Ohrenstöpsel: Vergleichstest (Archivversion) LESERERFAHRUNGEN

Der Aufruf in Heft 3/2001 an die Leser von MOTORRAD, ihr Gehör testen zu lassen, stieß auf große Resonanz. Und das Ergebnis lässt aufhorchen: Mehr als jeder zweite Einsender klagt über Hörverluste, was deutlich über dem Schnitt in der Gesamtbevölkerung liegt (siehe Kasten »Hörgeräte«). Ob die Teilnehmer der Umfrage bereits für die Thematik sensibilisiert waren und deshalb mitgemacht haben, lässt sich freilich nur mutmaßen. Und es kann außerdem im Nachhinein kaum nachgewiesen werden, auf welche Art von Krach eine Schädigung des Gehörs zurückzuführen ist. Denn egal, ob Maschinenlärm, Disco-Musik, ein lautes Flugzeug oder eben der tosende Orkan unterm Helm: Je häufiger und je heftiger man seine Ohren hohen Schallpegeln aussetzt, umso größer ist die Gefahr eines Hörverlusts. Da aber jeder anders auf Umwelteinflüsse reagiert, gibt es viele Motorradfahrer mit einem guten Gehör.Aus den zahlreichen Einsendungen griff MOTORRAD einige Audiogramme heraus und kommentiert ihren Verlauf. Zu den eher untypischen Kurven der MOTORRAD-Leser zählt die von Christian Hoof aus Eschenburg, der sich wundert, dass sein Gehör nach 20 Jahren im Sattel nicht nachgelassen hat. Und das obwohl er nach längeren Fahrten mit der zubehörverkleideten Yamaha XJR 1300 gelegentlich jammert: »Teilweise brauche ich einen ganzen Tag, um wieder normal hören zu können.« Christian Hoof kann sich also freuen, denn viele Einsendungen belegen, dass man den Hörkurven die vielen tausend Kilometer auf dem Motorrad ansieht. Beispielsweise ist das Gehör von Leser Rudolf Preßer so stark geschädigt, dass er nur noch so viel wahrnimmt wie normal Hörende, wenn sie Ohrstöpsel tragen. Sein Kommentar: »Das Getöse unter dem Helm hat wohl seine Spuren hinterlassen. Aber ich mag’s auch sonst gerne laut: Schießen ohne Lärmschutz bei der Bundeswehr, Disco und Powersound aus der Stereoanlage.« Ob die Schädigung allein durch die 270 000 Motorrad-Kilometer verursacht wurde, ist somit sehr fraglich. Hans-Jürgen Pfeffer fährt zwar schon lang, aber nicht viel Motorrad. Sein Audiogramm zeigt untypische Verluste im Tieftonbereich unter 1000 Hertz. »Die Ursache meiner Hörminderung dürfte wohl in meiner Leidenschaft fürJethelme liegen«, schreibt er. Da hat er möglicherweise nicht ganz unrecht, brüllt der Fahrtwind bei offenen Helmen doch wesentlich lauter als unter einem Integralhelm. Bei den Kurven von Markus Adam, Martin Hiddemann und Frank Wendt zeigt sich nach 150 000 bis 200 000 Kilometern und zehn bis 20 Jahren Motorrad fahren ein Hörverlust in dem Bereich um 4000 Hertz. Markus Adam hat noch einen anderen Vorschlag, um das Gehör zu schonen: das »Active Noise Cancelling«, das er aus der Fliegerei kennt. Hier werden über den beim Fliegen üblichen Kopfhörer speziell erzeugte Gegenfrequenzen eingespielt, die den Lärm kompensieren. »Gerade in den letzten Jahren hatte ich das Gefühl, dass mir nach Autobahnfahrten ordentlich die Ohren klingeln«, meint Jürgen Bartens, der 300 000 Zweiradkilometer hinter sich hat und früher häufiger Discobesucher war. »Bin ich wohl empfindlicher geworden.« In der Tat: Wenn die Hörleistung nachlässt, wird man gleichzeitig lärmempfindlicher - sozusagen als letzte Warnung. Auch die Hörkurve von Walter Gutmann aus Unterhaching weist deutliche Hörverluste im Bereich um 4000 Hertz auf. Da trifft es sich gut, dass die MOTORRAD-Glücksfee ihn als Gewinner der maßgefertigten Gehörschützer gezogen hat. Die schützen diesen am meisten gefährdeten Bereich besonders effektiv.

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