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Porträt Danny Schneider Kultfigur der Custom-Szene

Danny Schneider lebt seinen Traum. Er baut aus alten Motorrädern zweirädrige Stahlwesen, die sind wie er: rebellisch, verrückt, einmalig. In seiner regulierten Schweizer Heimat hat er es damit schwer. Also weicht er aus nach Japan und in die USA, wo er bereits Kultfigur der Custom-Szene ist.

Dass Motorradmotoren absterben, kommt vor. Wenn das allerdings während eines Sprungs passiert, können die Folgen böse sein. Danny landet ohne das stabilisierende Moment des Motors aus acht Metern Höhe so hart, dass er sich unter anderem einen Fuß bricht. Das Röntgenbild zeigt 18 Frakturen. Damit ist Dannys hoffnungsvolle FMX-Karriere im Eimer. „Die Krankenversicherung bot mir 40.000 Schweizer Franken für eine Umschulung zu einem Bürojob. Ich habe dankend abgelehnt.“ Hätte ohnehin nie funktioniert mit dem Bürojob, denn Danny ist von Geburt an das Gegenteil des angepassten Vorzeigeschweizers. Er entwickelt sich zum zweiradverrückten Rebellen, der bereits im Alter von vier Jahren die ersten Wheelies auf dem Fahrrad zeigt. Schule ist nicht so Dannys Ding, erst auf dem Internat macht er hin und wieder seine Hausaufgaben.

2002 gründet er seine Custom-Schmiede Hard Nine Choppers. Kauft sich eine Harley und beginnt daran zu schrauben. „Am Anfang hatte ich null Ahnung, wie man schweißt oder mit Metall arbeitet. Gott sei Dank habe ich gute Freunde, die mir
viel gezeigt haben.“ Der Durchbruch gelingt 2009 mit dem D’MX Bike. Über 21 große internationale Motorradmagazine berichteten über das Bike und seinen Schöpfer. Zug um Zug wird Danny zu allen großen Motorradshows eingeladen, wo er beispielsweise bei der AMD World Championship of Bike Building den dritten Platz belegt.

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„Customizing hat keine Gesetze, wir können alles tun“

Dannys Maschinen basieren oft auf Rohmaterial der 30er- und 40er-Jahre. Aus erbärmlichen Rosthaufen kreiert er zierliche Custombikes, mitunter wilde Stilmischungen, immer in handwerklich höchster Präzision. Ein Grund ist die strenge Gesetzgebung der Schweiz, die bei neueren Bikes kaum Umbauten zulässt. Danny experimentiert, will niemals schon Existierendes kopieren, sondern eigene, neue, verrückte Wege finden, alles ausprobieren. Die Werkstatt in Bern-Bümplitz ist klein, die Szene in den USA groß. Kein Wunder, dass er sich nach ersten Erfolgen im Customizing über den Großen Teich nach USA und Japan orientiert. Speziell Nordamerika mit seinen lockeren Gesetzen ist ein Mekka für Custombuilder. „Du machst dir einen Rahmen, hängst irgendeinen Motor und ein Getriebe rein und kannst das dann so prüfen lassen“, schwärmt Danny.

Er will sich in keine Schublade stecken lassen, die uniformierte Harley-Szene ödet ihn an. Was nicht heißt, dass er nicht auch mal alte Harleys umbaut. „Customizing hat keine Gesetze, wir können alles tun.“ Der Schweizer macht sein Ding und erwirbt sich weltweit Respekt mit seinen Bikes, die eine ganz eigene, neuartige Ästhetik zeigen. 2014 lädt ihn der Sponsor Monster Energy zur Geico Hot Bike Tour ein, die durch die Bundesstaaten Missouri, Illinois, Iowa und Wisconsin führt. In Illinois und Iowa gilt keine Helmpflicht. Die Custombiker genießen das Cruisen in T-Shirt und Jeans. Nicht nur die Fahrer, auch die Motorräder zeigen sich rebellisch und bleiben ab und zu stehen. Bei Dannys 1931erIndian stellt die Benzinpumpe nach drei Tagen ihren Dienst ein. Danny schiebt ein Stück, dann darf er die 1947er-Harley seines Freundes Chris Richardson fahren, weil Ersatz so schnell nicht aufzutreiben ist.

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Zur Freiheit, zur Echtheit, zum Mannsein

Am Ende der Tage sind die Jungs nicht nur vom Schrauben platt. „Sechs bis acht Stunden auf einem Starrrahmen zu fahren ist nicht das Gleiche, wie in einem Bentley unterwegs zu sein.“ Doch das gehört dazu. Zur Freiheit, zur Echtheit, zum Mannsein.

Den Amis gefallen Dannys Einstellung und seine Bikes. Er muss Autogramme und Interviews geben, gilt in der Szene bereits als Star. Er und seine Bikes zieren die Titel zahlreicher Zeitschriften, die Amerikaner fahren weit, um Danny zu sehen. Solcher Kultstatus bleibt ihm in der Schweiz noch verwehrt. Die Eidgenossen stehen eher auf Serien-Harleys mit fetten Reifen und kämpfen mit der Enge ihrer Straßenverkehrsordnung. Danny macht auf seinen zierlichen 30er-Jahre-Hobeln Wheelies und Drifts. Dann mischen sich Kind und Mann, aber auch ehrwürdiges Alteisen mit BMX-Bikes. Bis vor Kurzem hat Danny noch im Lackierbetrieb seines Vaters mitgearbeitet, jetzt ist er mit seiner Custom-Schmiede end­gültig selbstständig. Hier baut er, was er zum Glücklichsein braucht: „the real shit“. www.hardninechoppers.com.

Foto: Scherer
Der Rebell: Danny Schneider hat Freude an Tattoos und an der Verwandlung von Alteisen in Kunst.
Der Rebell: Danny Schneider hat Freude an Tattoos und an der Verwandlung von Alteisen in Kunst.

Steckbrief Danny Schneider

Danny Schneider, geboren am 17. August 1974, kommt aus Bümplitz bei Bern in der Schweiz. Mit 16 Jahren begann er seine MX-Karriere, mit 20 Jahren seine FMX-Laufbahn. In der Disziplin Freestyle Motocross entwickelte er sich zum Pionier der schweizerischen Szene. Nach einem schweren Trainingsunfall musste er seine FMX-Karriere beenden. 2002 startete er sein Leben als Custombuilder und -biker mit der Gründung von Hard Nine Choppers. Der Durchbruch gelang ihm 2009 mit dem D’MX Bike. Mittlerweile gastiert er weltweit auf Bike Shows und ziert die Titel großer Magazine. Neben Bauen und Fahren fasziniert Danny das Fliegenfischen als Gegenpol zu seinem hyperaktiven Dasein.

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