Handy und Motorrad (Archivversion)

Von Fall zu Fall

Handys sind auch für Motorradfahrer praktisch: Man ist jederzeit und überall erreichbar – theoretisch. In der Praxis ist die Kommunikation in vielen Fällen nicht unproblematisch.

Viele sehen es als eine moderne Seuche, das Telefonieren per Handy. Ob in der Fußgängerzone, im Auto, auf dem Fußballplatz oder in der Kneipe, überall sind vorwiegend junge Menschen mit dem Telefon am Ohr zu sehen. Schön, daß es da noch Oasen gibt, die von der Telefonitis bislang weitgehend verschont blieben. Doch selbst Kritiker müssen zugeben, daß die mobilen Telefone auch für Motorradfahrer manchmal ganz praktisch sind. Zum Beispiel, wenn der Lehrling in der Werkstatt vergessen hat, die Bremsbeläge einzubauen. Oder wenn man auf der einsamen Hausstrecke mit einer Panne liegenbleibt oder an einer Unfallstelle Hilfe herbeirufen muß. Ebenso, wenn eine ganze Gruppe auf Tour geht. Die Mitglieder können sich dann einfach wieder zusammentelefonieren, falls sie sich aus den Augen verloren haben.Daß der lockere Plausch mit der Freundin während der Fahrt zu sehr ablenkt, leuchtet wohl jedem ein. Im Gegensatz zum Autofahren verlangt Motorradfahren deutlich mehr Konzentration. Was vierrädrigen mobilen Zeitgenossen immer wieder empfohlen wird, ist für Kradfahrer daher ein Muß: Wer angerufen wird, hat anzuhalten – selbst wenn er dank Helm- oder Kopfsprechset (siehe Kasten Seite 121) fahrend kommunizieren könnte. Jemanden während der Fahrt anzurufen, scheitert ohnehin an der Bedienung der kleinen Tasten des Telefons mit Handschuhen.Ein weiteres Problem ist, daß der Motorradfahrer im Gegensatz zum Vierradkollegen unterm Helm wegen der Windgeräusche das Klingeln des Telefons schon bei relativ niedrigen Geschwindigkeiten nicht mehr hört. Von Vorteil sind deshalb integrierte Vibrationsmelder, die dem Motorradfahrer, der das Handy am Körper trägt, durch leichtes Vibrieren signalisieren, daß jemand versucht, ihn anzurufen. Die andere Möglichkeit: Der Biker benutzt ein Kopfsprechset im Helm und hat das Handy so eingestellt, daß es Rufe automatisch annimmt. Dann kann es allerdings passieren, daß das Handy just in dem Moment klingelt, wenn der Zweiradakrobat sich gerade an die Schräglagengrenze tastet.MOTORRAD hat zusammen mit der Fachzeitschrift connect das breite Marktangebot nach geeigneten Geräten für Motorradfahrer durchforstet und unter vier verschiedenen Kriterien die jeweils besonders empfehlenswerten Modelle herausgepickt. Für Zweiradpiloten, die das Mobiltelefon nur für den Fall der Fälle dabei haben wollen, gilt meist: Hauptsache billig. Solche Geräte müssen keinenfalls schlecht sein, zum Telefonieren bei einer Panne oder einem Unfall taugen sie allemal. Weitere Kriterien sind Größe und Gewicht, soll das Handy auch noch in die Innentasche einer Sportkombi passen. Zu den sehr preisgünstigen, troz´tzdem aber kompakten Modellen zählen das Panasonic G 450 und das Nokia 5110. Noch kleiner und flacher , aber teurer sind die Handys der Klasse um 100 Gramm. Sie sind jedoch mit allerlei Zusatzausstattung vollgepackt, sprechen also zugleich Profinutzer an. Wer ein Mobiltelefon für die Urlaubstour sucht, legt auf möglichst ausdauernde Akkus Wert. Ordentlich ausgestattet und sehr preisgünstig sind das AEG 9082 und das Alvatel One Touch Easy, deren Akkuladung eine Woche durchhält. Das teure Nokia 6110 ist ein echtes Profigerät. Ein hervorstechendes Ausstattungsmerkmal ist, daß es auf Wunsch nur bestimmte Anrufer durchklingeln läßt. Seine knapp 180 Stunden Bereitschaftszeit sind zudem rekordverdächtig. Ungewöhnlich ist auch seine Infrarotschnittstelle, die Datenübertragung ohne Kabelsalat zum Laptop ermöglicht. Wer vor solchen High-Tech-Geräten zurückschreckt und statt dessen an guter Bedienbarkeit und verständlicher Benutzerführung interessiert ist, liegt mit Modellen wie dem Siemens E 10D richtig, dessen einfache Bedienung vorbildlich ist.Bei den angegebenen Preisen handelt es sich um empfohlene Verkaufspreise ohne Kartenvertrag. Den muß beim Kauf eines Handys jeder abschließen, der noch kein Mobilfunkkunde ist. Der Händler bekommt vom Netzbetreiber dafür eine Provision, so daß er das Handy 300 bis 500 Mark unter dem eigentlichen Preis anbieten kann. So kommen die Angebote in Anzeigen wie etwa »Handy für 19,95 Mark” zustande.Für welches Modell auch immer man sich entscheidet, MOTORRAD empfiehlt: Biker sollten das Handy während der Fahrt ausschalten und ihre Mailbox aktivieren. Das ist ein Anrufbeantworter, den die Netzbetreiber zur Verfügung stellen. So ist der Zweiradpilot - mit leichter Zeitverzögerung - unterwegs erreichbar, ohne ans Telefon zu müssen. Die Box wird über einen einmaligen Anruf bei einer Service-Nummer eingerichtet. Der Motorradfahrer muß dann nur noch an seinem Telefon über den Menüpunkt »Umleitung wenn nicht erreichbar” den Anrufbeantworter in Betrieb setzen. Liegen Nachrichten vor, meldet es das Telefon entweder per Anruf nach dem nächsten Einschalten oder als Text im Display. Die Art der Benachrichtigung läßt sich über die Nummer der Mailboxabfrage einstellen. Eine sehr praktische Einrichtung für dringende Fälle ist der Kurznachrichtendienst SMS (Short Message Service). Damit lassen sich lassen sich Texte bis zu 160 Zeichen versenden, die das Mobiltelefon im Display anzeigt. Dazu muß vom Festnetz aus eine spezielle Telefonnummer des Netzbetreibers angerufen und der Text mündlich durchgeben werden. Hat der Anrufer selbst ein Handy, kann er Texte auch über die Tastatur eingeben und direkt verschicken. Ein weiterer Vorteil dieser Nachrichtenübermittlung. Sie ist am billigsten. Der Nachteil: Hat der Lehrling aus der Werkstatt tatsächlich bei der Inspektion vergessen, die Bremsbeläge wieder einzubauen, dann käme die Message wohl zu spät.
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Handy und Motorrad: Beratung (Archivversion)

Wer vor allem erreichbar sein will, orientiert sich an den Privattarifen mit niedrigem Grundpreis. Tagsüber sind die Gesprächsgebühren hoch, erst am Abend wird es hier günstig. Wer das Handy beruflich nutzt, ist bei den Geschäftstarifen besser aufgehoben. Höhere Grundgebühren werden durch niedrige Minutenpreise (0,69 bis 0,99 Mark) ausgeglichen. Bei D1 telefoniert man tagsüber zu Anschlüssen in einem bestimmten Ortsnetz stark verbilligt, bei D2 kann man alternativ dort verbilligt telefonieren, wo man sich gerade aufhält. Mit einer Flut an Tarifmodellen umgarnen die Service-Provider die Kunden. Die Tücke liegt im Detail. So definieren nicht nur die Netzbetreiber die Einteilung von Haupt- und Nebenzeit unterschiedlich, auch die Service-Provider gehen hier eigene Wege. Gleiches gilt für den Anschlußpreis, den monatlichen Grundpreis und die Länge der Zeittakte. Auf der Haben-Seite steht dafür die Möglichkeit, während der Motorrad-Tour Servicedienste wie Verkehrsinfo oder Hotelreservierungen zu nutzen.

Schutz fürs Handy (Archivversion)

Wer sein Handy nicht in der Kombi unterbringen will, kann es ins Kartenfach des Tankrucksacks stecken. Zumindest bei geringen Geschwindigkeit hört man dann das Klingeln, und bei Nachtfahrten ist das Display leuchten zu erkennen. Wassergeschützt wird das Telefon dort zum Beispiel durch die 40 Mark teuren Aquapack-Hüllen (Telefon 05722/981050). Die transparenten Taschen ermöglichen auch im strömenden Regen Telefonate, ohne das Handy herauszunehmen.

Alternative Signale (Archivversion)

Neben dem Klingeln gibt es weitere Möglichkeiten, einen Anruf zu signalisieren. Zum Beispiel den »Handy-Flash« der Firma Speed (Telefon: 04121/740637) für 24,90 Mark. Er blinkt bei einem Anruf. Praktisch sind auch Vibrationsmelder, die in einigen Handys serienmäßig eingebaut sind. Werden externe Vibratoren wie der»Vibraflash« (34,90 Mark) von Speed am Körper getragen, melden sie Anrufe auch dann, wenn das Handy im Topcase steckt.

Helm-Einbausets (Archivversion)

1132 Telefonieren während der Fahrt ist gefährlich und daher nicht ratsam. Mancher Motorradfahrer will aber unbedingt erreichbar sein. Oder er möchte im Stand mit aufgesetztem Helm telefonieren. Zu diesem Zweck gibt es Kopfsprechsets, bestehend aus einem Ohrstöpsel und Mikro. Beim Motorola StarTAC 130 gehört ein solches Set bereits zum Lieferumfang. Die Firma Schommer aus Mannheim (Telefon 0621/105200) bietet für Motorradfahrer das 139 Mark teure »Talk & Ride«-Kopfsprechset an. Es besteht aus zwei Ohrstöpseln plus Mikro.MOTORRAD hat beide Möglichkeiten mit einem Nokia 3110 ausprobiert. In beiden Fällen ist etwas Sorgfalt beim Aufsetzen des Helms erforderlich, damit die Ohrstöpsel nicht herausrutschen. Im Stand funktioniert das Telefonieren einwandfrei, auch im Stadtverkehr bis etwa 60 km/h sind Gespräche problemlos möglich. Darüber versteht der Fahrer wegen der lauten Windgeräusche unter dem Helm zunehmend weniger, ebenso der Telefonpartner, der ebenfalls das Rauschen des Fahrtwinds zu hören bekommt. Ab etwa 80 km/h ist dann praktisch Schluß mit der Verständigung. Das größte Problem: Moderne Handys müssen Strom sparen, deshalb ist die Verstärkerleistung aufs Nötigste beschränkt, die übertragenen Töne sind also sehr leise.

Transporttips (Archivversion)

Auf einer 1000-Kilometer-Reise probierte connect-Redakteur und Motorradfan Stefan Zuber aus, ob sich die empfindliche Elektronik von Handy und Motorrad stören. Weder die Einspritzanlage der Suzuki TL 1000 S noch die Funktion dreier Handys zeigten dabei irgendwelche Funktionsstörungen. Auch erwiesen sich die Handys als resistent gegen die starken Magnete desTankrucksacks. Trotzdem sollten Handys nicht direkt auf den Magneten liegen, ein bißchen Respektabstand ist empfehlenswert. Denn zumindest theoretisch könnten auf der Chipkarte gespeicherten Informationen durch die Magnetfelder gelöscht werden. Das gleiche gilt übrigens für alle Arten von Chipkarten, mancher Motorradfahrer hat sich schon über gelöschte Kreditkarten gewundert.Sicherer ist das Handy ohnehin am Körper aufgehoben, dort ist es unter der - hoffentlich wasserdichten - Regenbekleidung gegen Wasser, Stöße und Kälte geschützt. Neben Nässe sind frostige Temperaturen speziell für die empfindlichen Lithium-Ionen-Akkus gefährlich.

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