Drei Motorrad-Füller im Top-Test (Archivversion) Schreiben wie fahren

Wie ist das, wenn ein Motorradhersteller als Accessoire Füllfederhalter anbietet? Wird dann geschrieben wie gefahren, oder ist alles anders? Ein Top-Test gibt Aufschluss.

Eine gelochte Motorhalterung. Von allen Teilen der Bi- und Trialbero-Einzylinderrenner von 1956 inspirierte ausgerechnet sie den Designer des Ducati-Füllfederhalters bei der Gestaltung des Halteclips. Seine Mechanik mit Schraubenfeder bietet drei Millimeter Federweg und erlaubt mit etwas Übung das einhändige Einstecken in die Brusttasche eines Hemds. Dort gibt sie dem Füller trotz seiner schweren Kappe
sicheren Halt. Eine stählerne Plakette, die alten Tankemblemen mit stilisiertem Flügel nachempfunden ist, macht diese Kappe endgültig zu einem Schmuckstück. Man sollte sich allerdings nicht durch die auf-
fällige Farbgebung verleiten lassen, den edlen Ducati-Füller für ein indezentes Teil zu halten. Besser ist es, zunächst die mit Leder bezogene und bestickte Schatulle wirken zu lassen und ihn alsbald in die Hand zu nehmen, um seine gediegene Schwere zu spüren.
Verbindungen zwischen Schreibgerät und Motorrädern der Bologneser Marke, Ähnlichkeiten zwischen Schreib- und Fahrgefühl sind unverkennbar. Die straffe Auslegung des Fahrwerks und die anstren-
gende Ergonomie, die den Sport-Classic-
Modellen eigen ist, kennzeichnet auch den ihnen als Accessoire zugedachten Füller. Mit einer harten Stahlfeder, die in Stärke M vergleichsweise dünne Linien zieht, ergibt sich in schnellen Kurven die gleiche unerschütterliche Stabilität und Präzision, welche Ducatis von jeher ausgezeichnet hat. Da schmiert nichts, da knautscht nichts, durch kalligraphische Herausforderungen wie das große »G« oder den maßstäblich verkleinerten Top-Test-Parcours von MOTORRAD führt die Feder souverän. Zumal der Tintenfluss optimal eingestellt ist und selbst in scharf gezogenen Kehren nicht aussetzt. Woran die probehalber getankte, leicht fließende, rubinrote Waterman-Tinte einen großen Anteil hat. Nebenbei passt
ihr Farbton gleichermaßen gut zur gelben Ausführung des Füllers (es gibt ihn auch in Orange) wie zum bekannten Ducati-Rot.
Schwarze oder blauschwarze Tinten, deren Ruß- oder Schellackpartikel die Viskosität gegenüber den helleren Tönen erhöhen, erwiesen sich als heikler. Nicht nur beim Ducati-, sondern auch beim Yamaha-Schreibgerät. Die Verwendung solchen Schreibstoffs bedingt, dass diese Füller täglich bewegt werden, sonst springen sie wegen eingetrockneter Pigmente nur unwillig an. Am ehesten kam der BMW mit dem dunklen Saft zurecht. Als hätte er eine tintenselektive Flussregelung.
Auch sonst beweist der sachlich gestal-
tete BMW-Füllfederhalter hervorragende Alltagstauglichkeit. Als Einziger des Trios mit einer 14-karätigen Weißgoldfeder ausgerüstet, gefällt er mit hohem Schreib-
komfort, gleitet sanft über die Struktur des Büttenpapiers. Mehr noch, der Tintenleiter und die Feder selbst stammen offenbar von der leider eingestellten Noblesse-Serie des renommierten Herstellers Montblanc. Damit entspricht die Ausstattung quasi der einer Yamaha YZF-R1 SP mit edlen Öhlins-Federelementen. Zu einem durchaus fairen Preis von 139 Euro. Ein deutlicher Unterschied zu den Motorrädern, bei denen feine Federelemente satt Aufpreis kosten.
Entsprechend müsste das Pendant zum Yamaha-Set, das neben dem Füller einen Kugelschreiber und ein Etui umfasst, in der mittlerweile nicht mehr gebauten
XJ 600 gesucht werden. Ob jedoch all
diejenigen, die gerne einen preisgünstigen Mittelklasse-Vierzylinder à la Bandit 650 von Yamaha hätten, mit einem Schreibset für 27 Euro zu trösten sind, erscheint zweifelhaft. Immerhin bietet die sehr lang gehaltene Stahlfeder ordentlichen Komfort, und der Tintenleiter schafft es sogar, den erregten Schreibduktus eines Protestbriefs gegen die Yamaha-Modellpolitik achtbar mit Nachschub zu versorgen. Nur in den temperamentvoll aufgestrichenen Bögen eines »h« oder »f« zeigt er bisweilen punktförmige Aussetzer. Dennoch, es ist viel leichter und weit weniger gefährlich, mit diesem Füller schwarze Striche zu ziehen als mit der besagten R1 SP.

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