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Rein mit dem Gummi: 3,5 Stunden liegen die Scheibenwischer in den Reinigern. Simuliert wird so, wie auch Gummiteile am Motorrad oder Helm angegriffen werden.

Insektenentferner und Lackpolituren für's Motorrad im Test Falsche Putzmittel, böse Folgen

Das Motorrad auf Hochglanz bringen? Obacht! Falsche Putzmittel können böse Folgen haben. Zehn Insektenentferner und sechs Lackpolituren müssen im MOTORRAD-Test zeigen, was sie können.

Eigentlich war die Motorradputzorgie noch nie so einfach wie heute. Die Reiniger-Industrie hat in den letzten Jahren mächtig aufgedreht: mischt jedes Jahr aufs neue kraftvolle Universalwaffen ab, die per integrierter Spritzpistole nur noch aufs Motorrad abgefeuert werden müssen. Dann reicht meist eine Espressolänge Wartezeit, abspülen, fertig. Ist es wirklich so simpel? Die Antwort hat durchaus Radio-Eriwan-Format: Im Prinzip ja, aber … Bevor ein neuer Reiniger marktreif ist, rauchen in den Chemielaboren der Hersteller die Köpfe. Etwas wirklich sauber zu bekommen, ist nicht die eigentliche Kunst. Das Geheimnis ist, es auch absolut anwendertauglich – man könnte besser sagen: idiotensicher – hinzubekommen.

Schauen wir uns dazu ein modernes Motorrad an. Für den Chemiker des Vertrauens der blanke Horror: lackierte Bleche, gebürstetes Alu, Karbonteile, verschiedene Gummiarten, diverse Kunststoffe – ob durchgefärbt, klar poliert oder lackiert. Nun könnte sich Mr. Weißkittel den Job ziemlich einfach machen und das Etikett seines Reinigers im Kleingedruckten mit zig Ausschlusshinweisen versehen. Was wäre die Folge? Keiner liest es. Und wenn, wird es trotzdem falsch gemacht. Also gilt für den Hersteller, das Gefahrenpotenzial an Wechselwirkungen so weit wie möglich zu reduzieren. Dazu sollte es selbstverständlich auch umweltverträglich sein – sodass weder Muttis Vorgarten auf mysteriöse Weise eingeht noch die Haut des Putzmeisters plötzlich merkwürdige Flecken zeigt.

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Lesen Sie wirklich das Etikett!

Bevor wir uns mit den getesteten Reinigern und Polituren auf den Folgeseiten ans Werk machen, ein paar Grundsätzlichkeiten zum Thema „Motorrad richtig pflegen“. Oberstes Gebot: LESEN SIE WIRKLICH DAS ETIKETT! Natürlich steht meist ein „universaltauglich“ oder „einfache Anwendung“ in großen Lettern auf dem Gebinde. Trotzdem verrät das Kleingedruckte, dass man die Mixtur weder in der prallen Sonne noch auf heißen Lacken anwenden sollte. Weiterhin finden sich dort auch Angaben zu den Einwirkzeiten. Enthält das Produkt einen hohen Anteil an Lösemitteln, droht die sogenannte Spannungsriss-Korrosion. Besonders anfällig ist Polycarbonat, das zum Beispiel bei Verkleidungsscheiben oder Blinkergläsern zum Einsatz kommt. Wer mit viel (klarem!) Wasser arbeitet, sorgt dafür, dass die aufgetragenen Pflegemittel möglichst rückstandslos wieder abgespült werden. So betrachtet klingt das doch alles ganz einfach, oder?

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Die größten Pflegesünden

Das geht schon wieder weg! Muttis Trost aus Kindertagen mag beim aufgeschlagenen Knie noch funktioniert haben. Wer aber beim Motorrad-Putzdienst pfuscht, riskiert Schrammen und Kratzer, die bis in alle Ewigkeit schmerzen. Das geht bereits bei einer harmlosen Wäsche los: Falsche Bürste oder Schwamm (Stichwort: Glitzi), und schon zieren derbe Kratzer lackierte Flächen, klare Windschilde oder blankes Metall. Bereits für kleines Geld gibt es Waschhandschuhe oder Mikrofaserschwämme (z. B. Nigrin oder Sonax, um 6 Euro), die sich mit der Langflorseite besonders schonend auf lackierten Flächen einsetzen lassen. Ebenso falsch: die „Alles-im-Eimer“-Strategie. Die sieht so aus, dass Wasser, Reiniger und Schwamm immer wieder im selben Eimer landen. Natürlich auch immer mehr der heruntergewaschene Schmutz, der dann wie Schmirgelpapier auf dem Schwamm haftet. Effekt wie oben: Kratzer!

Vorschlag: ein zweiter Eimer mit Klarwasser zum Ausspülen. Bevor es ans Finish geht, sollte man sich wirklich sicher sein, welche Flächen behandelt werden. Vieles, was am Motorrad identisch aussieht, besteht oftmals aus unterschiedlichen Materialien. Zum Beispiel fein glänzende Spiegel- oder Blinkergehäuse – tatsächlich verchromtes Metall oder doch eher verblendeter Kunststoff? Wer sich ohne genaue Prüfung mit einer Metallpolitur ans Werk macht, wird bei Plastik schnell auf Grund gehen! Während sich Wolken oder Schlieren von Polituren auf Lack zwar mühsam wieder herausarbeiten lassen, muss man sich auf durchgefärbten Kunststoffteilen (z. B. Verkleidungskiel, Kotflügel oder Hinterradabdeckung) keine Mühen machen. Diese Flecken bleiben! Weshalb auch gesättigte Poliertücher weder auf Lacken noch Kunststoffen eingesetzt werden sollten (Kratzergefahr bzw. Fleckenbildung).

Abschließend die Frage: Polierwatte, Frottee-Handtuch oder T-Shirt für die Feinarbeit? Weder noch: Beste Ergebnisse lassen sich mit speziell für die Fahrzeugpflege fein strukturierten Mikrofasertüchern oder Poliervlies erzielen (z. B. bei Polo oder Louis zwischen fünf und sieben Euro).

So testet MOTORRAD

Den Ur-Schwaben wird oft nachgesagt, dass sie gerne und penibel putzen. Was möglichweise zur Folge hat, dass vor den Toren Stuttgarts die Reiniger-Profis schlechthin sitzen – die Firma Kärcher aus Winnenden. Im Labor (natürlich DIN/ISO 9001/14 000 zertifiziert) ist Diplom-Chemiker Frank Ritscher Herrscher über diverse Hightech-Gerätschaften, mit denen jedes noch so geheimnisvolle Wundermittelchen in seine (ggf. profanen) Bestandteile zerlegt werden kann. Unbestechlich auch das Verfahren, mittels genau festgelegten Testschmutz-Auftrags die Reinigerleistung oder per Glanzgradmessung den Wirkungsgrad von Polituren zu beurteilen. Zusammen mit unserer Schwesterzeitschrift auto motor und sport wurden alle Testprodukte im Fachhandel und Webshops eingekauft, um sie dann im Labor- und Praxistest auf ihre Wirksamkeit zu untersuchen.

Insektenentferner

Keine Frage – der Fliegenfriedhof, der nach einem Sommertrip die Motorradfront und meist auch den Helm überzieht, sollte schnellstmöglich wieder heruntergeputzt werden. Denn die Mixtur aus Eiweiß und Chitin kann sich in die Klarlackschicht förmlich einbrennen. Natürlich hat jeder erfahrene Motorradfahrer schon mit manchem Haus- oder Geheimmittelchen erfolgreich die Fliegenfront bekämpfen können – mit viel Wasser, genügend Einweichzeit, mit Küchen- oder Handtüchern (keine Zeitung, die hinterlässt meist Flecken!) und ein paar Tropfen Spüli lassen sich meist ansehnliche Ergebnisse erzielen. Auch spezielle Insektenschwämme helfen gegen die Insektenschwemme – allerdings können manche Exemplare unschöne Kratzer hinterlassen.

Was können nun speziell auf die Insektenentfernung abgestimmte Reiniger besser? Im Idealfall lassen sich die verschmutzten Oberflächen leichter säubern, dazu greifen sie weder die unterschiedlichen Oberflächen und Materialien (Lack, Gummi, Polycarbonat) noch die Haut an (z. B. ätzende Wirkung durch einen zu hohen pH-Wert). An letzterem Punkt scheitert übrigens kein Testteilnehmer. Grundsätzlich aber gilt, dass alle Putzmittel nach der vorgeschriebenen Einwirkzeit und Wäsche gründlich mit viel Wasser abgespült werden müssen, um sichtbare Schäden am Material (z. B. Spannungsrisse, Versprödung) zu vermeiden.

Fazit

Wisch & weg? Das klappt mit keinem Mittel zu 100 Prozent. Die beste Wirkung schafft Michelins Insektenentferner, dicht gefolgt vom günstigen Sonax Insektenstar. Das Gel von Dr. Wack lässt sich top auftragen und punktet durch hohe Ergiebigkeit.

Lackpolitur

Kommen wir nach der gründlichen Motorradwäsche zur Kür, der feinen Lackpolitur. Das Angebot dazu ist im Fachhandel oder auf diversen Homeshopping-Kanälen riesig, weshalb wir uns in diesem Test auf die Mittel konzentriert haben, die laut Etikett eine versiegelnde Wirkung haben. Sprich: In einem Arbeitsgang soll der Lack im Auge des Betrachters wieder fein glänzen. Zugleich versprechen diese Zwei-in-eins-Polituren durch z. B. wachsartige Substanzen, dass der Glanz länger hält, Wasser leichter abperlt und neuer Schmutz schlechter haften kann.

Im ersten Arbeitsgang müssen die Polituren zeigen, ob sie überhaupt neuen Glanz vor die Garage zaubern können. Beim Auftrag auf alten, verwitterten Lacken geht es nun ans Eingemachte: 30 Sekunden bearbeiten, dann auspolieren. Grundsätzlich geht es bei dieser Übung um das Glätten des Lacks und Auffüllen kleinster Vertiefungen. Entscheidend ist dabei die Korngröße der in den Mitteln enthaltenen Schleifkörper. Was sagt das geübte Auge nach der ersten Aktion? Alles gleich! Oder doch nicht? Klarer Fall, hier muss ein Glanzgradmessgerät Gewissheit schaffen.

An der Spitze strahlen nun die Mittel von Sonax, Nanoplast und MacBrite. Aber das ist ja noch nicht alles. Entscheidende Frage: Wie lange glänzt der Lack denn nun weiter? Um eine stets gleichbleibende „Belastung“ zu simulieren, markieren wir bestimmte Lackflächen auf einem Auto mit einem Farbstift und versiegeln diese im Anschluss mit der Politur. Dann geht es in die Waschstraße. Hier guckt ein Glanzmeister dumm aus der Wäsche. Bereits nach einem Durchlauf ist die Nanoplast-Markierung weg, MacBrite schafft immerhin zwei Durchgänge mehr. Toll dagegen die Ergebnisse von Sonax, Liqui Moly und Dr. Wack: Erst nach acht Waschladungen hat man die Lackversiegelung geknackt.

Fazit

Glänzen, und das möglichst lange: Im Test meistert Sonax diesen Auftrag am besten. Aber das kostet: Knapp 15 Euro zahlt man für die 500 ml-Flasche. Wer dagegen zu Liqui Moly greift, strahlt auch an der Kasse: tolles Finish zum halben Preis! Knapp dahinter der Doktor aus Ingolstadt: Wack ist ergiebig, aber das teuerste Mittel im Test.

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