Grundlagen: Motoröl Basiswissen zum Thema Motoröl

2Räder präsentiert unverzichtbares Basiswissen zum Thema Motoröl.

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Ohne Öl würden Motoren im Nu verschleißen. Nur optimale Schmierung gewährleistet eine lange Haltbarkeit. Welche vielfältigen Aufgaben Öl erfüllen muss, was die Begriffe "Viskosität" und "Spezifikation" bedeuten, woran es liegen kann, wenn der Ölverbrauch steigt, und viele weitere Antworten auf Fragen, die den für Verbrennungsmotoren lebensnotwendigen Schmierstoff betreffen, erhalten Sie hier.

Aufgaben von Motoröl:
Abdichten: Öl muss die Feinabdichtung an kritischen Bauteilen wie Kolbenringen oder an Übergängen von Gehäuse und Antriebswellen gewährleisten.Kräfte übertragen: Beispielsweise bei Ventilsteuerungen, die mit so genannten Hydrostößeln arbeiten, übertragen Öle die dazu benötigten Kräfte.Kühlen: Öle müssen die bei der Verbrennung entstehende Wärme sowie die im Motor und Getriebe durch Reibungsvorgänge entstehende Hitze abführen.Sauberhalten: Abriebelemente (Verschleißteile), Schmutzstoffe und Rückstände, die bei der Verbrennung entstehen, müssen vom Motoröl in der Schwebe gehalten werden, damit es nicht zu ungewollten Ablagerungen im Motor kommt.Schmieren: Öl muss die Reibung der Gleitpartner niedrig halten, dadurch für geringeren Verschleiß sorgen und das sogenannte "Fressen" zweier Reibpartner verhindern.Schützen: Öl verhindert wirkungsvoll Korrosion der empfindlichen Motorinnereien.

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Viskositätsklassen

Viskosität ist der Fachbegriff für die Zähflüssigkeit eines Motoröls, die Einteilung erfolgt in SAE-Klassen (Society of Automotive Engineers). Öl niedriger Viskosität, zum Beispiel 5W, ist dünnflüssig, sein Verformungswiderstand gering. Umgekehrt kennzeichnet hohe Viskosität ein zähflüssiges Öl. Generell werden alle Öle bei hohen Temperaturen dünnflüssiger, bei niedrigen dickflüssiger. Für den Einsatz bei kalter Witterung muss das Öl dünnflüssig sein, damit es beim Start möglichst schnell die Schmierung aufbaut. Für hohe Temperaturen eignen sich zähflüssigere Öle. Um die Schmierung bei verschiedenen Temperaturen zuverlässig aufrechtzuerhalten, werden im Motorradmarkt bis auf ganz wenige Ausnahmen ausschließlich Mehrbereichsöle verwendet. Ihre Viskositätsbezeichnungen geben an, wie sie bei unterschiedlichen Temperaturen reagieren. Ein SAE 5W-50 verhält sich beispielsweise in kaltem Zustand wie ein dünnflüssiges SAE 5W ("W" steht für Winter) und warm wie ein zähflüssiges SAE 50. Das ermöglicht problemloses Anlassen bei Minusgraden und garantiert bei großer Hitze dennoch einen ausreichenden Schmierfilm.

Spezifikationen:
API ist die Abkürzung für "American Petroleum Institute", das Motoröle nach Buchstabenkombinationen klassifiziert. Der erste ist bei Ottomotoren ein S; der zweite, beispielsweise G, H, J oder L, gibt den Leistungsstandard an. Welcher Standard mindestens benötigt wird, steht im Fahrzeughandbuch. Die ACEA-Spezifikation (Association des Constructeurs Européens d'Automobiles) macht Viertakt-Motoröle mit dem Buchstaben A in Verbindung mit aufsteigenden Ziffern (beispielsweise A3) kenntlich. JASO MA (Japan Automobil Standards Organization) steht seit Mitte 1999 für die weltweit einzige Spezifikation speziell für Viertakt-Motorradöle.

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Praxis-Tipps

  • Nur Öl mit der vom Motorradhersteller verwendeten Viskosität verwenden
  • Auf die empfohlene API- beziehungs-weise JASO-MA-Spezifikation achten
  • Unbedingt ein spezielles Motorradöl verwenden, denn dies enthält unverzichtbare Bestandteile, die sich für die scherende Belastung in Getriebe und Kupplung eignen
  • Meist genügt ein gutes Mineralöl. Für einige Sportmotoren sind synthetische Öle vorgeschrieben, die die sehr hohen Belastungen besser verkraften
  • Für die Einfahrzeit, in der ein Motor nicht hart rangenommen werden sollte, fördert Mineralöl den anfangs gewünschten Verschleiß, durch den sich Lagerpaarungen und Zahnräder besser aufeinander einspielen. Das gilt auch für Hochleistungsmotoren, die später synthetisches Öl benötigen
  • Vorgeschriebene Ölwechselintervalle einhalten
  • Beim Ölwechsel auch den Ölfilter tauschen - verstopfte Filter beeinträchtigen den Ölkreislauf
  • Im Winter verbessert Öl mit hoher Viskositätsspanne die Schmierung und das Startverhalten
  • Vorsichtiges Warmfahren auf den ersten Kilometern verringert den Verschleiß der Motorteile und erhöht somit die Lebensdauer
  • Regelmäßig Ölstand kontrollieren
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Fehler und ihre Ursachen

Hoher Ölverbrauch:

  • Zu großes Kolbenringspiel
  • Defekte Ventilschaftdichtungen
  • Verluste durch Kurbelgehäuseentlüftung (eventuell zu hoher Ölstand)
  • Einfahrzeit: Die Bauteile sind noch nicht aufeinander eingelaufen
  • Leckagen (undichte Stellen, beispielsweise an Gehäuseabdichtungen)
  • Kühlsystem defekt, dadurch zu hohe Betriebstemperatur
  • Extreme Betriebsbedingungen (Dauervolllast)


Absinken des Öldrucks:

  • Ölpumpe überfordert oder defekt
  • Motorenverschleiß (zu viel Lagerspiel)
  • Falsch dimensionierte oder verstopfte Ölversorgungskanäle
  • Zu niedrige Leerlaufdrehzahl
  • Öldrucksensor defekt, ungenau oder falsch positioniert
  • Zu hohe Panscharbeit im Motor
  • Kühlsystem defekt
  • Hoher Wasseranteil im Öl, dadurch Dampfblasenbildung und Schaum


Schaumbildung:

  • Zu hoher Ölstand führt zu starker mechanischer Beanspruchung und in der Folge zu Lufteinschlüssen
  • Hoher Wasseranteil im Öl
  • Öl mit schlechtem Luftabscheidevermögen
  • Motoröl stark verschmutzt
  • Zu hohe Kraftstoffverdünnung

Fragen und Antworten

Welche Viskositätsspannen sind für Motorräder sinnvoll?
SAE 10W-40 und SAE 10W-50. Aufgrund höherer Bauteiltoleranzen bei älteren Modellen außerdem SAE 20W-40 und 20W-50.

Lohnt es sich, statt Mineralöl teureres Synthetiköl zu fahren?
Der Verschleißschutz ist grundsätzlich besser, die Motoren leben länger. Der mit synthetischen Leichtlaufölen gesparte Kraftstoff macht die Mehrkosten (laut Ölhersteller) in der Regel mehr als wett.

Was bedeutet es, wenn der neue Schmierstoff bereits kurz nach dem Ölwechsel schwarz wird?
Zum einen zeigt dies, dass das Öl wie gewünscht den Schmutz in der Schwebe hält und Ablagerungen verhindert, zum anderen bleiben beim Ölwechsel immer einige Milliliter Altöl im Motor, das sich mit dem Frischöl vermischt und es sofort dunkelt färbt. Die Farbe allein ist kein Anzeichen für Alterung des Öls.

Können Mineralöle mit synthetischen Ölen gemischt werden?
Ja, alle Motoröle sind untereinander mischbar. Allerdings verändern sich die Leistungseigenschaften des Mischprodukts hin zum qualitativ niederwertigeren Öl, also zum Mineralöl.

Kann bei Ölverlust fernab einer Tankstelle als Notbehelf Olivenöl statt Motoröl nachgefüllt werden?
Nein. Pflanzenöle können nicht eingesetzt werden, da sie sich nicht mit Motoröl mischen lassen. Außerdem erfüllt Olivenöl bei weitem nicht die thermischen und mechanischen Anforderungen.

Sind 0W-Öle für Motorräder sinnvoll?
Nein. Die meisten Fahrzeuge sind aufgrund der Bauteiltoleranzen, speziell in puncto Kurbelwellengrundlager, nicht für extrem dünnflüssige Öle ausgelegt. Hinzu kommt, dass zu dünnflüssige Öle zu Kupplungsrutschen führen können.

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