US-Konzern will Marzocchi schließen Ausgefedert?

Weil der Mutterkonzern in den USA nicht mehr mit Motorrädern arbeiten will, steht Marzocchi, Italiens Traditionshersteller von Federelementen, vor dem Aus.

Foto: Marzocchi

Der renommierte italienische Gabel-Hersteller Marzocchi steht offenbar vor dem Aus. In einem Brief an Geschäftspartner und Kunden kündigte der US-Mutterkonzern Tenneco an, dass Marzocchi noch die aktuell auf Lager liegenden Komponenten verarbeiten werde. Danach sei jedoch Schluss, die Produktion werde eingestellt und der Standort in Zola Predosa bei Bologna dicht gemacht. Ein Datum für die geplante Schließung wurde offenbar nicht genannt.

Marzocchi baut Gabeln für Mountainbikes und Motorräder und beliefert unter anderem Ducati, MV Agusta und BMW; so kommen bisher etwa auch der Telelever der aktuellen R 1200 GS und die Upside-down-Gabeln der anderen aktuellen Boxer von der italienischen Firma.

Gegründet 1949 als Familienbetrieb, war Marzocchi 2008 vom US-Koloss Tenneco übernommen worden. Der wiederum zählt zu den wichtigsten Zulieferern im Automobilbereich. Zu den bekanntesten Produkten gehören Fahrwerkssysteme unter dem Markennamen Monroe und Abgastechnologien der Marke Walker. Der Konzern hat weltweit knapp 29000 Beschäftigte und betreibt etwa 80 Werke, darunter auch mehrere in Deutschland; der Umsatz lag 2014 bei über acht Milliarden US-Dollar. In diesem Gefüge ist Marzocchi mit seinen 120 Mitarbeitern nur ein winziges Rädchen.

Eine offizielle Begründung für die Aufgabe der italienischen Marke lieferte Tenneco bislang nicht. Dem Anschein nach will der Hersteller nicht etwa die Produktion in ein kostengünstigeres Werk verlagern, sondern komplett aus dem Zweiradgeschäft aussteigen. Bereits 2011 hatte Tenneco eine Schließung des Marzocchi-Werks angekündigt, aber nach Zugeständnissen der Gewerkschaften und einem Personalabbau von 50 Beschäftigten zunächst davon abgesehen. Nun scheinen die Amerikaner aber Ernst zu machen, denn der Mietvertrag für das Werk in der Via Grazia 2, das sich nach wie vor im Besitz der Gründerfamilie Marzocchi befindet, wurde nicht verlängert.

Die Gewerkschaften in Bologna suchen inzwischen mit Hochdruck nach einer Alternative zur Schließung und setzen ihre Hoffnungen auf einen Krisengipfel mit der Stadt, der in diesen Tagen stattfinden soll. Branchenkenner halten die Möglichkeit, dass sich ein Käufer für Marzocchi findet, allerdings für sehr gering.


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