HJC-Werksreport (Archivversion) Schicke Schalen

Die südkoreanischen Fußballer lederten die deutschen Balltreter jüngst 3:1 ab. Das war überraschend. Noch überraschender ist vielleicht, dass der weltgrößte Helmhersteller ein koreanisches Unternehmen ist. MOTORRAD schaute sich bei HJC um.

Koreanische Industrie-Unternehmen? Da fallen dem Autofan natürlich Daewoo, Hyundai und Kia ein. Der Handy-Nutzer kennt womöglich Samsung und LG. Korea und Motorräder? Hyosung sagt Zweiradexperten etwas, aber darüber
hinaus wird’s mit dem Korea-Wissen schon eng. Was ein grober Fehler sein kann, denn an dem kleinen asiatischen Land wird man in Sachen Konsumgüter bald nicht mehr vorbeikommen.
In der Helmbranche ist Korea bereits seit vielen Jahren eine feste Größe, seit 1971 produziert HJC rund zwei Autostunden südlich der Hauptstadt Seoul steife Hüte und ist mittlerweile der weltgrößte Hersteller von Markenhelmen. HJC steht für »Hong Jin Crown«. Der Techniker Wan Ki Hong gründete das Unternehmen, seine Tochter Jin Hong ist die Namenspatin.
Am koreanischen Stammsitz und in zwei chinesischen Werken fertigen knapp 1000 Mitarbeiter jeden Tag rund 6000 Helme – das macht pro Jahr über zwei Millionen Stück. In den USA ist HJC seit zehn Jahren Marktführer, in Europa ist der Name noch nicht ganz so bekannt. Oder zumindest nur teilweise, denn wenn auf dem Kopfschutz Harley-Davidson, Buell, Yamaha, Thor oder auch Nexo steht, ist meistens HJC drin. HJC produziert jede Menge Hausmarken anderer Anbieter.
Dabei muss niemand befürchten, ein Billigprodukt untergeschoben zu bekommen. MOTORRAD konnte sich bei einem ausführlichen Werksbesuch davon überzeugen, dass sich die Koreaner mit ihrer Entwicklungsabteilung, dem Maschinenpark und den Arbeitsmethoden nicht hinter japanischen oder europäischen Herstellern verstecken müssen. Und wer Sorge hat, es mit einem Hersteller zu tun zu haben, der unter menschenunwürdigen Bedingungen in einem Billiglohnland fertigt, kann ebenfalls beruhigt werden: Der HJC-Facharbeiter bekommt im Monat rund 2000 Euro und gehört damit zu den Spitzenverdienern in der koreanischen Industrie. Korea ist schon lange kein Billiglohnland mehr, aber die Koreaner sind immer noch innovativ, äußerst fleißig, und das Preis-Leistungs-Verhältnis ihrer Produkte stimmt.

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