Grundlagen: Camping Spezial Camping Spezial

Die ganze Zeit draußen? Warum nicht, fragten wir uns bei 2Räder. Und testeten Outdoor-Ausrüstung, die für Motorradfahrer taugt.

Foto: fotolia.com

Motorradfahrer sind seit jeher den Elementen ausgesetzt. Auf dem Bock wehrt man sich der wetterlichen Widrigkeiten mittels Textilanzügen und schnöden Regenkombis. Oder eben gar nicht, weil man ja ohnehin gleich wieder zu Hause im Warmen und Trockenen sitzt und im Hintergrund der Ofen sich um die Zubereitung einer Tiefkühlpizza kümmert. Manche von uns jedoch kriegen vom Draußen-Sein einfach nicht genug und verlegen sogar die Urlaubsreise vom plüschigen Hotelzimmer auf den Schmuddelboden von Mutter Erde. Für die nötige Ausrüstung gilt: Wenn sie in freier Natur nicht funktioniert, ist sie keinen müden Cent wert. Also machten wir von 2Räder uns auf die Suche nach Equipment, das den Ansprüchen von Bikern genügt. Schlafen Sie gut unterm Sternenhimmel - es wird Ihnen gefallen.

Anzeige

Zelte

Zwar schlagen die meisten Camper ihr Lager auf einem dafür vorgesehenen Zeltplatz auf, dennoch lassen sich auch hier Tipps vom Zelten in der Wildnis anwenden – sofern man sich seine Schlafstätte selbst aussuchen darf. Am besten eigenen sich freie, offene Flächen, da sich durch die Windbewegungen wenig Kondenswasser im Zelt bilden kann. Auch wenn es unter Bäumen reizvoll ist, sollte man dort nur bei Trockenheit sein Lager aufschlagen. Nach dem Regen tropft es noch stundenlang, Harz und herabfallende Äste können das (teure) Zelt beschädigen. Bei Steilwänden wegen Steinschlaggefahr ausreichend Abstand halten (etwa zehn Meter). Zuallerletzt, wird noch der Boden geprüft: Er sollte weder sumpfig noch felsig-scharfkantig sein. Ideal ist eine topfebene Fläche, die fest genug ist, um die Heringe sicher zu verankern. Zeigt der Zelteingang dann noch zur windabgewandten Seite, kann man auch bei Regenwetter rausklettern, ohne innen gleich alles zu fluten.

Anzeige

Solo-Zelt, die Erste: Das Nordkap Quick Erect-Mini (59,95 Euro) lässt sich easy aufbauen, hält aber bei viel Regen nicht ganz dicht. Nichts für lange Touren!

Solo-Zelt, die Zweite: windstabil, regendicht und Platz für Helm, Kleidung und Gepäck in der langen Apsis. Beim Salewa Micra II (189,95 Euro) passt alles.

2Räder-Kauftipp

Das Green Hawk von Robens für 299,95 Euro ist perfekt aufgeteilt. Ein Duo findet querliegend ausreichend Platz, zwei Eingänge plus je eine Apsis garantieren hohen Komfort. Packmaß 49 x 18 cm, Gewicht 3,4 kg.

Foto: Archiv

Top Qualität bietet das Exped Venus III DLX Plus. Die Apsiden des clever konstruierten Giebeltunnels sind fast so groß wie die Schlafkammer. Besonders geeignet für Schlechtwettergebiete. Mit 679,90 Euro Kaufpreis leider nicht gerade billig.

2Räder-Kauftipp

Günstig gibt’s das Zelt 6 (44,95 Euro) von Polo. Zwei Bikern bietet es ausreichend Platz, das Gepäck passt gut ins Vorzelt. Gestänge und Plastikboden wirken billig – keine Anschaffung für die Ewigkeit. Für Wenig-Camper eignet sich der Bestseller gut.

Recht flott ist das drei Meter hohe Nordkap Tipi von Louis aufgebaut. Mit 9,5 Kilogramm Gewicht und einem Packmaß von 85 x 30 cm eignet es sich eher für ein Begleitfahrzeug. Dank riesigem Raumangebot taugt es hervorragend für Bikerfestivals. Der Preis von 149,95 Euro ist top!

2Räder-Kauftipp

Schlafsäcke

Schlummern wie bei Muttern will in der Wildnis – und dazu gehören auch Campingplätze – vorbereitet sein. Der beste Schlafsack nützt wenig, wenn er nass ist. Achten Sie deshalb stets auf eine wasserfeste Verpackung. Zur Not helfen hier die großen blauen Müllsäcke aus dem Supermarkt. Im Idealfall stoßen Ihre Zehen gerade noch nicht ans Schlafsack-ende an. Bleiben jedoch mehr als zehn Zentimeter Platz im Fußteil, kaufen Sie besser ein kleineres Modell oder stopfen später den Leerraum mit Kleidung, bis die Länge genau passt. Ähnlich gehen Sie vor, wenn trotz aller Sorgfalt der Zeltplatz noch immer einer Buckelpiste gleicht. Legen Sie Kleidungsstücke und anderes weiches Gepäck an den störenden Stellen unter Ihren Schlafplatz, bis eine möglichst ebene Fläche entsteht. Beim Kauf des Schlafsacks achten Schnellfrierer auf die angegebene Komfortgrenze, Hitzköpfe auf die Limitangabe. Niemals am Extremwert orientieren!

Frostbeulen greifen zum top ausgestatteten Allrounder Snowshoe von Northface (Packmaß 24 x 46 cm; ab 209,95 Euro), der selbst bei Minusgraden angenehm warm hält. Auch ein Tipp für in der Regel deutlich kälteempfindlichere Motorradfahrerinnen.

Dank seiner Polyesterfaser bauscht der Vaude Kiowa 900 (130 Euro) im Gegensatz zu zusammenklumpenden Daunen selbst bei Feuchtigkeit noch ausreichend, sein Komfortbereich endet bei plus zwei Grad. Packmaß (30 x 25 cm) und Gewicht (1350 Gramm) gehen in Ordnung.

2Räder-Kauftipp

Für laue Frühsommernächte (zehn bis 15 Grad) taugt der Super Lite Mini von Motorradausrüster Polo. Gerade einmal 700 Gramm bringt der mit Gänse- und Entenfedern gefüllte Sommerschlafsack auf die Waage. Sein Packmaß von 25 x 14 cm und der Preis von 59,95 Euro machen ihn zum kleinsten und günstigsten im Test.

Isomatten

Weich und Bequem soll die Isomatte sein – keine Frage. Weit wichtiger als der Komfort jedoch ist die Isolation: Bis zu viermal mehr Wärme als über den Schlafsack kann über eine schlechte Unterlage verloren gehen. Selbstaufblasende Matten sind inzwischen Standard, meiden Sie beim Kauf solche mit durchgestanzten Schäumen – sie isolieren kaum. Gewichtsparer kommen an einer festen Isomatte nicht vorbei. Nachteile: sperriges Packmaß und geringer Schlafkomfort.

Mit 59,95 Euro ist die Sleep Diamond Light Plus von Lestra nur halb so teuer wie die Exped-Matte. Auch sie gewährleistet Schlafkomfort auf höchstem Niveau, ihr Packmaß von 56 x 15 cm ist allerdings nicht gerade klein.

Luxus pur bietet die kombinierte Luft-Iso-Matte mit Kunstfaserfüllung von Exped. Die 119,90 Euro teure Synmat 7 DLX Pump glänzt mit hervorragendem Komfort und ausgezeichneter Wärmeleistung. Zu Recht bekommt sie unsere Kauftipp-Empfehlung.

2Räder-Kauftipp

Kochen

Zelten gehen heisst selber kochen. Damit der Gaumenschmaus fernab der heimischen Küche gelingt, gilt es zunächst den richtigen Kocher zu wählen. In West- und Südeuropa und insbesondere in Skandinavien kommt man problemlos an Kartuschen für Gaskocher – meist hat sogar der Laden des Campingplatzes passendes Material.

Das zu finden, gestaltet sich im östlichen Europa und strukturschwachen Regionen deutlich schwieriger. Wer auf einen Spiritusbrenner setzt, ist flexibler. Den nötigen Sprit gibt’s nämlich in fast jedem Supermarkt. Auch beim Kochset kann mit teuren Materialien wie beispielsweise Titan Gewicht gespart werden. Wer auf Antihaftbeschichtung Wert legt, sollte bedenken, dass diese empfindlich ist und mit der Zeit Geschmack annimmt. Unbehandeltes Aluminium ist da wesentlich robuster. Statt teuren Outdoor-Futters für den Notfall, stillt auch Reis gemischt mit Tütensuppe den Hunger. Und das erheblich günstiger.

Kräftig und sparsam zugleich brennt der Gaskocher Eta Pack Lite (109,95 Euro) von Primus. Sein antihaftbeschichteter Topf erleichtert das Kochen, ist allerdings auch kratzempfindlicher als ein herkömmlicher.

2Räder-Kauftipp

Unschlagbar günstig, allerdings auch eher für den Notfall oder Dosengourmets geeignet, ist der handliche Taschenkocher von Esbit für schlanke 7,95 Euro. Das kleine Modell mit 20 Würfeln Brennstoff wiegt gerade mal 180 Gramm und passt sogar in die Brusttasche einer Textiljacke.

Als unkomplizierter Evergreen gilt der Spiritus-Sturmkocher von Trangia. Es dauert zwar ein wenig, bis die Zutaten auf Temperatur sind, dafür ist das Kochgeschirr robust und die Konstruktion stand- wie windfest. Das große Set gibt’s ab 72,95 Euro.

Licht

Damit wird man schnell zum hellen Kopf: Die LED-Stirnlampe Seven von Relags bietet erstklassige Lichtleistung, die außerdem in drei Stufen regelbar ist (eine, drei oder alle sieben LEDs leuchten). Die spar­same und spritzwassergeschützte Erleuchtung für Jedermann gibt es für verhältnismäßig günstige 17,95 Euro.

2Räder-Kauftipp

Unabhängig in der Natur und trotzdem Batterien mitschleppen? Nicht mit der pfiffigen Dynamoleuchte von Louis. Um die drei LEDs für 15 Minuten zum Leuchten zu bringen, genügt es, den eingebauten Akku mittels Kurbeln eine Minute lang zu laden. Gerade mal 9,95 Euro kostet die batterie­unabhängige Beleuchtung.

Klein und hilfreich

Unsere Auswahl an kleinen Helferlein ist selbstverständlich nicht vollständig. Sie soll jedoch einen Überblick verschaffen, welche Art kleinteiliger Ausrüstung für einen Zelturlaub sinnvoll ist. Welches Multitool, Messer oder Besteckset Ihnen dann im Laden vor Ort am meisten zusagt, ist oft Geschmackssache und letztendlich egal – solange Sie sich keinen Ramsch andrehen lassen. Für wenig Geld lässt sich das Nomadenleben noch ordentlich verbessern: Beispielsweise mit einer leichten LED-Laterne, die als Beleuchtung ins Zelt gehängt werden kann. In der Lagerküche macht sich ein kombinierter Streuer mit Einzelfächern für verschiedene Gewürze ebenso gut wie eine ultraleichte Faltflasche für Wein. Und wo hängen Sie Ihre atmungsaktive, schnelltrocknende Funktionswäsche auf? Auf den zehn Metern Wäscheleine, die Sie ebenso selbstverständlich im Gepäck haben wie ein Rolle Panzer-Klebeband für Reparaturen aller Art – selbst am Motorrad.

Ideal für die kleine Wäsche am Morgen ist das Meru Campack Towel (4,95 Euro) von Globetrotter. Angenehm klein (38 x 36 cm) und samt Karabinertäschchen äußerst praktisch.

Gerade mal 7 x 18 cm Packmaß benötigt das ausgebreitet 60 x 120 cm große Mikrofasertuch von Nordisk für 19,95 Euro. Schnelltrocknend und leicht gehört es eigentlich zu jedem Zelturlaub dazu.

Bequem ist genehm, vor allem beim Sitzen. Wer seinem von der Sitzbank malträtierten Bikerhintern Erholung verschaffen möchte, greift zum Trekkingkissen von Nordisk für 9,95 Euro. Der 290 Gramm schwere, selbstaufblasende Komfort-Bringer eignet sich selbstverständlich auch als Kopfkissen.

Themenseiten

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote