Ketten: Beratung und Kettensätze im Dauertest (Archivversion) Rentieren sich teure Kettensätze auf Dauer?

Sechs Kettensätze im Dauertest über 8400 Kilometer

Den Verschleiß verschiedener Ketten im Vergleich zu testen ist eine diffizile Angelegenheit. Zum einen müssen die Testbedingungen realistisch sein. Das geht natürlich am besten auf der Straße. Kein Prüfstand kann die Einflüsse durch Schaltvorgänge, Peitschen infolge Reaktionen der Federung oder etwa Witterungsbedingungen widerspiegeln. Zudem müssen die Bedingungen für alle Testteilnehmer gleich sein, das heißt gleiche Motorräder, gleiche Schmierabstände, gleiche Fahrstrecken, gleiche Fahrweise. Das alles läßt sich nur beim Fahren mit gleichen Maschinen in der Gruppe erledigen, wie es bei den Verschleißfahrten im Rahmen eines Reifentest der Fall ist. MOTORRAD nutzte daher die Gelegenheit, auf 8400 Kilometern neben dem Reifenverschleiß auch der Haltbarkeit von jeweils drei Kettensätzen zweier Hersteller auf den Grund zu gehen. Alle drei Kettensätze haben jeweils die gleichen Ritzel und Kettenräder, daher sind die Bedingungen innerhalb dieses Terzetts vergleichbar. Zwischen den Herstellern unterscheiden sich die Ritzel und Kettenräder jedoch, vergleichende Aussagen über den Kettenverschleiß sind hier nur mit gewissen Einschränkungen möglich, da Ritzel und Kettenrad dabei auch eine Rolle spielen. Ziel der Testfahrten: Zu klären, ob preiswerte Ketten in puncto Längung erheblich schlechter abschneiden als die teuren Markenkollegen. Wohlgemerkt, dies soll kein Vergleichstest sein, sondern eine stichprobenartige Prüfung, die Tendenzen aufzeigt. Der erwartete Trend wurde bestätigt. Bei den AFAM-Ketten ist die Längung der einfachen O-Ringkette OR sogar fünfmal so hoch wie bei der modernen X-Ring-Kette OSR-X. Entsprechend seltener war während der Testfahrt eine Korrektur der Kettenspannung nötig. Für die Lebensdauer bedeutet das zwar nicht zwangsläufig eine Verfünffachung, jedoch dürfte sie ebenso deutlich höher sein. Erstaunlich ist, daß von den beiden X-Ring-Ketten die teurere OHR 3-Kette erheblich mehr gedehnt hat, obwohl sie eine höhere Bruchfestigkeit als die für Maschinen bis 900 cm³ vorgesehene OSR-X besitzen soll und daher ausdrücklich für stärkere Maschinen geeignet ist. Trotzdem bleibt die Empfehlung seitens des Importeurs, auf leistungsstarken Motorrädern die bewährte OHR 3-Kette einzusetzen. Auch bei den Enuma-Ketten wurde die X-Ring-Version UV-X weniger gelängt als die hochwertige O-Ring-Kette MVO. Eine unangenehme Überraschung gab es bei der einfachen O-Ring-Kette SRO, die nach 7600 Kilometern unerklärlicherweise riß (siehe nebenstehenden Kasten). Bis dahin machte sie keinerlei Probleme und mußte nur einmal nachgespannt werden. Alle X-Ring-Ketten waren von Beginn an bis zum Testende deutlich beweglicher als die O-Ring-Ketten. Das bedeutet weniger Reibung, weniger Erwärmung und somit höhere Lebensdauer. Fazit: Die Investition in einen hochwertigen Kettensatz rentiert sich bei starken Maschinen. Die Kette hält länger, und die Einstell-Intervalle sind deutlich größer. Und im Ernstfall sind die Sicherheitsreserven wohl auch größer.

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