Der Tüftler: zu Besuch bei Sepp Bruckschlögl

Die Sache entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Da tauchen plötzlich BMW-Ingenieure aus der Motorradentwicklung in einer kleinen Industriehalle in Schrobenhausen bei Augsburg auf und wollen Leistung. Leistung, die
für ihr Bike nach Werksvorgabe auf dem Papier zwar vorhanden, auf dem Prüfstand aber nicht nachzuweisen ist. Dann muss Sepp Bruckschlögl ran. Seit 1997 mischt er mit seiner Firma SR-Racing im Abgasführungsgewerbe mit.
Es reicht, um zehn Leute zu beschäftigen und gleichzeitig ein ganzes Entwicklerteam aus dem Motorradbusiness zu verblüffen. Die K 1200-Reihe ist ein Paradebeispiel für Sepps Künste. Nicht selten fehlen dem Vierzylinder in den
R- und S-Modellen über zehn Prozent Leistung. Nach der SR-Kur liegt sie dann bis zu zehn Prozent über der Herstellerangabe. Natürlich straßenzugelassen, entsprechend Euro 3 und innerhalb der Geräuschbestimmungen. Sonst nichts? Sonst nichts, sagt Sepp und zeigt stolz Prüfstandsprotokolle und Homologationsgutachten.
Entscheidender Baustein
für eine perfekte Auspuffanlage, sagt Bruckschlögl, ist das Strömungsverhalten: »Sie muss die Abgase wie ein Staubsauger rausziehen. Nur so geht’s.« Von Eingriffen ins Motormanagement hält er nichts: »Was soll mich die Elektronik kümmern, wenn ich da eh nicht rankomme? Ich glaube nicht, dass jemand das komplette Motormanagement umprogrammieren kann. Und wenn ich nur Teile verändern würde, dann käme ich in Teufels Küche.« Für Bruckschlögl ist und bleibt die Auspuffentwicklung auch in Zukunft eine rein mechanische Angelegenheit.
Aus dem Rennsport hält sich Bruckschlögl
eher raus, die lukrativen Geschäfte in dieser
Sparte sind vorbei. »Vor 2000 hast du noch von
Racing-Anlagen leben können. Mittlerweile
kaufen diese maximal fünf Prozent.« Viel wichtiger für ihn ist das Geschäft mit Oldies und Youngtimern. Als Kleinserien-Hersteller, der 15 Anlagen am Tag baut, kann SR-Racing auch auf spezielle Wünsche eingehen. Für Sepp Bruckschlögl bringt das Tüfteln noch einen entscheidenden Vorteil mit sich: »Wenn man sich intensiv mit der alten Materie beschäftigt, kommt man wieder auf die einfachen Lösungen. Und dieses Denken scheinen einige Konstrukteure verlernt zu haben.“

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote

Alle Artikel