Leser fragen - Experten antworten (Archivversion)

Leser fragen - Experten antworten

Spezielle
Rennhelme?
Da sich Racebikes von Serien-Sportmaschinen unterscheiden, stellt sich für mich die Frage: Tragen die MotoGP-Stars eigentlich auch speziell angefertigte Helme?
André Walek,
Nolangroup Deutschland, www.nolangroup.de:
In der MotoGP kommen aus unserem Helmprogramm die Top-
Modelle Nolan N94 und X-lite X-801R zum Einsatz. Die Außenschale dieser Helme aus Fiber-Kevlar-Karbon, das Lexan-Visier sowie das Unitherm-Innenfutter unterscheiden sich in keiner Weise von dem, was auch im Fachhandel erhältlich ist. Modifizierungen der Passform werden über Wangenpolster in sechs verschiedenen Stärken durchgeführt, die Nolan standardmäßig als Zubehör
für jedermann und -frau anbietet. Ein spezieller Maßhelm für die Stars wird also nicht angefertigt. Der wesentliche Unterschied liegt eher in der zeitlichen Verfügbarkeit. So wurde zum Beispiel der N94 von Marco Melandri bereits in der gesamten Saison 2005 eingesetzt und mitentwickelt, während das baugleiche Modell für den normalen Motorradfahrer erst ab diesem Jahr im Handel ist.
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Härtere Gabelfedern (Archivversion)


Ich möchte härtere Gabelfedern nachrüsten. Die alten raus, die neuen rein und fertig? Oder was muss ich sonst noch beachten?
Werner »Mini« Koch, Fahrwerksspezialist bei MOTORRAD, www.motorradonline.de:
Beim Federwechsel ist auf den Negativfederweg an der Gabel zu achten. Er sollte (mit Fahrer gemessen) etwa 25 (bei Supersportmaschinen) bis 30 Prozent des Gesamtfederwegs betragen. Oft verkleinert sich dieser Wert beim Einbau härterer Federn, was zur Folge hat, dass die Maschine durch den
dadurch resultierenden größeren Lenkkopfwinkel und längeren Nachlauf unhandlicher wird und in Kurven untersteuert. Der Negativfederweg lässt sich meist über eine Einstellspindel am oberen Gabelstopfen korrigieren. Auch der Ölstand in der Gabel hat großen Einfluss auf das Federverhalten. Ein kleines Luftpolster, also ein hoher Ölstand, wirkt stark progressiv und unterstützt die Federung merklich, während sich ein großes Luftpolster weniger stark komprimiert, dementsprechend einen hohen Komfort garantiert, die Tragfedern aber kaum unterstützt. Wie groß das Luftpolster ausfallen und welche Ölviskosität verwendet werden sollte, ist meist in den Montageanleitungen der Federhersteller vermerkt. Diese Vorgaben sollte man unbedingt befolgen.

Rochenleder (Archivversion)


Ein Bekannter berichtete mir, dass bei
Motorradbekleidung teilweise auch Rochen-
leder zum Einsatz kommt. Der hat mich
doch auf den Arm genommen, oder?
Markus Held, Held Biker Fashion in Burgberg,
www.held-biker-fashion.de:
Ihr Bekannter hat Sie nicht auf den Arm genommen, wir verarbeiten Rochenleder in zwei unserer Sporthandschuhe. Rochenhaut hat die Eigenschaft, dass sie um ein Mehrfaches abriebfester als Känguru- oder Rindleder ist. Leider kann aus Rochenhaut kein kompletter Handschuh gefertigt werden, da das Leder sehr steif ist. Wir verwenden die Rochenhaut am Handschuh deshalb nur an wichti-
gen Sturzstellen: dem Handballen und den Fingerknöcheln. Das Rochenleder wird mit einem speziellen stoßabsorbierenden Gel unterlegt, um einerseits einen etwaigen Aufprall zu dämpfen und andererseits die Gleitfähigkeit auf Asphalt zu erhöhen. Durch diese Lösung ist der Handschuh angenehmer zu tragen als mit bisher üblichen Gleitnieten aus Stahl. Noch eine Anmerkung: Rochen unterliegen nicht dem Washingtoner Artenschutzabkommen und werden wegen ihres Fleisches erlegt. Die Haut ist lediglich ein Abfallprodukt, das ansonsten nicht weiterverarbeitet werden würde.

Anmerkung von Andreas Bildl,
MOTORRAD-Testredakteur und IDM-Pilot:
Klasse Schutz beim Sturz: Beim 24-Stunden-WM-Lauf in Oschersleben leisteten die Handschuhe mit Rochenleder gute Dienste. Ich stürzte beim Anbremsen aus Topspeed Ende Start/
Ziel, entsprechend heftig war der Aufprall auf den Handballen. Der Rochenbesatz mit dem unterlegten Gel-Polster hat dabei ganze Arbeit geleistet. Zwar riss die Naht des Rochenbesatzes etwas ein, aber die Hand blieb völlig unversehrt, nicht mal
einen blauen Fleck hat’s gegeben.

Cockpit-Veredelung (Archivversion)


Die Zifferblätter am Cockpit meiner 17 Jahre alten, aber immer noch heiß geliebten XJ 600 sehen mittlerweile doch sehr runtergekommen aus. Wo gibt’s neue, im Idealfall andersfarbige Zifferblätter?
Dieter Jaglo, Ka-Ja-Tacho Dienst in Neunkirchen,
Telefon 09134/993368:
Fertige Zifferblätter für bestimmte Modelle zum Nachrüsten haben nur sehr wenige Anbieter im Programm, und für die Yamaha ist mir keiner bekannt. Der Markt dafür ist einfach zu klein, meist tauschen die Kunden das ganze Instrument aus. Dennoch: Wer individuelle Wunsch-Zifferblätter sucht, wird bei uns fündig. Am besten ist es, uns das ganze Cockpit zu schicken, wir bauen die Zifferblätter fachgerecht aus und nehmen diese als Grundlage
zur Erstellung einer Druckvorlage. Die alten Blätter werden zunächst gescannt, am Computer gestalten wir danach neue Zifferblätter. Sonderwünsche wie ein anderes Zahlen- oder Schriftbild oder eine Abbildung der persönlichen Initialen beziehungsweise eines Logos können wir problemlos realisieren. Für andersfarbige
Zifferblätter sollte der Kunde ein Farbmuster liefern oder den
gewünschten RAL-Farbton angeben. Die neu gestaltete Vorlage liefern wir an eine Druckerei, die sie auf das Austausch-Trägermaterial aus Blech oder Plastik im Siebdruckverfahren aufbringt. Da einige Arbeitsschritte nötig sind, kann so eine Cockpit-
Veredelung mehrere Wochen dauern – empfehlenswert ist es
deshalb, den Auftrag außerhalb der Saison im Winter zu erteilen.
Billig ist so eine Einzelanfertigung leider nicht: Über 200 Euro kostet der Komplettservice mit Ein- und Ausbau.

Falsche Bremsflüssigkeit? (Archivversion)


Bei der Umrüstung auf Stahlflexleitungen habe ich statt der empfohlenen Brems-
flüssigkeit (DOT 4) versehentlich DOT 5
verwendet. Was kann passieren?
Beate Knorn, TRW KFZ Ausrüstung in Neuwied,
www.lucas-bikersworld.com:
Stahlflexleitungen eignen sich für die Verwendung beider Bremsflüssigkeitsspezifikationen. Maßgeblich für eine unbedenkliche Anwendung sind die Angaben des jeweiligen Fahrzeugherstellers in Bezug auf die Bremsanlage. Harley-Davidson etwa schreibt DOT 5 grundsätzlich vor, während die meisten anderen Hersteller eine Verwendung von DOT 5 gar nicht zulassen. Da das in
DOT 5 enthaltene Silikon auf Dauer aggressiv auf Gummiteile
wie zum Beispiel die Kolbendichtringe wirken kann, sollte diese nicht eigenmächtig verwendet werden. Mein Rat deshalb, wenn der Hersteller DOT 4 statt die von Ihnen versehentlich verwen-dete DOT 5 vorschreibt: Das komplette Bremssystem durch-
spülen, sorgfältig reinigen und dann wieder mit DOT 4 befüllen.
Im Zweifelsfall sollten Sie diese Arbeit aber lieber einer Fach-
werkstatt überlassen.

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