Produkttest Alpen-Reiseführer Attraktive Berg-Literatour

Mit dem Motorrad in die Berge - touristisch und fahrerisch ist das kaum zu toppen. Blöd ist es allerdings, wenn der Überblick fehlt. Um das Tourendorado Alpen optimal zu nutzen, soll deshalb Spezialliteratur weiterhelfen. Tut sie das wirklich?

Foto: Sdun

Das schönste Motorradrevier der Welt", "auf Platz eins der Beliebtheitsskala der deutschen Motorradfahrer", "Kurven am laufenden Band", "allerbeste Kurzweil". Liest man die überschwänglichen Vorworte der verschiedenen Alpenführer, hält es einen kaum auf dem Stuhl - gleich volltanken und durchstarten, ab in die Berge! Und wer die Alpen als Motorradfahrer schon kennt, muss zugeben: Recht haben sie, diese Schwärmer. Allerdings lassen sich warme Worte schnell zu Papier bringen. Auf Motorradreisen in den Alpen nützen sie aber wenig, denn die Schönheit dort offenbart sich schon von alleine. Wie sieht es also mit wirklich nützlichen Informationen und Tipps aus, die aus der Bergfahrt ein echtes Erlebnis machen?

Gute Druckwerke sollten das leisten, sollten Ratgeber und Reiseleiter gleichermaßen sein, mit übersichtlichen Landkarten, aufschlussreichen Fotos und ausgeklügelten Grafiken weiterhelfen, ob nun unterwegs oder bei der Reisevorbereitung auf dem Sofa. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen, denn nicht jedes Stück Alpenliteratur bringt dem Motorradfahrer den gewünschten Nutzen. Auch wenn sich die Investition (zwischen rund zehn und 40 Euro kosten die hier vorgestellten Alpenführer) in Grenzen halten, ist ein Fehlkauf ärgerlich.

MOTORRAD stellt deshalb aus dem großen Angebot von Alpenliteratur eine redaktionelle Auswahl von acht Büchern vor, die sich auf dem harten Prüfstein behaupten mussten. Von kompakten, nutzwertigen Büchern, die auch als Roadbook brauchbar sind, bis hin zu dicken Schinken, die kaum ins Gepäck passen. Die Exemplare mit regionalem Schwerpunkt stehen dabei stellvertretend für die übrigen Bücher dieser Reihen. Nun viel Spaß beim Lesen und noch mehr beim Reisen!

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MOTORRAD-Testsieger: ADAC Tourbook Deutsche Alpen

Foto: Sdun

Verlag: ADAC Verlag, www.adac.de/shop
Autoren: P. Baltzer, S. Feldhoff, F. Klose
Maße: 125 x 185 x 12 mm
Gewicht: 272 g
Seiten: 192
ISBN: 978-3-89905-725-6
Preis: 14,95 Euro

Handhabung:
Die Ringbuchbindung mag auf den ersten Blick als billige Machart erscheinen, doch das täuscht: Angelegt als Querformat lässt sich das robuste Tour-Book kinderleicht umblättern und passt übersichtlich ins Kartenfach des Tankrucksacks. Gut: abwischbarer Klappumschlag mit nicht zu klein gehaltenen Übersichtskarten.

Routen:
Große Stärke ist die Übersichtlichkeit und der riesige touristische Nutzwert. Die sogenannte Step-by-step-Streckenführung verbindet die Funktion eines Roadbooks mit der eines Reiseführers - sehr clever. Funktioniert allerdings nur bei "Bummeltouren" mit vielen Stopps an Sehenswürdigkeiten, da alle 20 bis 50 Kilometer das Tour-Book zum Umblättern aus dem Kartenfach geschält werden muss. Insgesamt nur 15 Touren (Längen: von 94 bis 229 Kilometer), aber absolut ausreichend für mehrere Wochenendtrips oder einen großen Urlaub in der Region.

Karten:
Neben einer Übersichtskarte mit Piktogrammen zu Sehenswertem und anderen Streckeninfos wie z. B. Passhöhen sind jeder Tour praktische Zoom-Karten zu bestimmten Abschnitten zugefügt.

Reiseinfos:
Sehr hohe Info-Dichte und viele nutzbare Reisetipps, außerdem GPS-Koordinaten, Adressen, Internetlinks, korrespondierende Fotos zum Text, grafische Hervorhebungen - hier bekommt der Motorradfahrer die wichtigsten touristischen Highlights in leckeren Häppchen on the road serviert. Großes Lob!

Fazit:
Gewiefter und sympathischer Mix aus Roadbook und Reiseführer. Ideal für Motorradreisende, die es gerne etwas gemütlicher angehen lassen, um gründlich die bereiste Region touristisch zu erfahren. Zwar nur 15 Touren, der Gegenwert stimmt aber.

MOTORRAD-Urteil: Sehr gut

Alpenpässe

Foto: Sdun

Verlag: Bruckmann Verlag, www.bruckmann.de
Autor: Frank Klose
Maße: 120 x 184 x 9 mm
Gewicht: 202 g
Seiten: 144
ISBN: 978-3-7654-5224-6
Preis: 12,95 Euro

Handhabung:
Klein, leicht, handlich. Und die Druck- und Bildqualität kann ebenso überzeugen wie der solide, abwischbare Klappumschlag mit Übersichtskarte.

Routen:
Nur zehn Touren im Angebot, dürftig. Absolut prima sind aber die übersichtlichen Roadbooks mit Richtungszeigern, Kilometerständen und kurzen Infos. Die Streckenlängen variieren von 142 bis 551 Kilometer, die Zeitangaben dazu sind überwiegend realistisch. Der Tourcharakter wird allerdings nur schwammig beschrieben, lustlose und oberflächliche Wegbeschreibungen machen die Sache nicht besser.

Karten:
Pro Tour gibt es eine seitenfüllende Karte in vergleichsweise großem Maßstab mit der eingezeichneten Route. Aussichtspunkte (180° und 360°) sind genau wie Tankstellen, Hotels, Campingplätze, Gaststätten und andere touristische Punkte mit Symbolen vermerkt. Immerhin heben sich Berggruppen und Gebirgszüge farblich ab, insgesamt sind die Karten wenig hilfreich.

Reiseinfos:
Nach einer kurzen, beliebigen Einleitung mit einigen Plattitüden (z. B. "Abwechslung pur") folgen "Praktische Hinweise", etwa die Anreise zu den einzelnen Alpenländern betreffend oder zur "Motorradsaison". Nicht nur hier wird Banales zu angeblich wichtigen Reiseinfos verarbeitet. Hilfreich hingegen ist eine Passtabelle mit 51 Pässen im Kurzcheck.

Fazit:
Nettes Büchlein für Alpeneinsteiger, die ein paar Motorrad-Highlights kennenlernen möchten. Wenige Tourenvorschläge, die Auswahl ist jedoch gut getroffen. Fortgeschrittene Motorrad-Alpinisten werden nur unzureichend bedient.

MOTORRAD-Urteil: Befriedigend

Mit dem Motorrad durch die Alpen

Foto: Sdun

Verlag: Bruckmann Verlag, www.bruckmann.de
Autor: Rudolf Geser
Maße: 220 x 261 x 16 mm
Gewicht: 800 g
Seiten: 167
ISBN: 978-3-7654-4393-0
Preis: 24,90 Euro

Handhabung:
Der Klappumschlag beherbergt beinahe DIN-A3-große Karten, die einen klasse Überblick über die West- und Ostalpen verschaffen. Prima für die Reiseplanung auf dem Sofa daheim, aber das große Format und hohe Gewicht (siehe Angaben oben) des Druckwerks eignet sich schlecht für unterwegs. Der Pappumschlag ist zudem recht empfindlich.

Routen:
Durch sehr persönliche Anmerkungen, Meinungen und Empfindungen lesen sich die 40 Routenbeschreibungen eher wie Reisegeschichten. Wem diese Herangehensweise weniger zusagt, der entdeckt bei der Lektüre trotzdem genügend interessante Fakten, Infos und Tipps, die auf Tour von Nutzen sind. Nette Verbindung von Reiseerlebnis und Routenführung, die dabei hilft, die angestrebte Tour "vorzuempfinden".

Karten:
Unterschiedlich groß (von 7,5 x 7,5 cm bis 15 x 16 cm) und mit Schattierungen, die wichtige topografische Gegebenheiten wie Täler oder Berggruppen gut darstellen. Allerdings finden sich außer Angaben von Höhenmetern an einzelnen Streckenpunkten keine Hinweise zu Sehenswürdigkeiten, Tankstellen, Gasthöfen etc. - insgesamt sehr geringer touristischer Nutzwert.

Reiseinfos:
Die Doppelseite mit "Tipps für unterwegs" erfüllt ihre Aufgabe: viele nützliche Adressen und Ratschläge. Die Hinweise zu Planung, Kleidung, Gepäck und Fahrverhalten sind hingegen Allgemeinplätze, die höchstens absoluten Motorradnovizen wirklich neue Erkenntnisse liefern.

Fazit:
Mit Elvira und Rudolf auf Tour: In immerhin 40 Geschichten verpacken die Verfasser viele Infos, die jedoch mühevoll erlesen werden müssen. Viel Futter. Nettes Lesebuch für die Wochen vor dem großen Alpenurlaub, aber zu unhandlich für unterwegs.

MOTORRAD-Urteil: Befriedigend

MOTORRAD-Kauftipp: 100 Alpenpässe mit dem Motorrad

Foto: Sdun

Verlag: Bruckmann Verlag, www.bruckmann.de
Autor: Heinz E. Studt
Maße: 166 x 234 x 20 mm
Gewicht: 758 g
Seiten: 285
ISBN: 978-3-7654-4770-9
Preis: 29,95 Euro

Handhabung:
Abwischbarer Einband, vorne und hinten ausklappbar mit Übersichtskarten, Buch wirkt mechanisch belastbar und ist äußerst flexibel gebunden, lässt sich fast einrollen. Zudem ist der Inhalt übersichtlich und leicht lesbar gestaltet, ansprechende Reisebilder mit starkem Motorradbezug, Autor und Verlag haben sich sichtbar Mühe gegeben.

Routen:
Jeder Pass ist auf einer Doppelseite prägnant beschrieben: Ein ausgesuchtes Highlight am Wegesrand, alle wichtigen Fakten im Überblick, Höhenprofil in Zahlen und Grafik, ein Kartenausschnitt und die Streckenbeschreibung. Zahlreiche Zusatzinfos und Tipps vorne wie hinten im Buch. Die Einzelrouten sind teilweise sehr kurz, dafür gibt es Kombinierungshinweise mit anderen Routen. Insgesamt hoher Nutzwert.

Karten:
Gute Übersichtlichkeit, topografische Ebene, Routen klar gekennzeichnet, Pässe mit Höhenangaben, teilweise mit Position von Sehenswürdigkeiten, Maßleiste mit Entfernungsangaben, Übersichtskarten mit allen Routen im ausklappbaren Einband. Nützlich sowohl für die Planung als auch für unterwegs.

Reiseinfos:
Hohe Informationsdichte: Die Pässe sind auf der jeweiligen Doppelseite kompakt, aber ausführlich beschrieben. Ab Seite 248 zusätzlich eine alphabetische Liste der Pässe und anschließend zur Intensivierung noch einmal in Kurzform der Charakter aller Pässe samt Bildern.

Fazit:
Der Bruckmann Verlag und Heinz E. Studt haben hier ganze Arbeit geleistet. Das Werk ist eine gute Wahl für kurvensüchtige Alpenfans. Als Extra bietet es die sechs schönsten Pässe-Rundtouren. Auch ohne GPS-Daten eine echte Kaufempfehlung.

MOTORRAD-Urteil: Gut

Motorrad-Touren Westalpen

Foto: Sdun

Verlag: Denzel Verlag, www.denzel-verlag.de
Autor: Harald Denzel
Maße: 145 x 210 x 15 mm
Gewicht: 478 g
Seiten: 304
ISBN: 978-3-85047-767-3
Preis: 27,00 Euro

Handhabung:
Umschlag aus lackierter, aber relativ dünner Pappe - viele Reisen im beengten Motorradgepäck wird dieses Buch wohl nur bei größter Sorgfalt ohne Schaden überstehen. Es ist aber handlich und bietet unterwegs jederzeit einen guten Überblick.

Routen:
46 Halb- und Ganztagestouren (52 bis 265 km), farblich gekennzeichnete Varianten und Abstecher inklusive. Und einige Touren führen sogar abseits befestigter Straßen (von Almfahrwegen bis zu überwucherten Gebirgspfaden). Das ist mal ein Pfund, denn so kommen vom betulichen Touristen bis zum sportlichen Querfeldeinjäger alle auf ihre Kosten. Die Routenbeschreibungen sind erfreulich detailliert (Angaben von Fahrbahnbreiten, Steigungsprozenten und Anzahl von Kehren auf bestimmten Strecken). Die textlastigen Infos sind jedoch wenig übersichtlich aufbereitet und vergleichsweise zäh herauszufiltern.

Karten:
Zwar verschafft eine Doppelseite gleich zu Beginn einen Überblick über die Lage der einzelnen Routen, das Kartenmaterial zu den jeweiligen Touren ist allerdings armselig. Nur wenige Höhenmeter oder Passhöhen sind vermerkt, auf eine topografische Darstellung wurde komplett verzichtet, so hat man beim Blick auf die Karte immer das Gefühl, hier wurde Flachland illustriert.

Reiseinfos:
Insgesamt 322 (überwiegend mäßige) Fotos dokumentieren fast jeden Streckenabschnitt, Bildunterschriften geben Erläuterungen dazu. Interessante Reiseinfos werden im Text hervorgehoben.

Fazit:
Besonders gut sind die abseitigen Touren, die unvorbereitete Alpenfahrer und Reise-Enduristen niemals finden würden. Guter Reiseführer für Kilometerschrubber und Serpentinensammler. Touristische Aspekte stehen eher hintan.

MOTORRAD-Urteil: Gut

Großer Alpenstraßenführer

Foto: Sdun

Verlag: Denzel Verlag, www.denzel-verlag.de
Autor: Harald Denzel
Maße: 130 x 220 x 35 mm
Gewicht: 828 g
Seiten: 652
ISBN: 978-3-85047-769-7
Preis: 39,90 Euro

Handhabung:
"Der Denzel" ist gewissermaßen die Bibel aller Pass-Begeisterten. Kompakt in den Abmessungen, aber schwer und dick. Richtet sich an Fahrer aller Fahrzeuggattungen, inklusive Radfahrer. Über die Jahre hat sich das Werk weiterentwickelt. So wurde die Übersichtlichkeit durch Symbole (Fahrverbot, Maut, Schotter) gesteigert und länderweise ein Farbleitsystem eingeführt. Der stabile Einband ist abwischbar, mehr Pässe bietet keiner.

Routen:
Harald Denzel hat 720 auf Asphalt und Schotter erreichbare Hochpunkte in den Alpen detailliert beschrieben. Etliche sind auf keiner handelsüblichen Karte zu finden, "der Denzel" richtet sich daher eher an echte Pass-Experten, die schon vieles kennen und mit seiner Hilfe Geheimtipps serviert bekommen. Ein jahrelang gültiges Standardwerk.

Karten:
In den grafisch unaufwendigen Karten (keine Topografie-Ebene, keine Entfernungsmaßleiste) sind meistens mehrere Hochpunkte oder Pässe markiert. Dennoch bieten die 106 farbigen Karten eine gute Übersicht. GPS-Koordinaten fehlen, das Aufsuchen der jeweiligen Punkte erfordert eine tiefere Beschäftigung mit der Materie, was nicht schlecht sein muss.

Reiseinfos:
Wer das im Vorwort und Anhang beschriebene "Denzel-System" verinnerlicht hat, bekommt maximale Information zu den anfahrbaren Hochpunkten und Pässen der Alpen. Mehr hat kein anderer Autor gesammelt und beschrieben. Es geht aber in erster Linie um die Wege und Straßen, weniger um Sehenswürdigkeiten am Wegesrand oder zusätzliche Reiseinfos.

Fazit:
Auch Denzel Nummer 24 ist was für echte Freaks. Seine Stärken liegen in der tiefen Kenntnis der Materie, die sich Eduard und Harald Denzel seit 1956 erworben haben. Weiterer Vorteil und Alleinstellungsmerkmal ist die schiere Fülle der Hochpunkte.

MOTORRAD-Urteil: Gut

Pässe

Foto: Sdun

Verlag: Highlights-Verlag, www.highlights-verlag.de
Autor: S. Harasim, M. Schempp
Maße: 147 x 210 x 12 mm
Gewicht: 410 g
Seiten: 192
ISBN: 978-3-933385-14-7
Preis: 16,90 Euro

Handhabung:
Klein, leicht und widerstandsfähig genug für den Tankrucksack, abwischbarer, flexibler Einband. Oft ansprechendes Bildmaterial (118 Fotos), leider teilweise älteren Datums, passable Druckqualität. Übersicht auf den ersten Blick gut, bei näherer Analyse Anzeichen kostensparender Produktion, keine GPS-Koordinaten, keine Höhenprofile, dafür Farbleitsystem und Beschreibung von 100 motorradfreundlichen Hotels.

Routen:
Gut, dass alle klassischen Routen vertreten sind und im Lauftext unterhaltsam beschrieben werden. Schlecht, dass in der Kurzcharakteristik der Pässe mitunter die Angabe von Start- und Zielort fehlt. Es ist auch nicht ersichtlich, nach welchen Kriterien die Schwierigkeitsgrade ermittelt wurden und was sie genau an Fahrkönnen voraussetzen.

Karten:
Die Position der Pässe in den billigst erstellten Übersichtskarten ist nicht wirklich erkennbar, hier hätte nutzwertige Grafik Platz finden können. Die Kopien von Originalkarten im Maßstab 1:300000 leiden daran, dass die Routen nicht gekennzeichnet und somit sehr schlecht zu erkennen sind. Keine Entfernungsmaßleiste. Hier wurde an der falschen Stelle gespart.

Reiseinfos:
Gut: brauchbare Hoteltipps, Passtabelle auf einen Blick, Kurz-Check mit Höhe, Länge, Öffnungszeit und Schwierigkeitsgrad der Pässe sowie Tipps und Infos in den Umschlagseiten. Schlecht: als Info getarnte Werbung am Ende des Buchs.

Fazit:
Dieser Alpenführer möchte laut Buchrückentext ein Standardwerk sein. Ein Ziel, das er im MOTORRAD-Check deutlich verfehlt. Trotz guter Ansätze wirkt sich der allzu häufig ersichtliche Sparzwang destruktiv auf Nutzung und Beurteilung aus.

MOTORRAD-Urteil: Ausreichend

Motorradtouren in den Alpen

Foto: Sdun

Verlag: Tappeiner Verlag, www.tappeiner.it
Hrsg: Alpen Motorradhotels, Dolomiten Bike
Maße: 165 x 213 x 12 mm
Gewicht: 500 g
Seiten: 175
ISBN: 978-88-7073-519-2
Preis: 16,90 Euro

Ausstattung:
Abwischbarer Einband, tankrucksackfreundliches Format, CD-Rom mit GPS-Daten im Buch enthalten. Zwei Hotelzusammenschlüsse, die Alpen Motorradhotels (www.alpen-motorradhotels.com) und die Partner Hotels Dolomiten Bike (www.dolomiten-bike.com) haben diesen Reiseführer mit Fotomaterial unterschiedlichster Herkunft erstellt. Touren mit Lauftext, technischen Daten und allgemeinen Infos klar dargestellt.

Routen:
Beschrieben sind insgesamt 30 Motorradtouren in den Alpen. Der Schwerpunkt liegt mit 20 Routen in Südtirol und den Dolomiten, die restlichen zehn verteilen sich auf Vorarlberg im Westen, das Salzburger Land im Osten, Oberjoch (Allgäu) im Norden und die Drei Zinnen im Süden. Was sicher mit der Lage der beteiligten Hotels zu tun hat.

Karten:
Die Karten überzeugen durch gute Druckqualität und klare Kennzeichnung der Routen. Außerdem enthalten sie Richtungspfeile als Befahrungsempfehlung. Auch die Grenzverläufe sind klar gekennzeichnet. Was fehlt, ist eine Entfernungsmaßleiste und eine Topografie-Ebene. Auch eine Übersichtskarte zur Orientierung vermisst man.

Reiseinfos:
Jede Routenbeschreibung verfügt über Streckeninfos samt Etappen mit Kilometerangaben. Zudem wird über Ausgangs- und Endpunkt, Anfahrt, Streckenlänge und Höhenmeter, Straßenverhältnisse, Passöffnungszeiten, Sehenswürdigkeiten und Unterkünfte informiert. Sehr nützlich.

Fazit:
Die Hoteliers überzeugen in ihrem Alpenführer mit hoher Informationsdichte und einer CD mit nützlichen GPS-Daten. Das Fotomaterial aus verschiedensten Quellen wirkt uninspiriert, eine Übersichtskarte fehlt. Dennoch punktet das Werk mit Nutzwert.

MOTORRAD-Urteil: Befriedigend

Foto: Archiv

Fazit

Die pfiffigen ADAC Tourbooks machen wegen guter Reiseführung und cleverer Leserführung das Rennen. Eine durchdachte und aufwendige Aufbereitung von Infos lassen die anderen Reisebücher leider etwas vermissen, auch wenn ihr Inhalt oft deutlich umfassender ist. Aber es gilt nicht: Je mehr Tourenvorschläge, desto größer das Alpenerlebnis. Besser sind Bücher, die einen wirklich gut auf Tour bringen.

Experten-Meinung

Foto: Sdun

Schön, dass es so viele extrovertierte Menschen unter uns gibt, die ihre Tourenerfahrungen in Schriftform anderen Reiselustigen zur Verfügung stellen. Zugegeben: Ich persönlich kann nicht viel damit anfangen. Braucht ein Tourenfahrer tatsächlich die vorab verfasste Erkenntnis eines mehr oder weniger kundigen Autors? Sicher machen diese Bücher Lust auf eine Reise in die Alpen. Aber hat man die nicht ohnehin? Und möchte man die Alpen nicht selbst entdecken, statt vorab schon alles in Bildern zu sehen? Für mich reicht eine gute Karte, um die schönsten Strecken abzulesen und zu einer Tour zusammenzustellen. Zudem gibt es im Internet genug virtuelle Tourenplaner, mit deren Hilfe man Tagesetappen ausarbeiten kann. Infos zu Hotels und Sehenswürdigkeiten sind im Internet meistens auf dem neuesten Stand. Allerdings kann ein gut gemachtes Buch helfen, Reinfälle zu vermeiden. Und Streckenempfehlungen eines routinierten Tourenfahrers müssen ja nicht schlecht sein. Der Nutzwert der Bücher hängt ab von eigener Abenteuerlust und vorhandenem Erfahrungsschatz. Für Vorfreude auf die Tour sorgen die Alpenführer ganz sicher.

Foto: jkuenstle.de

So testet MOTORRAD

Nein, wir haben nicht jede beschriebene Tour persönlich abgefahren, um Textaussagen mit der Realität zu vergleichen. Und einen Marcel Reich-Ranicki hatten wir als Kritiker leider auch nicht im Boot. Unser bescheidenes literarisches Quartett bestand aus vier motorradreise- und alpenerfahrenen Redakteuren - und zusätzlich genügend Kennerstimmen, um subjektive Urteile weitestgehend zu vermeiden. Offenkundige Routenfehler, Falschinformationen etc. unterlagen zwar der Benotung, aber eine weitreichende Tiefenanalyse hätte den Umfang des Tests gesprengt - und wir setzen bei den Autoren der vorliegenden Alpenliteratur wohlwollend eine ausreichende Sorgfältigkeit bei ihren Recherchen voraus. Sollten Kennern dennoch besonders große inhaltliche Fehler bei den Tourenbeschreibungen auffallen, würden wir uns auch im Nachhinein über eine Rückmeldung freuen. Zur Bewertung der einzelnen Alpenführer wurde vorab ein Kriterienkatalog festgelegt, den wir wiederum zu vier größeren Hauptaspekten zusammengefasst haben.

Handhabung: Wie handlich ist das Buch, kann man es gut im Gepäck oder gar im Kartenfach des Tankrucksacks verstauen? Wie emfindlich ist es beim täglichen Gebrauch unterwegs (abwischbarer Umschlag, Bindungs- und Einbandqualität etc.)? Des Weiteren wurden Ausstattungsmerkmale wie Extra-Karten oder Info-CDs bewertet.

Routen: Punkte gab es sowohl für die Auswahl und Summe der beschriebenen Routen als auch für die Zuverlässigkeit der Informationen sowie die Aufbereitung und Darstellung (Bonuspunkte für Roadbooks, Übersichtstabellen, GPS-Koordinaten).

Karten: Nicht nur die Quantität, sondern vor allem die Qualität stand im Fokus. Helfen die Karten beim Navigieren und bei der Planung der Touren? Wie werden topografische Besonderheiten und Sehenswertes abgebildet? Pluspunkte gab es für eingängige Piktogramme und sauber angelegte Legenden.

Reiseinfos: Müssen sie mühsam aus den Tourenbeschreibungen herausgefiltert werden oder sind sie auf einen Blick ersichtlich? Es zählt bei der Benotung die Info-Dichte. So können auch Bücher mit nur wenigen Touren, aber einer hohen Gesamtsumme an nützlichen Infos gute Noten erzielen.

Foto: Sdun

Netz und Navigation

Bücher haben starke Konkurrenz durch die neuen Medien bekommen. Wer lieber im Netz stöbert, als die Nase in gebundenes Papier zu stecken, kann auf ein breites Internetangebot zum Thema Alpen zurückgreifen. Zahlreiche Portale bieten Informationen zu Reiserouten, Sehenswürdigkeiten und Unterkünften, Tourenplaner ermöglichen das Zusammenstellen individueller Routen, weitere Anbieter den Download von fertig ausgearbeiteten Strecken auf das eigene Navi, themengebundene Apps schnelles Zusatzmaterial. Die Analyse von alpenrelevanten Internetseiten wird bald Gegenstand einer gesonderten Geschichte in MOTORRAD sein. Nicht nur das Internet, sondern auch die Satelliten-Navigation konkurriert mit dem klassischen Reiseführer. Viele Reisende halten mittlerweile das Zusammenspiel von Straßenkarte im Tankrucksack zur Übersicht und Navi zur Standortbestimmung und Zielführung für die ideale Lösung. Dabei sollte man stets die geplante Strecke mit den Vorgaben des Navis abgleichen. Denn nicht immer führt einen das Navi auf den Pfaden, die man vorher sorgfältig ausgearbeitet hat. Hier sind Bücher weniger anfällig.

Foto: Sdun

Alternative Bücher

Mit diesem Alpenführer-Vergleichstest können wir keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Unser Augenmerk galt marktpräsenter Literatur, die schon im Titel auf eine Behandlung des gesamten Alpenraumes hinweist. Zahlreiche weitere Bücher haben Alpenländer oder Teilbereiche der Alpen zum Thema. Die in den Buchläden präsentesten wollen wir Ihnen hier kurz vorstellen: Buch 1: Der Tirol-Führer (ISBN 978-3-933385-54-3) aus dem Highlights-Verlag beschreibt zehn Touren. Seine Vorteile liegen im kleinen Format und geringen Gewicht. Für den Preis von 9,90 Euro liefert das Werk aber nur Basisinformationen. 2 und 3: Die ADAC-Tourbooks Schweiz (ISBN 978-3-89905-727-0) und Österreich (ISBN 978-3-89905-725-3) verbinden wie unser siegreiches "Deutsche Alpen"-Testexemplar zum Preis von je 14,95 Euro nutzwertig die Funktion eines Roadbooks mit der eines Reiseführers und sind dazu noch kompakt und leicht. Buch 4 ist ein Bruckmann-Erzeugnis (ISBN 978-3-7654-3955-1). Autor Heinz E. Studt beschreibt für 24,95 Euro in schönen Bildern 30 Touren durch die Schweiz. Mehr ein Werk für Genießer als für Nutzwertfans. Auch Buch 5 kommt von Bruckmann und Studt. Er präsentiert 20 Wochenend-Touren in den Alpen (ISBN 978-3-7654-5357-1). In diesem Werk herrscht für 19,95 Euro hohe Info-Dichte, auch wenn es nicht an das Niveau des getesteten Studt-Werks "100 Alpenpässe" herankommt. Buch 6 (ISBN 978-3-7654-5492-9) ist ein weiterer Leckerbissen für Schweiz-Fans, wieder von Bruckmann verlegt und von Studt geschrieben. Das Reisehandbuch beschreibt zehn Ein- oder Mehrtages-Touren durch alle Kantone der Schweiz von Basel bis in die Alpen. Für 19,95 Euro sauber recherchiert und ansehnlich fotografiert. Buch 7 kommt aus dem Denzel Verlag: Mit 353 historischen Fotos gibt Harald Denzel Einblick in die bewegte Vergangenheit der Alpenstraßen (ISBN 978-3-85047-770-3, 29,90 Euro). Faszinierend!

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