Öl: Beratung zu Motoröl (Archivversion) häufig gestellte Fragen

Die Experten-
Antworten kommen von: Detlef Becker,
Castrol, Marketing
Manager Motorcycle Central Europe

Wodurch wird Motoröl in seiner Leistung beeinträchtigt?
Die in Verbrennungsmotoren herrschenden hohen Betriebstemperaturen lassen das Motoröl altern. An einzelne Kohlenwasserstoffmoleküle des Schmierstoffs lagert sich Sauerstoff an. Es können sich harz- oder asphaltartige Bestandteile bilden, die das Motoröl eindicken. Hinzu kommen Gase und Verunreinigungen, die durch den Kraftstoff in das Öl gelangen. Die Durchmischung mit Luft trägt außerdem neben Motorenabrieb dazu bei, dass das Motoröl altert.
Welche Viskositätsspannen sind für Motorräder sinnvoll?
SAE 10W-40 und SAE 10W-50. Diese Viskositäten werden von den Herstellern am häufigsten gefordert. Aufgrund höherer Bauteiltoleranzen kommen bei älteren Modellen außerdem SAE 20W-40 und 20W-50 zum Tragen.
Lohnt es sich, statt Mineralöl teureres Synthetiköl zu fahren?
Der Verschleißschutz ist grundsätzlich besser, die Motoren leben länger. Der mit synthetischen Leichtlaufölen gesparte Kraftstoff macht die Mehr-
kosten in der Regel mehr als wett.
Mineralöle und synthetische Öle kann man zwar mischen, doch wie wirkt sich das auf deren Eigenschaften aus?
Mineralische, teilsynthetische und synthetische Motorenöle müssen untereinander mischbar sein. Das Gleiche gilt für Getriebeöl. Es verändern sich aber die Leistungseigenschaften des Mischprodukts hin zum qualitativ niederwertigeren Öl, also Mineralöl.
Hält ein SAE 10W-60 länger als ein SAE 10W-50?
Grundsätzlich ist die Viskositätsangabe 10W-50 oder 10W-60 kein Indikator für die Haltbarkeit. Vollsynthetische Öle sind thermisch stabiler als
teilsynthetische und daher eher für längere Wechselintervalle geeignet. Auch sind sie wesentlich belastbarer als teilsynthetische oder mineralische Produkte.
Kann als Notbehelf Olivenöl statt Motoröl nachgefüllt werden?
Nein. Pflanzenöle sollten keinesfalls eingesetzt werden, da sie
sich nicht mit Motoröl mischen lassen.
Sind 0W-Öle für Motorräder sinnvoll?
Grundsätzlich nein. Die meisten Fahrzeuge sind aufgrund der Bauteiltoleranzen, speziell in puncto Kurbelwellengrundlager, nicht für extrem dünnflüssige Motorenöle ausgelegt. Außerdem können zu dünnflüssige Öle das Verhalten der Ölbadkupplung negativ beeinflussen (Kupplungsrutschen). Wie bei Pkws gilt auch beim Motorrad, dass entscheidend für den Einsatz der jeweiligen Viskosität die Herstellerfreigabe ist.
Kann man Motorradöle auch im Pkw verwenden und umgekehrt?
Können ja, solange sie der API-Spezifikation entsprechen, die der Her-
steller vorschreibt. Man sollte dies
allerdings vermeiden, da Motorrad-Mo-
torenöle auf die speziellen Anforderungen eines Motorrads (Stichwort Motor, Kupplung, Getriebe) als eine Einheit
zugeschnitten sind. Aktuelle Hochleistungs-Pkw-Motorenöle sind vollkommen ungeeignet für Motorräder, da sie spezielle Additive zur Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs beinhalten, welche die Ölbadkupplung schädigen.
Gibt es auch für Motorräder Langlauföle wie im Pkw-Bereich?
Im Motorradbereich verlangen die Hersteller zurzeit noch keine Intervalle, die länger als 12000 Kilometer sind. Da die jährlichen Laufleistungen der Motorräder heutzutage größtenteils unter den Ölwechselintervallen liegen, ist es ratsam, einmal im Jahr einen Ölwechsel durchzuführen.
Spricht etwas gegen den Einsatz
eines Billigöls, wenn man es dafür häufiger wechselt?
Solange Billigöle den Spezifika-
tionen der Hersteller entsprechen, ist ein Einsatz zur Erhaltung der Gewährleistung des Herstellers unbedenklich. Motorrad-Viertaktmotoren bedürfen aber hochwertiger Schmierstoffe, aufgrund der Tatsache, dass sie drei verschiedenen Anforderungen (Motor, Getriebe, Öl-
badkupplung) gerecht werden müssen. Diese drei Bereiche werden in Pkws durch unterschiedliche Schmierstoffe versorgt. Billigöle sind in den meisten Fällen reine Pkw-Motorenöle, welche sich negativ auf die Lebensdauer des Fahrzeugs auswirken können.
Warum werden dem Öl Additive
beigemengt?
Additive sind Wirkstoffe, die Grundölen zugemischt werden, um im Fertigprodukt Eigenschaften zu erreichen, die schmierungstechnisch zwar erforderlich, aber im Grundöl nicht vorhanden sind. Außerdem sollen sie positive Eigenschaften noch verstärken und unerwünschte Eigenschaften ausschalten oder zumindest unterdrücken.
Sind separat zu kaufende Ölzusätze empfehlenswert ?
Motoröle von Markenanbietern werden in den jeweiligen Laboratorien und auf Prüfständen so entwickelt, dass eine weitere Verwendung von Zusätzen nicht nötig ist und nur stören würde.
Es können durchaus nachteilige Qualitätsveränderungen in der sehr fein ausbalancierten Additivrezeptur die Folge sein. Eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit eines Motoröls ist durch unkontrollierte Zugaben teilweise unbekannter Substanzen nicht zu erreichen.
Gibt es Motorrad-Öle mit Teflon oder Keramikteilen, und was ist generell davon zu halten?
Im Motorradbereich ergibt dies keinen Sinn, da sämtliche Zusätze, die die Oberflächen beschichten oder auf diesen verbleiben, das Reibverhalten der Ölbadkupplung verändern. Deshalb werden für Motorräder in erster Linie chemisch wirkende Bestandteile ein-
gesetzt, die sich nicht negativ auf das Kupplungsverhalten auswirken.
Was bedeutet es, wenn der neue Schmierstoff bereits kurz nach dem Ölwechsel schwarz wird?
Zum einen zeigt dies, dass das Öl den Schmutz in der Schwebe hält und Ablagerungen verhindert, zum anderen bleiben beim Ölwechsel immer
einige Milliliter Altöl im Motor, das sich mit dem Frischöl vermischt und es sofort dunkel färbt. Die Farbe allein ist
kein Anzeichen für Alterung des Öls.
Wie lange sind Motoröle bei frostfreier Lagerung im Kanister haltbar?
In geschlossenen Räumen ohne UV-Licht empfehlen wir maximal drei Jahre Lagerzeit.

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