Nachrüst-Schalldämpfer bei Kat-Motorrädern (Archivversion) Immer sauber bleiben!

Ein Streitfall: Darf ein Kat-Motorrad mit einem Zubehör-Schalldämpfer nachgerüstet werden, der zwar eine EG-Betriebserlaubnis besitzt, aber keinen Katalysator?

Auf der Münchner Messe Intermot 2004 wird die Mehrzahl der neuen Motorräder mit Katalysator präsentiert. Ähnlich wie im Pkw-Bereich schon vor
vielen Jahren setzt sich der Kat immer mehr durch. Bei vielen Modellen befin-
det sich das schadstoffmindernde Teil im Serienschalldämpfer. Heikel ist es, wenn dieser durch ein Nachrüst-Produkt ohne Kat ersetzt wird. Dann verliert das Motorrad, zumindest in Deutschland, nach Paragraph 19 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StvZO) seine Betriebserlaubnis. Und das, obwohl das Nachrüstteil eine gültige EG-Betriebserlaubnis vorweist. So zumindest die Aussage von Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) und Bundesverkehrs-
ministerium. Denn die ursprünglich bei der Homologation des Motorrads vorgegebenen Abgaswerte dürfen sich nicht durch ein Anbauteil verschlechtern. Im Klartext heißt das: Der Auspuff ist zwar legal, aber ein skeptischer TÜV-Prüfer könnte bei der normalen Hauptuntersuchung dennoch die Plakette verweigern, oder ein fachkundiger Polizist erkennt den augenfällig fehlenden Katalysator und ahndet Fahren ohne Betriebserlaubnis.
Bisher ist dieses Problem allerdings kaum bekannt. Ordnungshüter checken meist nur die zum Modell zugehörige eingravierte, gestanzte oder geprägte e-Nummer am Nachrüstdämpfer. Das Problem-
bewusstsein setzt sich nur langsam, aber stetig mit der Zunahme von Kat-Motor-
rädern durch, wie Harald Rüttgers vom TÜV Rheinland bestätigt: »Das Thema
brodelt unter der Oberfläche. Die Rechtslage ist nicht sonderlich bekannt, und ich möchte nicht wissen, wie viele Motor-
radfahrer unwissend mit einer Maschine ohne Betriebserlaubnis herumfahren.« Dabei könnten die Auspuff-Hersteller einen Katalysator anbieten, ein Abgasgutachten bei einer anerkannten Prüfstelle erstel-
len lassen und den Käufern die schrift-
liche Dokumentation zur Verfügung stellen, ergänzt der TÜV-Mann. »Das sollten die Hersteller eigenverantwortlich der Fair-
ness halber gegenüber ihren Kunden tun. Sprichwörtlich heißt es: Den Letzten beißen die Hunde. Und das ist im Falle einer Kontrolle der Endverbraucher«, so Rüttgers, der vermutet, dass viele der Nachrüster die zusätzlichen Kosten für Kat und Extra-Gutachten scheuen.
Für die Vergabe der europaweit geltenden e-Nummer muss der Hersteller sein Nachrüstteil bei einer anerkannten Prüfstelle in einem der EU-Länder abnehmen lassen. Die Prüfung beinhaltet lediglich
die Bewertung des Geräuschverhaltens, gleichzeitig gibt eine Leistungsmessung darüber Aufschluss, ob der Schalldämpfer die vorgegebene Toleranzgrenze von fünf Prozent einhält. Das Abgasverhalten wird nicht geprüft. Dies soll sich künftig ändern: Das Bundesverkehrsministerium arbeitet momentan an einer Überarbeitung der EG-Abgasrichtlinie für Motorräder. Ein wesentliches Ziel dieser Überarbeitung sind die Prüfvorschriften und die Kennzeichnung von Austauschkatalysatoren. »Wie diese genau aussehen sollen, ist zurzeit in Diskussion. Einen zeitlichen Rahmen für den Entwurf kann ich nicht nennen. Die Vorschriften sollen so schnell wie möglich
in Kraft treten. Klar ist aber, dass nicht
einfach so die Kombination aus Schalldämpfer und Katalysator ersetzt werden kann. Wichtig ist, dass das nachgerüstete Motorrad auch die vorgeschriebenen Ab-
gaswerte einhält«, erklärt Dietmar Meyer, zuständiger Referatsleiter beim Bundesverkehrsministerium. Bis eine europaweite Regelung getroffen ist, rät er, genau wie das KBA, den Auspuff-Herstellern eine nationale ABE für den Austauschkatalysator erstellen zu lassen. Dumme Situation für die Nachrüster: Sie müssten theoretisch für jeden betroffenen Motorradtyp neben den Gebühren für die Vergabe der e-Nummer erhebliche Mehrkosten für die vom KBA erstellte ABE einkalkulieren. Beim Ausrüster Devil Deutschland in Durmersheim heißt es: »Wenn der Gesetzgeber irgendwann klare Ansagen macht, werden wir sofort handeln. Ein ohne Vorgaben
angebotener Kat bedeutet in erster Linie eine Verteuerung des Produkts. Außerdem: Ein Kat würde nur zusammen mit einer
regelmäßigen Abgasprüfung wie der AU fürs Auto Sinn machen. Was nützt eine
einmalige Kennzeichnung, ob ein Kat drin ist oder nicht, wenn dieser etwa verstopft ist und nicht richtig funktioniert?«
Andere Hersteller bieten hingegen schon jetzt Kat-Versionen an. »Wir prüfen die Abgaswerte im Werk in Österreich
und lassen uns von einer akkreditierten Prüfstelle in Graz bescheinigen, dass sich das Schadstoffverhalten durch den Austausch-Schalldämpfer nicht verschlechtert. Bei Bedarf kann der Käufer diese
Daten anfordern«, erläutert Michael Zupritt, Geschäftsführer von Sebring Deutschland in Hilzingen. Der Großteil der Kunden hat momentan zwar wenig Interesse an den teureren Kat-Versionen, wenn das Motorrad vorher keinen Katalysator besessen hat. Dennoch steigt die Nachfrage bei
Herstellern wie Sebring oder Remus, da Fahrer einer Maschine mit serienmäßigem Kat auch beim Nachrüsten mehrheitlich nicht darauf verzichten wollen. Verschiedene Mitbewerber bestätigten auf Nachfrage, dass sie ebenfalls an brauchbaren Kat-
Lösungen für ihre Schalldämpfer arbeiten, sofern für entsprechende Motorräder noch nichts im Angebot ist.
Bis in Brüssel eine Regelung für Austausch-Katalysatoren getroffen wird, bleibt die rechtliche Situation undurchsichtig. Auch ein gerichtlicher Streitfall ist bisher nicht bekannt. Um sich auf der sicheren Seite zu bewegen, empfiehlt es sich für Fahrer einer Maschine mit Kat, beim Nachrüsten mit einem Zubehörteil nicht auf
die Abgasreinigung zu verzichten.

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