Chopper-Bremsen im Test (Archivversion) Schwerer Eingriff

Die Chopper-Welle ist nicht zu bremsen - und mancher Chopper leider nur mit teuren Bremsanlagen aus dem Rennsport.

Um zentnerweise verchromten Stahl und blinkendes Aluminium der Suzuki VS 1400 zum Stehen zu bringen, bedarf es mehr als einer mickrigen Scheibenbremse im Vesperteller-Format. Bereits schon einmal versuchte MOTORRAD, der haltlosen Misere mit Nachrüstanlagen beizukommen (siehe Heft 24/1996). Leider verzogen sich die Stahlbremsscheiben unter dem kraftvollen Biß der Metisse- und Performance Machine-Bremszangen irreparabel. Versuch Nummer zwei geht deshalb mit Rennsport-erprobtem und TÜV-geprüftem Material über die Bühne. Von PVM gefertig und durch Suzuki-Händler Jürgen Menne (Telefon 06436/2121, Preis zirka 1700 Mark) vertrieben, versucht die Sechskolbenzange in Verbindung mit einer schwimmend gelagerten 320-Millimeter-Gußscheibe, der dickleibigen Suzuki Herr zu werden. Mit Erfolg: klarer Druckpunkt, satte Wirkung und selbst glühend heiß gefahren eine nahezu konstante Bremswirkung. Einzige Kritikpunkte: Ausgerechnet an der Blockiergrenze des Reifens legt der Sechskolben-Beißer progressiv an Bremsleistung zu, das Vorderrad neigt dabei schnell zum Überbremsen; Zudem ärgert die PVM-Anlage mit einem lauten, scharrenden Bremsqietschen bei niedrigen Geschwindigkeiten. Auch die Spiegler-Achtkolben-Bremszange (Telefon 0761/61101-0, Preis 2099 Mark) verschafft sich durch leichtes Krächzen Gehör und läßt außerdem bei Überhitzung in der Bremswirkung spürbar nach und verlangt nach erhöhter Handkraft. Doch beide Gußscheiben bleiben trotz knackender Überhitzung von Schäden oder Deformierungen verschont. Der Vorteil der Spiegler-Anlage: Die Bremskraft steigt über den gesamten Bereich linear an und ist unter allen Umständen sicher und fein zu dosieren. Allerdings sind beide Bremsanlagen erst nach einem behutsamen Einfahrenzyklus gut dosierbar. Beide Gußscheiben setzten auf der Bremsfläche in feuchten Nächten oder bei Regen Flugrost an. Nicht schön, aber in Anbetracht der Tatsache, daß sie das Suzuki-Dickschiff aus allen Lagen sicher verankern, verschmerzlich.Sauber gefräste, paßgenaue Adapter, einwandfreie Flucht der Bremszangen mit den Scheiben, das Ganze durch hochdruckfeste, stahlummantelte Bremsleitungen garniert, bescherte die Montage der beiden Bremsanlagen keinerlei Ärger. Die Umbau-Kits der beiden Hersteller sind auch für andere Chopper-Modelle mit Bremsproblemen erhältlich.

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