewalt, Sex und Motorräder zu bieten. Köstlich die Probefahrt auf der V-Rod, trendsetzend die Ducati fahrenden Jungrocker mit den japanischen Namen. Und das alles in einem prächtig simplen Stil von mitunter grandios unfreiwilligem Humor. Aber letztlich macht gerade dieses irrwitzige Changieren zwischen Klischee, Pathos und Nonsens den Reiz dieses gewalttätigen Buches aus. nso319 Seiten, Europa Verlag, ISBN 3-203-75538-6, 19,90 Euro

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3. Phoebe MüllerRudelIn Kurts Leben steht nicht alles zum Besten. Früher, als Bettnässer, badete er in Urin, heute badet er in Depressionen und lässt sich von einem inhaltlosen Leben piesacken. So sehr – das sagt der Klappentext – ist er auf der Suche nach Sinn, »dass er sich auf alles und jeden einlässt«. Schwadroniert mit eingebildeten Literaten, kotzt mit besoffenen Pennern und, man beachte die Dramaturgie, gerät an eine Gruppe Motorradfahrer, pardon, ein Rudel Biker. Weil Kurt (mit einem Tampon in der Hand) in der Telefonzelle steht, die sie benutzen wollen, verkloppen sie ihn erst mal tüchtig. Aua. Nicht weniger schmerzt die Lektüre des von konstruierten Vergleichen und Klischees strotzenden Romantexts, der hält, was das Cover verspricht. Darauf im Vordergrund: eine zum Chopper vergewaltigte Triumph Bonneville. Mit Gussrädern. Aber es gibt wohl Menschen, denen selbst das gefällt. mor220 Seiten, Konkursbuch Verlag, ISBN 3-88769-319-1, 14,90 Euro

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4. Bruno BlumGeschichten einer WeltreiseApril 2001. Auf einer fast neuen Yamaha TT 600, bepackt mit allen möglichen und unmöglichen Dingen, macht sich Bruno Blum auf den Weg nach Osten. Der Schweizer fährt 20 Monate lang und 60000 Kilometer weit durch Russland, Kasachstan, Usbekistan, Kirgisistan, Sibirien, Japan, die USA sowie Kanada, kehrt in seine Heimat zurück – und verfasst ein symphatisches Buch über das, was er unterwegs erlebt und erlitten hat. Die großartige russische und zentralasiatische Gastfreundschaft lässt ihn tage- und wochenlang Bürokratie-Terror und Polizeiwillkür ertragen, in Japan angelangt, fühlt er sich wie auf einem fremden Planeten, und in Kanada lernt er »gegrillte Schoggibananen« kennen. Warum es ihn in die Welt hinaustreibt? Ungebunden und weit weg von daheim würde er sich eben ungemein lebendig fühlen, frei von Verpflichtungen und Zwängen. msc112 Seiten, Schüpfheim AG, ISBN 3-90782-20-3, 20 Euro

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5. Darwin Holmstrom (Hrsg.)Das H-D-Jahrhundert100 Jahre und kein Ende. Kein Ende auch mit der Bücherflut, die anlässlich des Harley-Davidson-Jubiläums gegen die Fangemeinde anbrandet. Dieser Prachtschinken indes ragt heraus. Positiv, weil alle Modelle der Harley-Historie brillant ins Bild gesetzt werden. Negativ, weil das nicht reicht, weil das langweilt auf die Dauer, vor allem wenn die Autoren sich der Gegenwart nähern. Irgendwie präsentiert dieses Buch die Company wie eine sorgsam mumifizierte Leiche, die nunmehr zur Sektion freigegeben wird. Was Harley zu einer besonderen Marke macht, die Szene, das ganze Drumherum, fällt zwar nicht zur Gänze unter den Tisch, aber die Brösel, die der Leser aufsammeln darf, sind eindeutig zu klein geraten. Ausnahme: ein Auszug aus Hunter S. Thompsons Hell’s-Angels-Buch, das nie auf Deutsch veröffentlicht wurde, weil die hiesigen Engel das zu verhindern wussten. Wer sich allerdings hauptsächlich für Modellgeschichte interessiert, wird von der kompetenten Autorenschar bestens informiert. nso384 Seiten, Delius Klasing, ISBN 3-89595-192-7, 49,90 Euro

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6. Max FrischMontaukWoran die Marketingler von BMW wohl dachten, als sie ihre neueste Cruiser-Variation Montauk tauften? An das Örtchen Montauk auf Long Island? Das gewiss. Und an die gleichnamige Erzählung des Schweizer Autors Max Frisch? Auch das mag sein. Weil Frisch in diesem Buch sich selbst inszeniert. Den erfolgreichen Autor jenseits seiner besten Jahre, der auf Jugend, Ehe, Liebschaften zurückblickt. Und seine vermutlich letzte Liaison mit einer jungen Dame meist nur in vollen Zügen – Frisch war Pfeifenraucher – genießt. Der nach eben nicht vollbrachter Liebesnacht, ganz Kavalier der alten Schule, mitfühlend »hofft, nicht geschnarcht zu haben«. Je tiefer der Leser in dieses biographische Gespinst eindringt, desto mehr erhärtet sich der Verdacht: Ja, das ist das Buch zum Bike, das muss es sein. Frisch gesteht sich und dem Leser ein, dass er langweilig sei, bekennt: »Ich lebe stets in Unkenntnis der Lage«, erkennt: »Ich bin kein Reicher, sondern neureich.« Selbstkritisch, bescheiden, feinfühlig, intim – so ist dieses Buch. Vielleicht hatten die Marketing-Strategen also doch nur Long Island im Kopf, als sie die Montauk Montauk tauften. nso207 Seiten, Suhrkamp Taschenbuch, ISBN 3-518-37200-9, 8 Euro

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Unterwegs-Leser kennen die fantastischen Aufnahmen von Jo Deleker. Jetzt hat er drei großformatige Kalender herausgebracht. Zwar ohne Motorradaufnahmen, dafür mit einzigartigen Bildern aus Alaska, Südamerika und Schottland. Für je 26,95 Euro im Buchhandel oder beim Linnemann-Verlag, www.linnemann-verlag.com

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Mitunter kommen Hollywood-Knaller schneller vom Kino ins Wohnzimmer als Schauspieler in den Gouverneurs-palast. So geschehen mit »Terminator 3«, dem Action-Hammer mit Arnold Schwarzenegger, der jetzt als DVD erschienen ist. Die gibt’s nicht zu gewinnen, sondern einen exklusiven Terminator-Helm, der so nur drei Mal existiert. Ausgelost wird er unter allen, die folgende drei Fragen richtig beantworten und die Lösung bis spätestens 19. Dezember 2003 an folgende Adresse schicken: MOTORRAD, Stichwort: Terminator, Leuschnerstraße 1, 70174 Stuttgart.

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