Produkttest: Werkzeug-Koffer Wie gut sind günstige Werkzeug-Koffer wirklich

100 Teile für 100 Euro: In dieser Preisliga rümpfen Profischrauber verächtlich die Nase. MOTORRAD wollte es trotzdem wissen, sammelte 13 Werkzeugkoffer in Motorradläden und Baumärkten ein und fuhr damit nach Remscheid, in die Hochburg deutscher Werkzeugkunst: Gibt es echtes Männerspielzeug bereits für kleines Geld?

Foto: mps-Fotostudio
Männer auf Einkaufstour im Werkzeugladen: für US-Komiker Tim Allen eine Traumsituation in seiner Kult-Sitcom "Hör mal, wer da hämmert" ("Tool Time"). Die einzig passende Antwort auf Frauen beim Schuhkauf: archaische Grunzlaute beim Durchstöbern der Regale, orgiastisch gesteigert, wenn Werkzeugfanatiker Tim auf besonders fein geschmiedete Ware stößt. Und wenn dann seine (TV-)Ehefrau Jill den Erwerb von "noch mehr Werkzeug" süffisant kommentiert, schmettert er deren Einwände ebenso brüsk wie unbeirrbar ab: "Frauen haben ja keine Ahnung!"

Spätestens jetzt würde Sandra Müller mindestens eine Augenbraue kritisch nach oben ziehen. Denn sie hat Ahnung. Als Qualitätschefin beim deutschen Traditionshersteller Hazet (siehe Interview Seite 102 und das Firmenporträt im Anschluss) hat die 42-Jährige einen scharf geschulten Blick dafür, was gutes von schlechtem Werkzeug unterscheidet. Ein Grund für MOTORRAD, zusammen mit ihr am Remscheider Stammsitz von Hazet 13 Werkzeugkoffern aus der Discountliga in puncto Verarbeitung, Maßhaltigkeit und Finish gründlich auf den Zahn zu fühlen. Mit von der Partie ist Bodo Hoppe von der Forschungsgemeinschaft Werkzeuge und Werkstoffe, in deren Versuchs- und Prüfanstalt (VPA) so ziemlich alle Werkzeuge auseinander genommen werden, die in Deutschland erhältlich sind. Von der High-End-Werkstattausrüstung bis runter zur Discounterware, die bei Aldi, Lidl und Co. "vorübergehend im Sortiment" ist.
Auf die wurde bei der Beschaffung übrigens verzichtet. Zum einen, weil spätestens beim Erscheinen dieses Tests die meisten Produkte nicht mehr erhältlich wären. Und zum anderen, weil das Testergebnis nicht auf künftige Sonderverkäufe der Discounter übertragbar ist. Denn selbst wenn Markenname und Verpackung gleich bleiben: Der Inhalt kann längst aus anderen Quellen zusammengestellt sein.

In diesem Part der Werkzeugbranche geht es zu wie auf einem arabischen Basar. Nur dass der in Fernost, vornehmlich in Taiwan und China, stattfindet. Dass der komplette Inhalt aus einer einzigen Fertigungsstätte stammt, ist mehr als unwahrscheinlich. Und dass selbst ein Satz Steckschlüssel-Einsätze ("Nüsse") von unterschiedlichen Produzenten zusammengewürfelt wird, ist keine Seltenheit und trifft auch für manches Sortiment aus diesem Test zu.
Unsere Testkandidaten sind allesamt regulär im Handel erhältlich. Die Preisklammer reicht von 50 bis knapp 150 Euro, teilweise preisreduziert, wie beispielsweise der Lux-Werkzeugkoffer, für den Obi zum Testzeitpunkt 35 Euro Nachlass (99,99 statt 134,99 Euro) gewährte.

Bedient haben wir uns zudem aus dem Angebot der großen Motorrad-Fachhandelsketten (Polo, Louis), diverser Baumärkte (Obi, Hornbach, Toom) sowie im Kfz-Zubehörhandel (A.T.U). Der Inhalt sollte für Grundarbeiten am Motorrad ausreichend sein. Das Minimum: Umschaltknarre, Nüsse, Innensechskant-Schlüssel. Dazu nach Möglichkeit Maul-Ringschlüssel, Zangen und Schraubendreher. Die Grenze der Bestückung nach oben ist dagegen offen.
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Foto: Lohse

Produkttest: Werkzeug-Koffer Teil 2

Weshalb die Inhaltsangabe von übersichtlichen 43 Teilen (Proxxon) bis 445 Teile (hi-Q) reicht. Aber Vorsicht: Bei Polos Eigenmarke hi-Q besteht der Großteil aus Füllmaterial: Kabelbinder, Kabelschuhe, Sicherungen in vielen Facetten und Formen. An tatsächlicher Hardware zum Schrauben wird auch nicht mehr geboten als bei der Mehrzahl der anderen Koffer, deren Bestückung von 70 bis zu 100 Teilen reicht.

In Sachen Qualität fallen den Werkzeugprofis quer durch die Bank meist die gleichen Mängel auf. Zu den groben und häufig anzutreffenden Schnitzern zählen nicht entgratete Maulschlüssel, mit denen sich manch ein Redaktionskollege eine dringend fällige Rasur gönnen könnte. Ebenfalls mit hoher Quote vertreten sind die fehlenden Senkungen bei den Ringschlüsseln, die das Aufsetzen auf dem Werkstück erschweren. Schlecht eingepasste Gummis bei den Zündkerzeneinsätzen verderben genauso wie hakende Umschaltknarren die Lust am Schrauben. Bodo Hoppes Leidenschaft sind übrigens Hämmer. Nur der Lux-Hammer passierte den Hoppe-Check ohne Tadel. Alle anderen wurden, eingespannt im Schraubstock, schnell gerichtet: verschliffene Köpfe, ohne Oberflächenfinish, dürftig verkeilte Stiele aus miesem Holz. Und das, obwohl nach Kennzeichnung die Hämmer den DIN-Anforderungen entsprechen sollten. Von dem Aufdruck am Stiel "Genuine Hickory" ließ sich der Fachmann schon gar nicht blenden: Eine kurze Handbewegung ohne großen Kraftaufwand reichte, um Stiel und Kopf zu trennen: Ein Blick auf die Bruchkante brachte Gewissheit: Das Holz hat allenfalls im Sägewerk neben einem Stamm aus Hickory-Holz gelegen. Ohnehin monierten Hoppe und Müller immer wieder die fehlende oder mangelhafte Kennzeichung und Beschriftung der Teile. Eine korrekte Herstellerangabe ist kein DIN-Selbstzweck, sondern im Reklamationsfall absolut notwendig.
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Foto: Wolf
Punkt zwei auf der Werkzeug-Agenda: das Praxisurteil der MOTORRAD-Werkstatt durch Chefmechaniker Gerry Wagner ("Ohne einen gescheiten Knebel läuft nix") und Top-Tester Georg "Schorschi" Jelicic. Auch den beiden versierten Schraubern fiel immer wieder die teils dürftige Qualität vieler Teile ins Auge. Passte es in Sachen Finish, fehlten dafür wieder wichtige Teile wie eine 32er-Nuss, der 18er-Zündkerzen-Einsatz oder ein ausreichendes Schlüsselsortiment, das im Regelfall bei Größe 19 endete. Mit etlichen der sparsam bestückten Koffer würde bereits der Ausbau des Hinterrades scheitern. In Sachen Griffigkeit überzeugten nur wenige Werkzeuge. Besonders die dünnen, rutschigen Griffe vieler Schraubendreher fielen immer wieder mit ihrer "Schießbudenqualität" (Jelicic) durch das Raster der MOTORRAD-Schrauber. Schmerzlich vermisst wurde zudem ein schlanker Knarren-Satz in 3/8-Zoll, der besser als der unhandliche 1/2-Zoll-Format auf Motorradbedürfnisse zugeschnitten ist.

FAZIT: Unterm Strich bleiben zwei Kaufempfehlungen mit Einschränkungen. Zum einen für den Mannesmann-Koffer, der zwar eine akzeptable Qualität bietet, für Standardarbeiten am Motorrad aber zu schwach bestückt ist. Deutlich praxisnäher ist der hi-Q-Koffer von Polo ausgestattet, mit dem Gelegenheitsschrauber zwar gut zurechtkommen werden, der in puncto Qualität aber nicht an den Mannesmann heranreicht.
Foto: mps-Fotostudio

Ellix Werkzeugkoffer

Bezug: OBI Baumarkt, Telefon 02196/7601, www.obi.de;
Preis: 52,99 Euro

Inhalt:
125 Teile im Kunststoffkoffer; 1/4-Zoll-Steckschlüsselhalter und 3/8-Zoll-Umschalt-
knarre, 23 Sechskant-Einsätze 4–22 mm, 2 Zündkerzen-Einsätze 16/21 mm, 15 Maul-Ringschlüssel 8–17 mm, 6 Maulschlüssel 6–24 mm, Rollgabelschlüssel, 10 Innensechskantschlüssel 1,5–6 mm; 5 Schlitz-, 3 Kreuzschlitz-Schraubendreher; Bit-Schraubendreher mit 22 Bits; Wasserpumpen-, Flachrund-, Grip- und Crimpzange, Seitenschneider, Fühlerlehre, Drahtbürste

Qualität:
Maul-Ringschlüssel nicht ent­gratet, z. T. extrem scharfkantig, mit Schmiede­rückständen und nicht gesenkt; Zangen schief, schließen nicht; Innensechskantschlüssel teils nur abgestanzt; Knarrengriff lose; Innenrille an Einsätzen fehlt z. T.; Schraubendreherspitzen verchromt; Beschriftung fehlt

Handhabung:
Knarre läuft sehr grob; Schraubendreher völlig untauglich; Bithalter zu kurz, kein richtiger Griff möglich; ordentliche Crimpzange; Kasten unhandlich

Motorradnutzen:
3/8-Zoll-Größe theoretisch sinnvoll, aber wichtige Schlüsselweiten und Werkzeuge fehlen; Ausführung untauglich

Fazit:
Nicht günstig, sondern billig. Extrem billig! Mit diesem Werkzeug lassen sich Bauteile und Finger prima ruinieren.

MOTORRAD-Urteil: Mangelhaft
Foto: mps-Fotostudio

Hi-Q Tools Werkzeugkoffer

Bezug: Polo, Telefon 0180/5225785, www.polo-motorrad.de;
Preis: 149,95 Euro

Inhalt:
445 Teile im Metallkoffer mit Deckelfach und 3 Auszügen; 1/4- und 1/2-Zoll-Umschaltknarren; 1/4-Zoll-Steckschlüsselhalter, 25 Sechskant-Einsätze von 4–32 mm, 2 Zündkerzen-Einsätze 16/18 mm, 15 Maul-Ringschlüssel 6–22 mm, 9 Innensechskantschlüssel 1,5–10 mm; 2 Schlitz-, 2 Kreuzschlitz-Schraubendreher; Bit-Schraubendreher mit 24 Bits; Kombi-, Flachrund- und Crimpzange, Mini-Kneifzange, Seitenschneider, Spannungs­prüfer, Kabelschuhe, Sicherungen, Sicherungszieher, Klebeband, Kabelbinder

Qualität:
Maul-Ringschlüssel größtenteils ordentlich, Ringe aber teils außermittig und ohne Senkung; Zangen und Seitenschneider z. T. schief, schließen nicht vollständig; kleine Inbusschlüssel zum Teil abgestanzt; Knarren schwergängig; Tiefe der Einsätze z. T. zu gering; Kardangelenke etwas unsauber genietet

Handhabung:
Knarren-Rasterung etwas grob; Knarren, Schlüssel und Schraubendreher liegen gut in der Hand; top Kasten-Bedienung

Motorradnutzen:
sehr praxisgerecht, nur Wasserpumpenzange und Hammer fehlen

Fazit:
Die Teileangabe ist Augenwischerei, die Zangen sind lausig. Der Rest ist okay – „der Einäugige unter den Blinden“.

MOTORRAD-Urteil: Befriedigend
Foto: mps-Fotostudio

HM Müllner Werkzeuge

Bezug: Toom Baumarkt, Tel. 0800/7763422, www.toom-baumarkt.de;
Preis: 99 Euro

Inhalt:
88 Teile im Kunststoffkoffer; 1/4- und 1/2-Zoll-Umschaltknarren; 1/4-Zoll-Steckschlüsselhalter, 29 Wellenprofil-Einsätze von 4–32 mm, 12 Maul-Ringschlüssel 6–22 mm; 2 Schlitz-, 2 Kreuzschlitz-Schraubendreher; Bit-Aufnahme mit 30 Bits; Wasserpumpen- und Kombizange, Spannungsprüfer

Qualität:
Ringe der Maul-Ringschlüssel teils außermittig und nicht gesenkt; Wasserpumpenzange klemmt und wackelt; Kombizange schneidet nicht, quetscht nur; Knarren laufen teilweise etwas unsauber und haken; Einsätze z. T. unsauber verarbeitet (Absätze); Schraubendreher mit guter Qualität

Handhabung:
Bis auf den Hammer und die Zangen ordentlich zu nutzendes Werkzeug, liegt gut in der Hand; Bit-Kästchen sehr praktisch; Rändelung der Verlängerungen praxisgerecht; Befestigung der Werkzeuge im Koffer unbefriedigend und wenig dauerhaft

Motorradnutzen:
praxisgerechte Bestückung, Größenbereich der Schlüssel und Einsätze sehr gut gewählt; für StandardArbeiten ist die Werkzeugauswahl (nicht die Qualität!) völlig ausreichend

Fazit:
Bei Hammer und Zangen wurde extrem gespart; Knarren samt Einsätze und die Schraubendreher sind durchaus okay.

MOTORRAD-Urteil: Ausreichend
Foto: mps-Fotostudio

Industrial Werkzeugkoffer

Bezug: Hornbach Baumarkt, Tel. 06348/6000, www.hornbach.de;
Preis: 79 Euro

Inhalt:
74 Teile im Kunststoffkoffer; 1/4- und 1/2-Zoll-Umschaltknarren; 1/4-Zoll-Steckschlüsselhalter, 19 Sechskant-Einsätze von 5–24 mm, 2 Zündkerzen-Einsätze 16/21 mm, 8 Maul-Ringschlüssel 10–19 mm, 7 Innensechskantschlüssel 2,5–10 mm; 3 Schlitz-, 2 Kreuzschlitz-Schraubendreher; Bit-Umschaltknarre mit 22 Bits; Wasserpumpen- und Kombizange; Hammer 300 g, Spannungsprüfer

Qualität:

Maul-Ringschlüssel teils unsauber verarbeitet und mit Grat, Ringe teils außermittig, nicht gesenkt und mit Schmiedeüberlappung; Kombizange mit großem Luftschlitz; Hammer verschliffen, Pinne nicht abgerundet, bricht bereits bei geringer Belastung (Stiel laut Beschriftung „Genuine Hickory“, vermutlich aber etwas anderes); Herstellerbezeichnung fehlt, Beschriftung löst sich z. T.

Handhabung:
Bauart der Bit-Knarre unpraktisch; 1/2-Zoll-Knarre ergonomisch unglücklich, Zangengriffe rutschig; Werkzeuge im unteren Kofferteil völlig ungesichert

Motorradnutzen:
zu kleines und praxisfremdes Größenspektrum der Werkzeuge

Fazit:
Unpassende Werkzeuggrößen, mäßige Qualität, ein versagender Hammer und miese Zangen – noch Fragen?

MOTORRAD-Urteil: Mangelhaft
Foto: mps-Fotostudio

Kraftmann Steckschlüsselsatz

Bezug: Polo, Telefon 0180/5225785, www.polo-motorrad.de;
Preis: 69,95 Euro

Inhalt:
94 Teile im Kunststoffkoffer; 1/4- und 1/2-Zoll-Umschaltknarren; 1/4-Zoll-Steckschlüsselhalter, 43 Wellenprofil-Einsätze von 4–32 mm, 2 Zündkerzen-Einsätze 16/21 mm, 3 Innensechskantschlüssel 1,5–2,5 mm; 2 Bit-Aufnahmen mit 33 Bits

Qualität:
Knarren offen und schmutzempfindlich, Gehäuse unsauber verarbeitet; Einsätze teils mit schlechtem Oberflächenfinish und bereits im Neuzustand korrodiert; 1/4-Zoll-Bit-Einsätze ohne Innenrille, lassen sich auf Knarre nicht sichern; Kardangelenke sehr schlecht verarbeitet; Gummis in Zündkerzen-Einsätzen passen nicht; Innensechskantschlüssel nur abgestanzt; Herstellerangabe fehlt

Handhabung:
Knarrenlauf okay, Griffe aber etwas rutschig; ¼-Zoll-Bit-Einsätze können leicht abrutschen; Kardangelenke arbeiten nur sehr grob, Werkzeuge im Kofferunterteil weitgehend ungesichert

Motorradnutzen:
Einsätze mit praxisgerechte Größen, die langen Einsätze (auch in 1/4-Zoll!) sind sehr praktisch, aber eine Rändelung fehlt; Bit-Größen teils überdimensioniert

Fazit:
Gute Größenauswahl; sehr ähnlich wie der Mannesmann-Koffer bestückt, aber deutlich schlechter verarbeitet.

MOTORRAD-Urteil: Ausreichend
Foto: mps-Fotostudio

Lux Werkzeugkoffer Profi

Bezug: OBI, Tel. 02196/7601, www.obi.de;
Preis: 99,99/134,99 Euro (Angebot/regulär)

Inhalt:
70 Teile im Metallkoffer mit Deckelfach und zwei Auszügen; 1/4- und 1/2-Zoll-Umschaltknarren; 1/4-Zoll-Steckschlüsselhalter, 21 Sechskant-Einsätze von 4–27 mm, 2 Zündkerzen-Einsätze 16/21 mm, 7 Maul-Ringschlüssel 8–17 mm; 2 Schlitz-, 4 Kreuzschlitz-Schraubendreher; Bit-Aufnahme mit 20 Bits; Kombizange, Seitenschneider; Hammer 300 g, Spannungsprüfer, Metallsäge

Qualität:
Maul-Ringschlüssel teils nicht sauber entgratet, Ringe z. T. unrund und nicht gesenkt; Knarren laufen etwas grob; Einsätze teils mit leichten Kanten im Vierkant; Zangen, Hammer und Schraubendreher mit guter Qualität, PH2 x 100 aber doppelt vorhanden, PZ1 x 80 fehlt; stabiler Koffer mit guter Auszug-Verriegelung, aber billigen Deckel-Verschlüssen

Handhabung:

Knarrengriffe nicht sehr ergonomisch, Schraubendrehergriffe-Form gut, aber etwas rutschig; Bithalter fummelig zu bedienen; Kofferbedienung sehr gut

Motorradnutzen:
bei den ganz kleinen und ganz großen Größen etwas knapp bestückt; Wasserpumpenzange fehlt

Fazit:
Insgesamt solide Qualität mit leichten Schwächen bei den Schlüsseln; für Motorrad-Schrauber nicht ganz praxisgerecht.

MOTORRAD-Urteil: Befriedigend
Foto: mps-Fotostudio

Mannesmann Werkzeuge Steckschlüsselsatz

Bezug: A.T.U Autoteile Unger, Tel. 0961/3060, www.atu.de;
Preis: 99,99 Euro

Inhalt:
94 Teile im Kunststoffkoffer; 1/4- und 1/2-Zoll-Umschaltknarren; 1/4-Zoll-Steckschlüsselhalter, 43 Wellenprofil-Einsätze von 4–32 mm, 2 Zündkerzen-Einsätze 16/21 mm, 3 Innensechskantschlüssel 1,5–2,5 mm, 2 Bit-Aufnahmen mit 33 Bits

Qualität:
Knarren laufen sehr sauber, gut verarbeitete und geschlossene Gehäuse; Einsätze teils mit leichten Kanten im Vierkant; sehr gut: Kardangelenk verschraubt, nicht verstemmt oder vernietet; etwas weniger gut: Bit-Aufnahme nur mit einfachem Sicherungsblech statt Kugel; Werkzeuge im Kofferunterteil größtenteils nicht gesichert, 1/4-Zoll-Knarre passt nicht richtig in den Koffereinsatz

Handhabung:
Gute Knarrengriffe; Rändelung der Verlängerungen sehr praktisch; auch alle 1/4-Zoll-Bits dank Innenrillen gut gesichert; Griff des 1/4-Zoll-Steckschlüsselhalters etwas rutschig

Motorradnutzen:
sinnvolle Bestückung, gutes Größenspektrum; die langen Einsätze (auch in 1/4-Zoll!) sind sehr praktisch; vermisst wird nur ein 18er-Zündkerzeneinsatz

Fazit:
Praxisgerecht bestückt, durchweg gute Qualität – als Steckschlüsselsatz (nicht als Universal-Werkzeugkoffer) ein Kauftipp!

MOTORRAD-Urteil: Gut
Foto: mps-Fotostudio

Proxxon PKW- und Universalwerkzeugkoffer

Bezug: Proxxon, Telefon 06575/780, www.proxxon.com;
Preis: 147,50 Euro

Inhalt:
43 Teile im Kunststoffkoffer; 1/2-Zoll-Umschaltknarre; 10 Sechskant-Einsätze von 8–24 mm, 2 Zündkerzen-Einsätze 16/21 mm, 12 Maul-Ringschlüssel 6–19 mm, 8 Innensechskantschlüssel 1,5–8 mm; 4 Schlitz-, 2 Kreuzschlitz-Schraubendreher; Wasserpumpen- und Kombizange; Hammer 300 g, Spannungsprüfer

Qualität:
Maul-Ringschlüssel z.T. unsauber verarbeitet, Ringe teils außermittig und nicht gesenkt; Knarre läuft sehr grob; sehr hochwertige Marken-Zangen (Knipex); Schraubendreher z. T. nicht maßhaltig; „keinerlei Bruchgefahr“ als zugesicherte Eigenschaft für die Einsätze ist falsch: der 10er-Einsatz bricht bei 190 Nm (DIN-Wert 147 Nm); der Hammerkopf ist teilweise nicht bearbeitet (was er nach DIN sein müsste); kleine Innensechskantschlüssel stirnseitig nicht bearbeitet; robuster Koffer mit (fast schon zu) fester Werkzeugsicherung

Handhabung:
keine kleine Knarre vorhanden; Einsätze nur bis 24 mm; Schraubendreher liegen gut in der Hand

Motorradnutzen:
sehr spartanische Ausstattung, eher Pkw- als Motorradtauglich

Fazit:
Der Proxxon-Klassiker hat nachgelassen; im MOTORRAD-Test 1994 (!) war die Bestückung gleich, die Qualität aber besser.

MOTORRAD-Urteil: Ausreichend
Foto: mps-Fotostudio

Rothewald Industrie-Werkzeugsatz

Bezug: Detlev Louis, Telefon 040/73419360, www.louis.de;
Preis: 139,95 Euro

Inhalt:
122 Teile im Kunststoffkoffer; 1/4, 3/8- und 1/2-Zoll-Umschaltknarren; 1/4-Zoll-Steckschlüsselhalter, 35 Sechskant-Einsätze von 4–32 mm, 16 Maul-Ringschlüssel 6–22 mm, 9 Innensechskantschlüssel 1,5–10 mm; 2 Schlitz-, 4 Kreuzschlitz-Schraubendreher; Bit-Umschaltknarre und 2 Bit-Aufnahmen mit 30 Bits; Wasserpumpen- und Kombizange, Seitenschneider; Spannungsprüfer

Qualität:

Maul-Ringschlüssel teils nicht sauber entgratet, Ringe z. T. außermittig und ohne Senkung; Einsätze mit Absätzen im Vierkant; Knarren offen (Verschmutzungsgefahr), laufen aber sauber; Kombizange schließt nicht, Wasserpumpenzange kann Finger klemmen; Schraubendreher z. T. nicht maßhaltig; Innensechskantschlüssel instabil; Kardangelenk nur einfach vernietet; Kofferqualität gut

Handhabung:
Gute Bit-Aufbewahrung; Knarren-Griffe ergonomisch unbefriedigend

Motorradnutzen:
Üppige und durchaus praxisgerechte Bestückung; Größenspektrum sehr gut; nur ein Hammer fehlt – und die Verarbeitungsqualität

Fazit:
Der Kofferinhalt wirkt im ersten Moment sehr beeindruckend, doch beim Schrauben stellt sich schnell Ernüchterung ein.

MOTORRAD-Urteil: Ausreichend
Foto: mps-Fotostudio

Rothewald Profi-Werkzeugkoffer

Bezug: Detlev Louis, Telefon 040/73419360, www.louis.de;
Preis: 139,95 Euro

Inhalt:
201 Teile im Metallkoffer mit Deckelfach und zwei Auszügen; 1/4- und 1/2-Zoll-Umschaltknarren; 21 Wellenprofil-Einsätze von 4–27 mm, 16 Maul-Ringschlüssel 6–22 mm, 3 Zündkerzen-Einsätze 16/18/21 mm, 9 Innen­sechskantschlüssel 1,5–10 mm; 3 Schlitz-, 2 Kreuzschlitz-Schraubendreher; Bit-Aufnahme mit 18 Bits; Kombi-, Flachrund- und Crimpzange, Seitenschneider; Hammer 300 g, Spannungsprüfer, Zündkerzenbürste, Fühlerlehre, Schieblehre, Kabelschuhe, Sicherungen mit Halter, Klebeband, Kabelbinder, Teppichmesser mit Ersatzklingen

Qualität:
Maul-Ringschlüssel unsauber bearbeitet; Absätze in Einsätzen; Seitenschneider schließt nicht; Hammergriff nicht verkeilt und locker; Crimpzange extrem schwergängig, Griffe lassen sich leicht abziehen; Auszüge im geschlossenen Zustand nicht verriegelt

Handhabung:

Zangen- und Knarrengriffe nicht praxisgerecht; Schraubendrehergriffe zu kurz, praktischer Innensechskant-Halter

Motorradnutzen:
Bestückung theoretisch sehr gut, praktische Ausführung schwach

Fazit:
Das „Profi“ im Modellnamen ist ein Witz. Die üppige Teileangabe ist Augenwischerei (Kabelbinder!), die Qualität mäßig.

MOTORRAD-Urteil: Mangelhaft
Foto: mps-Fotostudio

Rothewald Steckschlüssel-Set

Bezug: Detlev Louis, Telefon 040/73419360, www.louis.de;
Preis: 79,95 Euro

Inhalt:
108 Teile im Kunststoffkoffer; 1/4- und 1/2-Zoll-Umschaltknarren; 1/4-Zoll-Steckschlüsselhalter, 43 Wellenprofil-Einsätze von 4–32 mm, 13 Torx-Einsätze E4–E24, 2 Zündkerzen-Einsätze 16/21 mm, 3 Innensechskantschlüssel 1,5–2,5 mm; 2 Bit-Aufnahmen mit 35 Bits

Qualität:
Knarren teils offen (Verschmutzungsgefahr), laufen gut; Bit-Aufnahme nur mit einfachem Sicherungsblech statt Kugel; Kardangelenk nur genietet; Gummistopfen an Zündkerzen-Einsätzen nicht ganz passgenau

Handhabung:
Rändelung der Einsätze und Verlängerungen sehr praxisgerecht; Knarrenrastung gut, Griffe aber zu rutschig; sehr gut: robuste Polstereinlage mit Größenangaben (nicht im Bild); Koffer wirkt sehr billig, Werkzeuge im unteren Kofferteil ungesichert

Motorradnutzen:
Absolut praxisgerechtes Größenspektrum; Wellenprofil findet auch bei vermurksten Schraubenköpfen Halt; die langen Nüsse (auch 1/4-Zoll!) sind sehr gut; Außentorx-Einsätze aber eher überflüssig, eine 3/8-Zoll-Knarre wäre sinnvoller gewesen

Fazit:
Von den metrischen Rothewald-Sets die mit Abstand beste Wahl. Bestückung gut, das Preis-Leistungsverhältnis stimmt.

MOTORRAD-Urteil: Befriedigend
Foto: mps-Fotostudio

Rothewald Zoll-Werkzeug-Set

Bezug: Detlev Louis, Telefon 040/73419360, www.louis.de;
Preis: 99,95 Euro

Inhalt:
92 Teile im Kunststoffkoffer; 1/4- und 3/8-Zoll-Umschaltknarren; 1/4-Zoll-Steckschlüsselhalter, 29 Sechskant-Einsätze von 5/32–1 Zoll, 3 Zündkerzen-Einsätze 5/8, 3/4, 13/16 Zoll, 9 Maul-Ringschlüssel 1/4–3/4 Zoll, 9 Innensechskantschlüssel 1/16–3/8 Zoll; 2 Bit-Aufnahmen mit 29 Bits

Qualität:
Maul-Ringschlüssel z. T. etwas scharfkantig, Ringe teils außermittig und ohne Senkung; Einsätze recht sauber verarbeitet, Vierkant bei einigen Einsätzen aber zu kurz; Knarren laufen gut, Kennzeichnung auf Werkzeugen fehlt teilweise; sehr gut: robuste Polstereinlage mit Größenangaben (nicht im Bild); nur mäßig robuster Koffer, liegt geöffnet nicht plan auf; Werkzeuge im Kofferunterteil größtenteils ungesichert

Handhabung:
Knarren liegen gut in der Hand, Entsperrknopf sitzt aber etwas zu tief; Knarrenlauf gut; gut: Innensechskantschlüssel mit Kugelköpfen, praktischer Halter

Motorradnutzen:
gute Zusammenstellung, praxisgerechtes Größenspektrum; gute Auswahl an langen Einsätzen

Fazit:
Solide gemacht; als Einsteiger- und Gelegenheitsschrauber-Set fürs Basteln an US- oder UK-Bikes gut geeignet.

MOTORRAD-Urteil: Befriedigend
Foto: mps-Fotostudio

Stanley Expert Werkzeugkoffer

Bezug: Stanley, Tel. 0421/598777, www.stanleyworks.com;
Preis: 129,80 Euro

Inhalt:
97 Teile im Kunststoffkoffer; 1/4- und 1/2-Zoll-Umschaltknarren; 1/4-Zoll-Steckschlüsselhalter, 42 Sechskant-Einsätze von 4,5–32 mm, 2 Zündkerzen-Einsätze 16/21 mm, 2 Bit-Aufnahmen mit 41 Bits

Qualität:

Oberflächenqualität sehr schwankend; Einsätze z. T. korrodiert, kommen vermutlich aus verschiedenen Fertigungen; 1/4-Zoll-Einsätze teils krumm und schief; Bit-Aufnahme billig gemacht und schwergängig; Kardangelenk nur vernietet; gute Kofferqualität, solide und trennbare Scharniere; Werkzeug im Kofferunterteil größtenteils ungesichert

Handhabung:
1/4-Zoll-Knarre läuft schwergängig und mit grober Rastung; Knarrengriffe sehr gut geformt, aber etwas rutschig; keine Rändelung an Einsätzen und Verlängerungen; unpraktischer, fummeliger Bithalter

Motorradnutzen:

praxisgerechtes Größenspektrum, bis auf den 18er-Zündkerzeneinsatz sind alle gebräuchlichen Größen an Bord; sehr praktisch: die lange Steckschlüssel-Einsätze auch in 1/4-Zoll

Fazit:
Der sehr gute Markenname täuscht hier etwas. Von „Experten-Qualität“ ist der Koffer weit entfernt, für Amateure okay.

MOTORRAD-Urteil: Befriedigend
Foto: mps-Fotostudio

Interview mit der Qualitätssicherung von Hazet

 ? Kann sich der Kunde auf das „Made in Germany“ auf Werkzeugen bzw. deren Verpackung noch verlassen, ist (durch Fernost-Billigimporte) der Ruf „echter“ deutscher Produkte gefährdet?

 ! Der Kunde kann sich im Großen und Ganzen auf das „Made in Germany“ verlassen. „Made in Germany“ ist ein eindeutig definierter Begriff, der besagt, dass der Hauptanteil der Wertschöpfung in Deutschland erfolgt. Es kommen aber immer mehr Anbieter in den Markt, die ihren Firmen­namen in Verbindung mit „Germany“ darstellen. Dies bedeutet jedoch im Zweifelsfall nur, dass diese Firma in Deutschland ansässig ist, nicht aber, dass die Produkte auch in Deutschland hergestellt werden. Hazet besitzt immer noch einen Eigenfertigungsanteil von etwa 75 Prozent. Ich bin der Ansicht, dass Produkte, die in Deutschland gefertigt werden, eine insgesamt höhere Qualität aufweisen. Gerade im Bereich Qualitätsmanagement gab es in den vergangenen zwanzig Jahren enorme Entwicklungen. Und das ist ein entscheidender Punkt: Schon in der Entwicklung der Werkzeuge wird deren Qualität erzeugt.

 ? Welche Rolle spielt Produkt-Piraterie in der Werkzeug-Branche, ist sie ein Problem für Hazet?


 ! Leider nimmt die Produkt-Piraterie auch in der Werkzeug-Branche eine immer größere Rolle ein. Dies musste unlängst auch Hazet feststellen, als kopierte Werkzeugwagen auf einer Messe in Essen auftauchten. Bei diesen Werkstattwagen fehlten nur noch die Hazet-Logos. Die optische Qualität der Plagiate nimmt leider erschreckende Ausmaße an, so dass ein Laie die Fälschungen beim Hinsehen kaum noch als solche erkennen kann.

 ? Sind klassische Werkzeuge wie Hämmer, Schlüssel und Einsätze schon „perfekt“, oder sehen Sie noch Entwicklungspotenzial?

 ! Es gibt für jedes Werkzeug Entwicklungspotenzial, welches immer wieder durch die Anwender beziehungsweise deren Anwendungen neu definiert wird. So mussten zum Beispiel Ring-Maulschlüs­sel immer schlanker werden bei gleich­bleibender Belastungsfähigkeit. Entwicklungspotenziale liegen zum Beispiel in der Gestaltung der Werkzeuge und in der Materialauswahl zur Steigerung der Belastungsfähigkeit, in der Verbesserung der Ergonomie, der Erhöhung der Arbeitssicherheit sowie in Hinblick auf mögliche neuen Betätigungsprofile.
Foto: mps-Fotostudio

Interview mit der Prüfanstalt Remscheid

 ? Werkzeug wird oft mit dem Hinweis „Chrom-Vanadium“ beworben. Was sagt das tatsächlich über die Qualität?

 ! Dem Stahl werden die Elemente Chrom und Vanadium hinzugefügt, um ihn zäh und verschleißfest zu machen. Das Verfahren ist teuer und wird bei Billigprodukten trotz der Kennzeichnung „Cr-V“ gern „vergessen“. Dazu wird Chrom-Vanadium in unterschiedlicher Güte hergestellt. Über die tatsächliche Qualität lässt sich aus dem Hinweis auf Cr-V-Stahl nichts ableiten.

 ? Was kann der Kunde aus Kennzeichnungen wie DIN- oder GS-geprüft ableiten?

 ! Vorneweg: DIN steht nicht für „Deutsche Industrienorm“, sondern ist die Abkürzung für „Deutsches Institut für Normung“. Das wird gern verwechselt. Wenn DIN draufsteht, sollte es auch nach Vorgabe der entsprechenden DIN-Norm produziert worden sein. Häufig ist die gelobte Norm aber nur die Mindestquali­tät: Gutes Werkzeug kann deutlich bessere Werte bringen! Das GS-Zeichen sagt aus, dass zumindest eine Baumusterprüfung erfolgt ist und der Produzent in der Lage ist, eine gleichmäßige Qualität zu produzieren. Aber: Die muss nicht einer DIN-Qualität entsprechen.

 ? Gibt es einen Qualitäts-Check, den auch der Laie schnell im Laden vornehmen kann? Kurz gefragt: Woran erkennt der Laie gutes Werkzeug?

 ! Zunächst das Einfache: Zangen sollen schließen und Papier anschneiden können. Das kann man einfach mit einem Stück Papier prüfen. Griffe müssen fest, griffig und verdrehsicher sein, also: Mal dran ziehen und drehen – so fest man kann. Ebenso muss ein Klemmschutz vorhanden sein. Die Herstellerkennzeichnung muss auf allen Werkzeugen ab drei Millimeter Größe dauerhaft z. B. durch Stempel aufgebracht sein. Nur so kann im Reklamationsfall ein Nachweis erbracht werden. Die Werkzeuge müssen sauber bearbeitet sein: ohne Riefen, Lunker, Zunder oder sonstiges. Bei Schraubwerkzeugen muss die Verzahnung exakt mittig sein, Knarren müssen sich leicht und ohne Hakeln drehen lassen. Hämmer müssen ordentlich verkeilt, die Hammerköpfe entsprechend befestigt sein. Auf ein sauberes Holz beim Stiel achten!

 ? Welches sind die typischen Schwachstellen, die beim Billigwerkzeug immer wieder auftauchen?


 ! In der Regel sind es Maßhaltigkeitsfehler, vor allem bei den Bits. Dazu kommen zu geringe Härten und Drehmomente, die dazu führen, dass Billigwerkzeug einer Dauerbelastung nicht gewachsen ist.

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