Fotoausrüstung für Motorradfahrer Vergleichstest: Digitale Kompakt- und Spiegelreflexkameras

Vor der Kamera, also auf dem Motorrad, ist jeder ein gefühlter Action Hero. Hinter der Kamera diese Action einzufangen, gelingt Hobbyfotografen allerdings nur, wenn Foto-Equipment und Fachwissen ausreichen. MOTORRAD zeigt, wie fade Motorrad-Fotos der Vergangenheit angehören.

Foto: Dentges

Da heißt es oft: Viele Megapixel, also höhere Auflösung, bedeutet bessere Bildqualität. Falsch beziehungsweise nicht sauber erklärt. Richtig ist, dass eine höhere Auflösung in der Regel eine größere Ausgabegröße erlaubt, aber über die Qualität (Detailabbildung, Zeichnung, Kontraste, Farbdarstellung etc.) sagt das gar nichts aus. Insbesondere bei schlechten Lichtverhältnissen ergeben sich bei Minisensoren „krisselige“ Bilder mit viel sogenanntem Rauschen. Im Vergleich schneiden Edelkompakte mit größeren Sensoren beim Kriterium „Bildqualität“ beinahe durch die Bank weg besser ab, obwohl einige der teureren Fotoapparate „nur“ zehn Megapixel (MP) vorweisen können - im Gegensatz zu fetten 16 MP für unter 100 Euro. Hauptgrund: Gute Bilder enstehen nach wie vor durch eine gute Optik, diese ergibt sich in der Regel aus einer geschickten Kombination von verschiedenen Linsen.

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Foto: Dentges

Das benötigt Platz. Die Teleobjektive für semiprofessionelle Digital-Spiegelreflexkameras (DSLR) wiegen zwischen 500 und 1500 Gramm, die leichtesten Kompaktkameras mitsamt Elektronik und Gehäuse indes nur rund 100 Gramm.

Da kann sich wohl auch jeder Techniklaie vorstellen, dass bei der kleinen Knipse starke Abstriche bei der Bildqualität gemacht werden müssen. Wenn ein 50er-Moped gegen eine 1000er-Superbikemaschine antreten soll, sind die Gewinnchancen ja auch ungleich verteilt. Und, um im Motorrad-Bild zu bleiben, wenn nach landläufiger Meinung Hubraum durch nichts zu ersetzen ist, dann gilt für Fotokameras: Je mehr Licht auf den Sensor (bei analogen Kameras: Filmstreifen) treffen kann, desto besser die Leistung. Doch ganz so einfach ist es nicht, denn genau wie eine elektronische Einspritzung, eine gute Konstruktion, leichte Motorteile und so weiter die Leistung zum Beispiel durch höhere Drehzahlen hochschrauben, können bei modernen Digtitalkameras die Größe und Qualität des Sensorchips sowie die Rechenleistung des Prozessors die Abbildungsleistung erhöhen. Auffällig war jedenfalls bei den acht Einsteigerkameras bis maximal 200 Euro, dass es gerade bei der Bildqualität derart große Unterschiede gibt, während in der Aufsteigerklasse zwischen 200 und rund 500 Euro beinahe alle Kandidaten durchweg feine Bilder abliefern.

Um sein Motorrad für die Darstellung im Internet oder für Fotobücher ins rechte Licht zu rücken, reicht die Leistung dieser Kameras voll aus. Und auch bei MOTORRAD sind diese Kameras erfolgreich im professionellen Einsatz, sei es, um bei Reisegeschichten für versteckte und schnelle Schnappschüsse eine kompakte „Handfeuerwaffe“ in petto zu haben, oder auch, um unterwegs auffällige Details bei Motorrad- und Zubehörtests zu dokumentieren. Die Edlen sind zwar zwei- bis viermal teurer als die kleinen Knipsen, aber die Fotos sind - salopp gesagt - am Ende auch doppelt und dreifach geiler. Bei einer angenommenen Nutzungsdauer von rund vier Jahren und jährlich im Schnitt rund 1000 Bildern muss man nur ein paar Cent pro Foto draufrechnen. Klare Ansage: eine Investition, die lohnt. Wer hingegen ernsthaft in die Actionfotografie einsteigen möchte, kommt auf Dauer um eine Ausrüstung mit Spiegelreflexkamera nicht umhin. Erst die Wahlfreiheit der Optiken durch Wechselobjektive schafft den Rahmen, um richtig gute Ergebnisse beim Fotografieren von bewegten Objekten zu erzielen. Neben dem Gehäuse (Body) ab rund 400 Euro sollte man als Amateur mindestens Brennweiten von 18 bis 200 Millimetern abdecken können. Profikameras besitzen einen sogenannten Vollformatsensor (24 x 36 mm), sind preislich aber häufig jenseits von Gut und Böse - und offen gesprochen für Hobbyfotografen auch kaum von Nöten.

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Foto: Dentges

Mit guten Amateur-DSLRs (Halbformatsensor) ergibt sich systembedingt jedoch eine scheinbare Brennweitenverlängerung, fachsprachlich: der Cropaktor. Von Bedeutung ist dieser beim Objektivkauf, denn je nach Modell muss man die angegebene Brennweite um den jeweiligen Faktor (etwa eineinhalbfacher Wert) erhöhen. 18 Millimeter sind danach knapp 30 Millimeter Brennweite, was noch als Weitwinkel durchgeht. Das heißt, der Bildwinkel ist größer als der natürliche Eindruck des menschlichen Auges, sodass außergewöhnliche Perspektiven entstehen. Mit großen Brennweiten lassen sich Objekte wiederum schön heranzoomen, in der Actionfotografie ist dies das A und O, denn an eine rasende Sportmaschine zum Beispiel kommt man wohl kaum so nah heran wie an ein geparktes Bike, wenn man es gerne ablichten möchte. Auch unter diesem Aspekt kommen Kompakte mit durchschnittlichen Maximalbrennweiten meist deutlich unter 200 Millimetern schnell an ihre Grenzen. Eine alte Fotografenweisheit besagt aber: Die besten Bilder macht immer noch die Kamera, die überhaupt dabei ist. Und dummerweise wiegt eine komplette Semi-Profi-Ausrüstung samt Rucksack schnell mal acht Kilo, die einen beim Stadtbummel im Urlaub schwer piesacken können. Trotz aller Kaufempfehlungen in diesem Produkttest, um es klar und deutlich zu sagen: Die Bilder macht nach wie vor der Fotograf, nicht die Kamera. Auch wenn sich viele Geräte mittlerweile durch sehr durchdachte Motivprogramme auszeichnen (zum Beispiel automatische Gesichtserkennung, Makro-funk-tion für eine optimierte Darstellung von Details etc.), ein gutes Auge und Gespür für den richtigen Moment sind bei der Fotografie nach wie vor entscheidend. Die hier empfohlenen Kameras bilden eine gute Grundausstattung für Motorrad-Fotografen. Aber wer nicht mit unglaublichem Talent gesegnet ist, muss sich vom Lehrling zum Meister erst hocharbeiten, also Kurse belegen, Fachbücher lesen und probieren, probieren, probieren! Im Gegensatz zur altehrwürdigen Analogfotografie mit obligatem Filmmaterial kosten Digitalbilder außer Speicherplatz nichts.

 

Abschließend noch die drei besten Tipps für die Motorrad-Fotografie:

  • Motorrad aus der Distanz mit Zoom wieder heranholen, Maschine beziehungsweise Anbauteile kommen dann besser rüber. 
  • Ruhig mal andere Perspektiven versuchen, also: Auf die Knie und leg dich nieder!
  • Mut zum Weglassen: Motorrad (und Fahrer) auch mal nur im Anschnitt am Bildrand zeigen.


So bekommt auch ein Anfänger Bildergebnisse hin, die nicht nur Facebook-Freunde mit einem „Gefällt mir!“ goutieren.

Einsteigerklasse

Foto: MPS-Fotostudio

Fazit -  Casio EX-H30:
Schießt gute Fotos, viele sinnvolle Funktionen, großer Telebereich und damit gut aufgestellt für die Motorrad-Fotografie. Für unter 200 Euro mit Abstand die beste Wahl für Einsteiger.

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Fazit - Panasonic FS 16:
Beste Bildqualität in der Klasse, schön leicht und kompakt sowie klasse verarbeitet. Sympathische, sehr ausgewogene Kamera, die mit etwas mehr Brennweite noch weiter vorne wäre.

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Fazit - Canon IXUS 115 HS:
Fummelige Zoomwippe, mit Motorradhandschuhen kaum bedienbar. Durchschnittliche Funktionsvielfalt, ordentliche Ausstattung und gute Bildqualität. Auf jeden Fall das Geld wert.

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Fazit - Rollei Powerflex 500:
Der Preiskracher im Vergleich. Für weniger als 100 Euro bekommt man eine sehr ordentliche Schnappschussknipse, die qualitativ den Ansprüchen von Einsteigern mehr als genügt.

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Fazit - Sony W570:
Sehr kompakt, und sinnvolle Motivprogramme produzieren vorzeigbare Fotos. Menüführung etwas kompliziert und auffällig lange Verzögerung beim Bildabspeichern nach Auslösung.

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Fazit - Pentax Optio S1:
Die Investition ist gering - der Gegenwert aber auch. Die Wertigkeit der Bedienelemente ist unterdurchschnittlich, und man muss sich durchs Menü kämpfen. Macht jedoch passable Bilder.

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Fazit - Nikon Coolpix S3100:
Als Partyknipse noch ganz okay, aber die Verstellung der Brennweite ist zu lahm für gute Bilder von (fahrenden) Motorrädern. Bei wenig Licht ist die Nikon komplett überfordert.

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Fazit - Samsung PL120:
Mini-Zoomwippe nur mit spitzen Fingernägeln zu bedienen, Kamera reagiert sehr langsam auf Eingaben, bei schlechten Lichtverhältnissen vergleichsweise grottige Bildqualität.

Für Fortgeschrittene

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Fazit - Nikon Coolpix P7100:
Hammer-Bildqualität, solide Verarbeitung, ein großer Telebereich sowie das Klapp-Display führen zu einem knappen, aber verdienten Punktsieg: beste Motorrad-Kompaktkamera.

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Fazit - Canon Powershot G12:
Extrem vielseitig durch das Klapp-Schwenk-Display für ungewöhnliche Perspektiven. Tolle Abbildungsleistung, guter Brennweitenbereich. Erstklassige, robuste Kamera mit viel Charme.

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Fazit - Fuji Finepix F 600-EXR:
Mit dem 360er-Tele kann man wunderbar MotoGP-Stars in der Box oder eine herannahende Maschine einfangen. Leider spielt die Bildqualität nicht auf Top-Niveau mit. Fairer Preis.

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Fazit - Panasonic LX5:
Liegt angenehm in der Hand und liefert speziell bei schlechten Lichtverhältnissen allerbeste Bildqualität. Die Brennweite bis 90 Millimeter ist für Actionaufnahmen aber kaum ausreichend.

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Fazit - Olympus Tough TG-810:
Besonders wetter- und stoßfestes Gehäuse. Das mögen Motorradfahrer, genau wie die sehr kompakten Maße und den relativ kleinen Preis. Bei der Bildqualität aber nur zweite Wahl.

Semi-Profi-Equipment

Foto: MPS-Fotostudio

Technisch ist die D 7000 das beste Nikon-Angebot im Halbformat-Sektor. Ihre Bildqualität ist unter Laborbedingungen besser als die der Canon EOS 7D, in der Praxis ist dieser Vorteil aber vernachlässigbar. Entscheidender für anspruchsvolle Fotografen ist das bessere Rauschverhalten bei höheren ISO-Einstellungen und das doppelte SD-Speicherkartenfach. Weiterer Vorteil für Motorradreisende ist das kompaktere Gehäuse gegenüber der Canon. Nachteile im Nuancenbereich: Die Nikon schafft „nur“ sechs Bilder pro Sekunde und ihr Gehäuse besteht „nur“ partiell aus Magnesiumlegierung. Infos: www.nikon.de, Gehäusepreise von 890 bis 1080 Euro, 16 Megapixel, Full-HD-Filmsequenzen, Aufhellblitz.

Foto: MPS-Fotostudio

Bei Canon ist die EOS 7D das beste Angebot in der Halbformat-Klasse. Sie punktet mit einem automatischen Sensor-Reiniger, einem staub- und feuchtigkeitsgeschützten Gehäuse aus Magnesiumlegierung und bietet für Action-Fotografen beeindruckende acht Bilder in Reihenaufnahme pro Sekunde. Ein Wert, der nur noch vom Vollformat-Spitzenmodell EOS 1 geschlagen wird. Der 7D-Auslösemechanismus soll 150000 Belichtungen aushalten. Die EOS 7D-Haptik wirkt einen Hauch professioneller als die der Nikon, dafür ist das Gehäuse teurer. Infos: www.canon.de, Gehäusepreise von 1050 bis 1250 Euro, 18 Megapixel, Full-HD-Videos, Life View, Aufhellblitz.

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Um diese Kamera müssen sich Motorrad-Abenteurer keine Sorgen machen. Sie ist bis zehn Meter Tiefe auch im Salzwasser wasserdicht, kann Sandstürme und Stürze sowie 100 Kilo Druck aushalten, einsetzbar bis minus zehn Grad, und der Spezial-Kunststoff ist sauber verarbeitet. Vorteile: GPS-Funktion, Individualisierungsfunktionen und viele Einstellmöglichkeiten. Nachteile: schwache Videofunktion, und Bildqualität im Vergleich unter Top-Niveau. Weitere Outdoor-Kameras: Sony Cyber-Shot DSC-TX 10 (330 Euro), Panasonic Lumix DMC-FT2 (280 Euro), Samsung WP 10 (150 Euro), Ricoh PX (190 Euro). Infos: www.pentax.de. Preise 220 bis 250 Euro, Makro, Aufhell-LCDs.

Foto: MPS-Fotostudio

Deutlich kleiner, leichter und handlicher als Spiegelreflexkameras sind die sogenannten Systemkameras. Dieser Begriff steht für den Trend zu spiegellosen Digitalkameras mit Wechselobjektiven und unterschiedlichen Sensorgrößen und Bildqualitäten. Spiegel-reflex-Standards werden meistens nicht erreicht, Kompaktkamera-Standards hingegen oft übertroffen. Für den Motorradreisenden interessant aufgrund großen Brennweitenbereichs bei minimalen Maßen. Stellvertretend für die Gattung sei die Olympus EPL 2 vorgestellt, die mit ihren Schwestermodellen EPL 3 und EPM 1 ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bietet. Infos: www.olympus.de, 12 MP, Preise z. B. mit 14-150-mm-Kit-Objektiv von 498 bis 899 Euro.

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